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Dummheit des Jahres: Ausgerechnet ein Rollstuhlfahrer will den Bufdis in die Tasche greifen

Nicht nur junge Bufdis könnten abgeschreckt werden, sich zu engagieren (Foto: Angelina-Ströbel/pixelio.de)

Nicht nur junge Bufdis könnten abgeschreckt werden, sich zu engagieren (Foto: Angelina-Ströbel/pixelio.de)

Bundesfinanzminister Schäuble plant, das Einkommen von Bundesfreiwilligendienstlern (Bufdis) zu besteuern. Ein Gastkommentar von Benjamin Lassiwe (Flensburger Tageblatt).

336 Euro pro Monat. Das ist das Taschengeld eines Menschen, der sich im Bundesfreiwilligendienst engagiert. Eines Menschen, der sich 40 Stunden pro Woche für die Gesellschaft engagiert.

Bislang waren diese 336 Euro steuerfrei – doch geht es nach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, sollen die Freiwilligen künftig Steuern zahlen. Ein Vorschlag, der schon Anfang März alle Chancen hat, im Dezember zur größten politischen Dummheit des Jahres 2012 gekürt zu werden. Denn große Einnahmen sind nicht erwartbar: Die Bufdis werden nur dann über den Steuerfreibetrag von derzeit 8004 Euro kommen, wenn sie neben ihrem Freiwilligendienst noch andere Einnahmequellen haben.

Schäubles Vorschlag trifft also nicht die jungen Schulabgänger auf der Suche nach beruflicher Orientierung. Er trifft die Freiwilligen mit Berufserfahrung, die sich etwa im Rentenalter noch freiwillig engagieren wollen. Er trifft die Menschen, die ihre freie Zeit problemlos auch in etwas Anderes investieren könnten als in einen Freiwilligendienst.

Sicher, finanziell werden sie die Zusatzbelastung kaum spüren – psychologisch aber muss der Vorschlag des Finanzministers wie ein Fußtritt in den Allerwertesten wirken: Nicht einmal ein steuerfreies Taschengeld gönnt Schäuble ihnen. Und auch die freiwillig Wehrdienstleistenden sollen zur Kasse gebeten werden. Ob das mehr junge Männer und Frauen animiert, zur Truppe zu gehen? Dabei hat die Bundeswehr doch gerade Nachwuchssorgen.

Natürlich, Auszubildende und Praktikanten müssen ihr oft kleines Gehalt ebenfalls versteuern. So wie jeder andere Mensch in diesem Land. Aber sie sind in einer Berufsausbildung, die dem eigenen Fortkommen dient. Sie leisten keinen Freiwilligendienst für unser Land. Deswegen ist die Steuerpflicht an dieser Stelle nicht vergleichbar – und Schäubles Idee eine katastrophal dumme Initiative, deren schädliche Wirkung auf die Freiwilligendienste die positiven Effekte für die Staatskasse bei weitem übertreffen dürfte.

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