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E-Stimulation für Querschnittgelähmte: Hoffnung für Beine, Darm und Blase

Ich will gehen und muss pinkeln – Signale des Gehirns werden trotz Rückenmarkverletzung weitergeleitet.

Andrew Meas, Dustin Shillcox, Kent Stephenson und Rob Summers (v.l.n.r.). (Foto: louisville.edu/kscirc)

Können wieder ihre Beine bewegen: Andrew Meas, Dustin Shillcox, Kent Stephenson und Rob Summers (v.l.n.r.). (Foto: University of Louisville)

Hoffnung für Querschnittgelähmte: Irgendwann wird es der Medizin ja wohl gelingen, dass wir wieder alle normal laufen und pinkeln können. Nun gibt es neuen Stoff für unseren Traum.

Vier gelähmte Patienten haben ihre Beine durch eine elektrische Stimulation des Rückenmarks nach Jahren bewegen können. Andrew Meas, Dustin Shillcox, Kent Stephenson und Rob Summers bewegten ihre Zehen, Knöchel und Knie. Bevor wir nun ganz aus dem Häuschen sind: Die Vier konnten jedoch nicht selbständig gehen. Dies berichten Forscher des Kentucky Spinal Cord Injury Research Centre in den USA.

Epidurale Stimulation

Die im Magazin Brain veröffentlichte Studie legt nahe, das Elektrizität das Rückenmark empfänglicher für die wenigen Botschaften macht, die noch vom Gehirn empfangen werden. Das Rückenmark arbeitet wie eine Hochgeschwindigkeitsverbindung für elektrische Botschaften vom Gehirn an den Rest des Körpers. Kommt es zu einer Störung dieser Verbindung, werden diese Signale nicht mehr übertragen.

Vor drei Jahren berichten die Wissenschaftler, dass Summers mit Unterstützung seine Beine auf einem Laufband wieder bewegen konnte. Er war der erste, an dem die sogenannte epidurale Stimulation ausprobiert wurde. Dafür wurden dem Ex-Sportler im Jahr 2009 Elektroden direkt auf die dem Rückenmark aufliegenden Hirnhäute implantiert.

Die Wissenschaftlerin Katelyn Gurley misst die Aktivität in den Muskeln von Kent Stephenson. (Foto: University of Louisville)

Die Wissenschaftlerin Katelyn Gurley misst die Aktivität in den Muskeln von Kent Stephenson. (Foto: University of Louisville)

Über ein Gerät kann Summers elektrische Impulse von außen steuern. Sie sollen jene Signale ersetzen, die normalerweise vom Gehirn ausgehend durchs Rückenmark fließen und dort noch vorhandene Nervenfasern aktivieren. Der Ansatz unterscheidet sich von anderen experimentellen Behandlungen von Querschnittgelähmten, in denen versucht wird, die Rückenmarksfasern wieder wachsen zu lassen – etwa mit Hilfe von Stammzellen.

Jetzt wurden drei weitere Patienten, die seit mindestens zwei Jahren gelähmt waren, mit dem gleichen Verfahren behandelt. Sie konnten ihre Beine wieder präzise bewegen. Alle Patienten, bis auf einen, konnten auch die bei den Bewegungen eingesetzte Kraft kontrollieren. Damit sei bestätigt, dass eine Körperfunktion nach einer Lähmung wiederhergestellt werden kann.

Zustand verbessert sich deutlich

Laut Claudia Angeli von der University of Louisville verbesserte die Stimulation die Fähigkeit der Patienten, selbst zu trainieren. Sie fühlten sich wieder lebendig. „Die Muskelmasse hat deutlich zugenommen. Alle haben auch Veränderungen in der Funktion des Darms und der Blase.“ Es ist derzeit noch nicht erforscht, wie genau diese Stimulation hilft. Man schätzt, dass manche Signale noch immer die Verletzung des Rückenmarks überwinden können. Sie sind normalerweise aber nicht mehr stark genug, um eine Bewegung auszulösen.

Lesetipp: Spiegel Online – Querschnittgelähmte können ihre Beine wieder bewegen

(RP/pte)

Video: Die Arbeit der Universität Louisville

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