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EasyPass: Die neuen E-Kontrollen an Airports schließen Rollstuhlfahrer aus

Sehr ärgerlich: Das System soll Reisenden die Grenzkontrollen erleichtern – aber schafft neue Grenzen für Menschen mit Behinderung.

Ein Mann hält  seinen Reisepass auf ein Lesegerät des Grenzkontrollsystems "EasyPass". (Foto: Matthias Balk/dpa)

Ein Mann hält seinen Reisepass auf ein Lesegerät des Grenzkontrollsystems „EasyPass“. (Foto: Matthias Balk/dpa)

Auf den vier größten deutschen Flughäfen steht den Reisenden nun offiziell das neue EasyPass-System der Bundespolizei zur Verfügung – allzu gehbehindert dürfen die Passagiere aber in der Regel nicht sein, wenn sie in den Genuss der Errungenschaft kommen wollen. Das Thema Barrierefreiheit wird weitgehend auf die Warteliste gesetzt: Rollstuhlfahrern steht bislang nur eine EasyPass-Spur in Hamburg zur Verfügung.

Bereits seit Februar diesen Jahres waren die ersten Anlagen im Probebetrieb im Einsatz, aktuell stehen insgesamt 37 auf den Flughäfen in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München zur Verfügung, teilt die Bundespolizei mit.

Bis Anfang 2015 soll die Zahl der Einrichtungen auf 100 wachsen. Beim EasyPass-Verfahren passieren die Reisenden eine Schleuse, in der ihre Identität automatisiert erfasst und mit den Daten von Fahndungsdateien abgeglichen wird. Die wichtigsten Fakten zur elektronischen Grenzkontrolle im Überblick:

Freiwillige Nutzung

Das EasyPass-System ist ein Zusatzangebot, dass die Grenzkontrollen an den deutschen Flughäfen vereinfachen und beschleunigen soll. Reisende, die das System nicht nutzen wollen oder können, steht auch weiterhin eine konventionelle Grenzkontrolle zur Verfügung.

Voraussetzungen für die Nutzung

EasyPass können alle volljährigen Bürger der EU, der Schweiz sowie der Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) nutzen. Allerdings müssen sie über ein elektronisch auslesbares Reisedokument verfügen. Bei Deutschen ist das zum Beispiel der neue Personalausweis im Scheckkartenformat. Je nach Zielland kann jedoch zusätzlich ein Reisepass erforderlich sein.Die Bundespolizei empfiehlt, sich vor Reiseantritt beim Auswärtigen Amt darüber zu informieren.

Noch sind die meisten Sicherheitsschleusen des Grenzkontrollsystems "EasyPass" – wie hier auf dem Flughafen in Düsseldorf – nicht barrierefrei. (Foto: Matthias Balk/dpa)

Noch sind die meisten Sicherheitsschleusen des Grenzkontrollsystems „EasyPass“ – wie hier auf dem Flughafen in Düsseldorf – nicht barrierefrei. (Foto: Matthias Balk/dpa)

Ablauf der Kontrolle

Die Reisenden müssen ihren elektronischen Reisepass oder Personalausweis vor Betreten der Schleuse unter einen Scanner halten. Dieser prüft die Echtheit des Dokuments, fragt Fahndungskarteien ab und öffnet die Schleusentür, wenn nichts gegen den Reisenden vorliegt.

Im Inneren der Schleuse müssen die Passinhaber dann in eine Kamera blicken. Diese gleicht das Live-Bild mit dem auf dem Chip gespeicherten Lichtbild ab. Bei Übereinstimmung öffnet sich das zweite Schleusentor, und die Grenzkontrolle ist vollzogen.

Datenschutz

Nach Angaben der Bundespolizei werden alle beim Verlauf der Kontrolle erzeugten Daten unmittelbar nach der Kontrolle gelöscht. Die Ein- und Ausreisedaten der Bürger würden nicht gespeichert.

(RP/dpa/tmn)

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3 Kommentare

  • Hoffaex Marcel Hoffmann

    An Flughäfen haben Rollifahrer doch immer ne Fastlane so in die USvonA und Deutschland bisher immer gehabt

    17. Juni 2014 at 16:36
  • Alexander Hader

    Normal, weil Idioten so etwas planen und umsetzen…..

    17. Juni 2014 at 20:25
  • dasuxullebt

    Müssen Rollstuhlfahrer sich nicht sowieso vorher gesondert anmelden, damit sie ins Flugzeug können? Zumindest bei billigfliegern habe ich gesehen dass die ne spezielle Hebebühne benutzen.

    Und bei der manuellen Grenzkontrolle erhalten Behinderte üblicherweise den Vortritt, zumindest ältere Leute mit Rollator, also wohl auch Rollstuhlfahrer.

    Und es gibt laut Artikel einen barrierefreien Schalter. Der braucht vermutlich mehr Platz, weshalb man nur einen hat – man will zu Stoßzeiten viele Schalter haben, um die Leute schneller abzufertigen, und es ist wohl – zum Glück – nur ein sehr geringer Anteil an Leuten Rollstuhlfahrer.

    Wenn ich mir die vielen Regionalbahnhöfe ohne Aufzug und Rollstuhlrampe ansehe, oder die vielen Ampeln die nicht Blindengerecht sind … ist eine Beschwerde über ein paar Schalter am Flughafen die wahrscheinlich ohnehin nie genutzt würden schon auf sehr hohem Niveau.

    18. Juni 2014 at 03:58

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