eco-Chef: Das sind meine 3 Internet-Favoriten für Menschen mit Behinderung

Harald A. Summa setzt auf Community-Konzepte im World Wide Web. Und verurteilt eine sehr verbreitete Anwendung.

 Harald A. Summa, Geschäftsführer des eco-Verbands (Foto: eco)

Harald A. Summa, Geschäftsführer des eco-Verbands (Foto: eco)

Das Internet hat vielen Menschen mit Behinderung schon erhebliche Verbesserungen ihrer Lebensqualität gebracht, aber es gibt auch noch viel zu tun, um die virtuelle Welt barrierefreier zu gestalten. Diese Meinung vertritt eco – Verband der Internetwirtschaft e. V., der mit mehr als 800 Mitgliedsunternehmen Europas größter Zusammenschluss von Webfirmen ist.

„Es geht nicht nur darum, die Inhalte von Webseiten etwa durch eine Vorlesesoftware für Sehbehinderte verfügbar zu machen. Vielmehr gilt es weit darüber hinausgehend, das Community-Konzept des Internet smart zu nutzen, um behinderten Menschen zu helfen“, betont Harald A. Summa, Geschäftsführer des eco-Verbands. Hier nennt er seine drei Favoriten:

1. WheelMap

Web: http://wheelmap.org

Das beste Beispiel, wie das Netz Rollstuhlfahrern helfen kann. WheelMap ist eine Online-Karte mit rollstuhlgerechten Geschäften, Restaurants, Behörden und sonstigen öffentlich zugänglichen Orten – wie zum Beispiel ganz aktuell barrierefreien WCs. Jeder kann mitmachen und Lokationen mit einem Ampelsystem markieren: grün (durchgängig mit Rollstuhl nutzbar), gelb (prinzipiell zugänglich, aber nicht alle Räume) und rot (nicht zugänglich). Der Gründer von WheelMap, Raul Krauthausen, startete sein mittlerweile weltweit genutztes Mobility-Projekt im Jahr 2010 mit 1.000 Orten. Vor kurzem hat das Projekt die Marke von 500.000 Eintragungen überschritten – Tendenz weiterhin steigend.

2. BeMyEyes

Web: http://www.bemyeyes.org

Ein weiteres gelungenes Beispiel ist diese Online-Community, bei der Sehende sozusagen ihr Augenlicht Blinden zur Verfügung stellen. Der Blinde richtet die Smartphone-Kamera mit einer Frage („Ist die Milch noch haltbar?“) auf etwas, klickt auf „brauche Hilfe“ und ein Sehender, der zur Hilfe bereit ist, nimmt die Anfrage an und gibt die Antwort. Beide geben im Anschluss eine Bewertung ab, um „falsche Helfer“ auszuschließen.

3. VerbaVoice

Web: http://www.verbavoice.de

Vorbildlich ist auch diese App für Menschen mit Hörschädigung. Über die App können schwerhörige, gehörlose und ertaubte Menschen sowohl Schrift- als auch Gebärdendolmetscher online zuschalten. Da VerbaVoice als Kommunikationshilfe anerkannt ist, übernehmen die zuständigen Kostenträger die Ausgaben für die Dolmetscher, so dass für den bzw. die Hörgeschädigte keine Kosten anfallen.

Künstliche Barrieren

Als negatives Gegenbeispiel nennt eco die Captcha-Systeme, die dazu dienen, Software-Robots und Menschen zu unterscheiden. Die dabei verwendeten Schriftzeichen sind für Sehbehinderte praktisch nicht zu erkennen, so dass diese Menschen wie ein „Robot“ ausgegrenzt werden. Hier werde künstlich eine Barriere aufgebaut, die dem Ziel der Barrierefreiheit im Internet völlig entgegenstehe, kritisiert der Verband.

(RP/PM)

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2 Kommentare

  • I.Rogalla

    „Da VerbaVoice als Kommunikationshilfe anerkannt ist, übernehmen die zuständigen Kostenträger die Ausgaben für die Dolmetscher, so dass für den bzw. die Hörgeschädigte keine Kosten anfallen. “
    Ich wünsche mir, dass Rolling Planet solche Behauptungen nicht ungeprüft übernimmt. Diese Aussage ist irreführend bis falsch. Richtig ist leider: *Wenn* der zuständige Kostenträger dem Antrag auf Kostenübernahme *vorher* zugestimmt hat, fallen bei der Nutzung von VerbaVoice für den/die Hörgeschädigte keine Kosten an.

    4. Dezember 2015 at 16:28
    • ROLLINGPLANET
      ROLLINGPLANET

      Danke für den Hinweis.

      4. Dezember 2015 at 16:37

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