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Edina Müller: Paddel statt Basketball

Die ehemalige Nationalspielerin steigt um und will bei den Paralympics in Rio starten – dieses Mal im Kajak. Von Josef Opfermann

Edina Müller trug früher das Trikot der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft.

Edina Müller trug früher das Trikot der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft.

Nieselregen, Wind und Wellen – es gibt schöneres Wetter, um auf der Hamburger Außenalster zu trainieren. Doch Edina Müller blendet das aus, denn sie hat ein neues, großes Ziel vor Augen: Die 31-Jährige will noch einmal an den Paralympics teilnehmen. Diesmal im Kajak. Also nichts wie rein ins Boot und raus aufs Wasser, ihrem neuen Element.

Edina Müller hat bereits 2008 in Peking und 2012 in London die Faszination der Paralympics erlebt. Mit der deutschen Basketball-Mannschaft gewann sie Silber und Gold. 2012 wurde sie zu Hamburgs Sportlerin des Jahres gewählt, ehe sie im vergangenen Jahr ihre Basketball-Karriere beendete.

Bundestrainer: „Mach weiter!“

Warum trainiert sie nun in einer anderen Sportart wieder auf Leistungsniveau? „Ich habe schon lange mit meinem Freund ein großes Faltboot und ein kleines Seekajak“, erzählt die gebürtige Kölnerin von ihren Anfängen auf dem Wasser: „Ein befreundeter Renn-Kanute hat mich dann letzten Sommer zum Bundesstützpunkt nach Halle eingeladen. Ich solle doch mal Rennkajak ausprobieren. Danach meinte Bundestrainer Mathias Neubert: Das sieht ganz gut aus bei Dir. Mach weiter!“

Gesagt, getan. Da kommt wohl auch Müllers Leistungssportler-Gen durch: Optimales erreichen, Möglichkeiten ausloten, körperliche Grenzen austesten. Bis April will die dreimalige Europameisterin und Trägerin des Silbernen Lorbeerblattes in Top-Form sein. Dann steht der erste große Härtetest an: die Sichtung für die Para-Kanu-Nationalmannschaft des Deutschen Kanu-Verbandes.

„Es ist einfach, sie zu motivieren“

Dort entscheidet sich, ob und wie es für die Hamburgerin weitergeht. Bei einer erfolgreichen Sichtung und der Berufung in den Nationalmannschaftskader sind die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro möglich. „Egal was bei der Sichtung herauskommt: Ich werde auf jeden Fall weiter Kanu fahren. Das Größte wäre, es nach Rio zu schaffen. Noch mal zu den Paralympics. Darauf arbeite ich hin“, sagt Müller entschlossen.

Ihr Hamburger Trainer Jens Kröger glaubt, dass Müllers Paralympics-Erfahrung und ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten für eine erfolgreiche Sichtung im April sprechen. Er lobt den Ehrgeiz seiner Schülerin: „Es ist einfach, sie zu motivieren. Sie kämpft richtig, wenn es darum geht, ein Trainingsziel zu erreichen. Sie gibt nie auf.“

Vorbild für Patienten

Hauptberuflich arbeitet sie als Sporttherapeutin am Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg (BUK). Dort im Querschnittszentrum hilft Edina Müller ihren Patienten, die wie sie querschnittsgelähmt sind, einen Schritt zurück in einen halbwegs normalen Alltag zu schaffen. Mit ihrem Neuanfang im Kanusport will sie auch ihre Patienten ermutigen. Ihr Motto: einfach machen. „Einfach alles ausprobieren, was angeboten wird. Auch wenn du danach sagst, dass es nichts für dich ist“, sagt sie.

Ihr Ziel ist die paralympische Kanu-Sprintstrecke über 200 Meter. Für die Kader-Norm muss sie diese Strecke unter 1:02 Minuten absolvieren. Wenn es damit im April noch nicht klappen sollte, gibt es dieses Jahr im Dezember noch einen weiteren Sichtungstermin. Bisher hat Edina Müller ihre Ziele meistens erreicht.

(dpa, Foto:Wikipedia/Bidgee. This file is licensed under theCreative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Australia license, Wikipedia/LauraHale. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.)

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