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EGO-Versicherung bringt neue Police gegen das Risiko Behinderte

Die Zahl der Menschen mit Behinderung, die Nichtbehinderten etwas wegnehmen, steigt dramatisch.

Vorsicht, Behinderte könnten Ihren Weg kreuzen! (Foto: lichtkunst.73_pixelio.de)

Vorsicht, Behinderte könnten Ihren Weg kreuzen! (Foto: lichtkunst.73_pixelio.de)

In Zeiten der politischen Korrektheit („political correctness“) wagt kaum einer, über dieses Thema zu sprechen: Seit Menschen mit Behinderung nicht mehr zu Hause eingesperrt werden, gehört es zur alltäglichen Gefahr, ihnen zu begegnen. Für Menschen ohne Behinderung eine oft unzumutbare Gefahr.

Wie groß die Verzweiflung ist, erlebte ROLLINGPLANET-Mitarbeiter Johann Löwe vor einigen Tagen. Der Rollstuhlfahrer parkte gegenüber eines Behindertenparkplatzes, der von einem Nichtbehinderten besetzt war, der übrigens noch im Wagen saß. Als Löwe aus seinem Auto stieg und den Fahrer ansprach, widersprach dieser ebenso vehement wie berechtigt: Wieso parken Sie denn auf einem Nichtbehindertenparkplatz?

Auch ein Ehepaar erlebte das Unglück, auf einen behinderten Menschen zu treffen – ausgerechnet während einer Studienreise (ROLLINGPLANET berichtete). Der blinde Mann bekam vom Reiseveranstalter so viel Fürsorge, dass für die nichtbehinderten Urlauber einfach keine Fürsorge mehr übrig war. Zwar lehnte das Amtsgericht München einen Schadensersatz ab, bestätigte aber, dass es unter das allgemeine Risiko falle, sich mit einem Behinderten in einer Reisegruppe die schönsten Tage des Jahres teilen zu müssen.

Risiko lässt sich versichern

In Deutschland lässt sich bekanntlich jedes Risiko versichern. Die EGO Versicherungsgruppe („Verstehen. Je mehr, desto besser“) hat deshalb eine neue Police auf den Markt gebracht, die stets dann Schadensersatz auszahlt, wenn Sie einem Behinderten begegnen. Eine Extra-Prämie gibt es, wenn Ihnen ein Behinderter in der Bäckerei das letzte Brötchen vor der Nase wegkauft. EGO erklärt dazu: „Einen Menschen zu verstehen, bedeutet nicht allein die rationalen Fakten, sondern auch sein Wesen als Ganzes, seine Persönlichkeit mit seinen Ängsten, Sehnsüchten und Träumen zu erfassen. Je mehr man von dem Menschen versteht, desto besser.“

Heinrich Hütte, Behindertenbeauftragter der European Union Of Physically Challenged Wisecrackers (EUPCW), begrüßte das neue EGO-Produkt – das man online, in Reisebüros und Restaurants abschließen kann – und bestätigte: „Risiko muss nicht sein.“

(RP)

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6 Kommentare

  • Helge Blankenstein

    „In Deutschland lässt sich bekanntlich jedes Risiko versichern“

    Es ist zu prüfen, inwieweit diese Geschäftsidee nicht diskriminierend ist und daher wegen Verstoßes gegen das Grundgesetz sowie allen nachfolgenden nationalen und internationalen Rahmenvorgaben und Gesetzen verstößt.

    Zumindest verstößt es gegen die Moral. Allerdings muss man wissen, dass sich Moral bei Versicherern und Bänkern, nur als ein sehr unterentwickeltes, gesellschaftliches Selbstverständnis handelt.

    Eventuell sollte es eine Versicherung gegen diese Entwicklungen geben, welche nur kranken Hirnen entweichen können.

    Seit Jahren versuchen wir alle, die hier und auf vergleichbaren Seiten, versammelt sind, auf Inklusion hinzuarbeiten. Dies im Einklang des politischen Willens der Bundesregierung. Dann kommt eine Berufsgruppe die sowieso schon mit Imageproblemen zu kämpfen hat und „EXKLUDIERT“ ?.

    Ich möchte nur hoffen, dass sich diese Police als Scherz oder Zeitungsente darstellt.

    Helge Blankenstein
    Institut Impuls

    8. Dezember 2013 at 11:18
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      Unser Bericht ist ein Scherz mit ernstem Hintergrund (die geschilderte Parkplatzszene und das Reise-Urteil sind real).

      8. Dezember 2013 at 11:24
  • Heidi

    Es könnte ja sein, daß wir Menschen mit Behinderung, die so dringend benötigte Aufmerksamkeit mit anderen Behinderten teilen müssen. Das wäre eine Benachteiligung. Deshalb sollten alle Menschen mit Behinderung bei der Ego eine Versicherung abschließen.

    8. Dezember 2013 at 11:55
  • Helge Blankenstein

    An Rollingplanet:
    Die beschriebenen Szenen hatte ich durchaus als real aufgenommen. Ich bezog meine Hoffnung auf einen Scherz lediglich auf die ERGO Versicherung.

    Zusätzlich möchte ich auf die nachfolgende Studie verweisen.

    Expertise der Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Universität Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies vom Januar 2012
    Prof. Dr. rer. pol. Anne Waldschmidt
    Dipl.-Soz. Arne Müller

    Ich habe den zutreffenden Auszug hier aufgeführt:
    … Den größten Lebensbereich stellte mit insgesamt 33 % der Fälle der Bereich der
    Finanzdienstleistungen. Innerhalb dieses Lebensbereichs ging es typischerweise um
    verweigerten Privatversicherungsschutz.

    Der Link zur Studie:
    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertise_barrierefreie_Dienstleistungen.pdf?__blob=publicationFile

    8. Dezember 2013 at 12:29
  • Rosé

    Ein unglaublicher Vorgang. Ich habe die Antidiskriminierungstelle des Bundes darauf aufmerksam gemacht und hoffe, dass die dagegen vorgehen werden.

    8. Dezember 2013 at 16:45
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      Noch mal, bitte beachten: Unser Artikel ist eine Satire (aus den in dem Bericht genannten aktuellen Anlässen).

      @Rosé: Vielen Dank für Ihr Engagement, aber in diesem Fall ist es wirklich nicht erforderlich, die Antidiskriminierungsstelle zu benachrichtigen.

      8. Dezember 2013 at 17:01

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