Ein alter Rollstuhl und ein Teddybär

Das New Yorker Einwanderermuseum Ellis Island wird drei Jahre nach dem Hurrikan „Sandy“ wieder langsam für die Besucher zugänglich gemacht. Von Fritz Schumann

Ellis Island vom Westen gesehen (Foto: Wikipedia/Earnest B, CC BY-SA 3.0)

Ellis Island vom Westen gesehen (Foto: Wikipedia/Earnest B, CC BY-SA 3.0)

Als am 29. Oktober 2012 Hurrikan Sandy über New York City tobte, stand im Museum auf Ellis Island das Wasser im Erdgeschoss bis zur Decke. Die Sammlung, bestehend aus einer Millionen gespendeten Objekten von ehemaligen Immigranten, wurde zwar nicht beschädigt, doch das technische Equipment für die schützende Lagerung war komplett zerstört. In den vergangenen drei Jahren wurden daher alle Exponate in andere Gebäude des National Park Service auf dem Festland ausgelagert.

Bis zum 20. September kommen nun die ersten 200 Artefakte zurück, der Rest folgt sukzessive bis zum Ende des Jahres. Den Auftakt machten unter anderem der letzte noch erhaltene Schreibtisch der ehemaligen Einwanderungsbehörde, ein alter Rollstuhl und der gut erhaltende Teddybär einer Schweizerin, die vor mehr als hundert Jahren in Ellis Island als kleines Mädchen ankam.

Der Geschäftsführer der Liberty Island Foundation, Stephen A. Briganti, ist hocherfreut über die Rückkehr der Objekte: „Ellis Island ist wieder komplett“, sagt er. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt, denn diesen Monat feiert das Museum sein 25-jähriges Bestehen. Die Renovierung hat bisher drei Jahre gedauert und umgerechnet 47 Millionen Euro gekostet. Auf den nächsten Wirbelsturm ist die Insel aber nun besser vorbereitet.

Eine Geschichte der Einwanderung

Ellis Island wurde am 1. Januar 1892 als Einwanderungsbehörde eröffnet, seit 1900 existiert es in der Form, die man heute noch nahe der Freiheitsstatue besichtigen kann. Bis 1924 war es die größte Einrichtung ihrer Art in den USA: Für mehr als zwölf Millionen Menschen war es die erste Station auf dem neuen Kontinent. Zu Spitzenzeiten wurden 11.000 Einwanderer am Tag abgefertigt, der Großteil von ihnen stammte aus Europa. Unter ihnen waren weniger als fünf Prozent deutscher Herkunft.

Heute können 40 Prozent der Bewohner der USA den Beginn ihrer Ahnengeschichte im neuen Land auf Ellis Island zurückführen. 1954 wurde die Insel als Behörde geschlossen und galt als verlassen, bis es im September 1990 als Museum wiedereröffnet wurde. Heute erinnert die Einrichtung daran, dass die Vereinigten Staaten schon seit jeher ein Land der Einwanderer sind und jede neue Generation von Immigranten zunächst Ablehnung erfahren hatte.

Reiseinformationen für Menschen mit Behinderung:
www.statueoflibertytickets.com/Plan-Your-Visit/?show=accessibility

(dpa)

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