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Eine Frau, die unter Strom steht: Umweltpreis für Ursula Sladek

Sie war vor knapp 20 Jahren die erste, die Ökostrom auf den Markt brachte. Mit dem Rollstuhl schmuggelte die Pionierin vor kurzem Dokumente in Obamas Büro.

Ursula Sladek gründete Deutschlands ersten Ökostromanbieter (Foto: Rolf Haid/dpa)

Ursula Sladek gründete Deutschlands ersten Ökostromanbieter (Foto: Rolf Haid/dpa)

„Stromrebellin“ wird sie gerne genannt, die 67 Jahre alte Ursula Sladek. Und wenn man die Gründerin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) in Baden-Württemberg fragt, wie sie denn diesen Spitznamen eigentlich findet, muss sie nicht lange überlegen. „Das geht schon in Ordnung, ich bin ja auch kämpferisch und setze mich vehement für wichtige Dinge ein“, sagt sie.

Kein leichter Anfang

Doch auch wenn sie heute alles wieder genau so machen würde wie damals: Leicht sei es nicht immer gewesen, erzählt sie. Nicht alle Bürger der 2300 Einwohner zählenden Gemeinde Schönau im Schwarzwald seien 1994 von ihrer Idee begeistert gewesen, das Stromnetz des örtlichen Anbieters zu kaufen und auf Ökostrom umzusteigen.

„Vor allem in der Zeit der Bürgerentscheide gab es Tage, an denen ich mich gefragt habe: Warum tust du dir das nur an?“, erzählt Sladek.

Doch zu dem Zeitpunkt habe man ihre Idee nicht mehr zurückdrehen können, zu weit seien die Vorarbeiten schon gediehen, und zu groß sei die Verantwortung gewesen, die auf ihr lastete.

Und so machten Ursula Sladek und ihre Mitstreiter weiter und hatten am Ende das schier Unmögliche geschafft: Nach ihrer Gründung 1994 übernahm die EWS im Jahr 1997 schließlich das öffentliche Stromnetz und versorgte die Schönauer fortan mit Ökostrom.

Deutscher Umweltpreis nach 20 Jahren

Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau im Schwarzwald (Foto: DBU/Patrick Seeger/dpa)

Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau im Schwarzwald (Foto: DBU/Patrick Seeger/dpa)

Nun wird ihr Durchhaltevermögen mit dem Deutschen Umweltpreis belohnt, dem zweiten wichtigen Preis für die Rebellin. Denn bereits im Jahr 2011 erhielt Ursula Sladek in den USA den renommierten „Umwelt-Oscar“.

Überreicht wurde ihr diese Auszeichnung zwar nicht vom US-Präsidenten Barack Obama persönlich. Doch nach der Preisverleihung durfte Sladek Obama immerhin in dessen Oval Office die Hand schütteln und kurz mit ihm sprechen.

Dabei überreichte die Schwarzwälderin dem Präsidenten ein Schriftstück mit „100 guten Gründen gegen Atomkraft“, wie sie erzählt. „Ich hatte damals mein Bein gebrochen und wurde im Rollstuhl geschoben. Also habe ich mich einfach auf das Schriftstück gesetzt und es auf diese Weise ins Weiße Haus geschmuggelt“, sagt Ursula Sladek und lacht.

Aufhören will sie noch lange nicht

Was genau sie Bundespräsident Joachim Gauck bei der Preisverleihung am 27. Oktober in Osnabrück mitbringen wird, möchte sie zwar noch nicht verraten. „Aber ich habe schon etwas mit ihm zu besprechen, mir gehen die Themen sicher nicht aus“, sagt die studierte Lehrerin und Mutter von fünf Kindern.

Dass sie jemals aus ihrem Unternehmen aussteigen wird, kann sich die derzeitige Vorstandsvorsitzende der Netzkauf Elektrizitätswerke Schönau eG im Moment noch nicht wirklich vorstellen.

Ein Familienunternehmen

Zu viele Ideen hat sie noch im Kopf, zu viele Visionen, was sie mit ihrem Preisgeld von 250.000 Euro anstellen möchte. Doch Ursula Sladek hat nicht nur fünf Kinder, sondern auch neun Enkelkinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren, um die sie sich gerne kümmert.

Auch ihre Nachfolge bei dem Öko-Stromanbieter ist bereits geregelt. Nach langer Suche habe man sich für ihre Söhne Sebastian (36) und Alexander (34) entschieden, beide arbeiten bereits im Unternehmen. „Uns war wichtig, dass der Geist von Schönau weiterhin verkörpert wird, und das machen meine Söhne ganz hervorragend.“

(dpa)

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