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Eine Kunsttherapie via App – wie gut ist das?

Schriftsteller entwickelt Anwendung für Menschen mit Problemen: Ausgewählte Werke spenden Nutzern Trost durch Hintergundstorys.

Alain de Botton (Foto: privat)

Alain de Botton (Foto: privat)

Kunst als Therapie! Dank einer neuen Anwendung können Hilfesuchende von der innovativen Behandlungsform online profitieren. Die App „Art as Therapy“ ist vom britisch-Schweizerischen Schriftsteller, Philosophen und Fernsehproduzenten Alain de Botton (44) entwickelt worden und kann auf jedem beliebigen Browser genutzt werden.

Bei dieser Applikation – oder einfacher gesagt: Webseite – dienen die Kunstwerke vor allem dazu, Zugang zu den Betroffenen zu finden und diesen bei ihren Lebenskrisen durch kurze Botschaften und Hintergrundstorys zu unterstützen (siehe Beispiel unten im Kasten).

Hilfe bei alltäglichen Belastungen

Dabei können die Nutzer zwischen speziellen Bereichen wie zum Beispiel Politik, Liebe und Arbeit entscheiden, welche sie in ihrem Leben als besonders belastend empfinden.

Anschließend kann von mehreren Sätzen, die zu der entsprechenden Kategorie zur Auswahl stehen, jener angeklickt werden, der die Sorgen des Betroffenen am ehesten trifft. Schlleßlich erscheint das zu dieser Problematik passende Kunstwerk mit Text, wodurch dem User Trost gespendet werden soll. „Die Schule des Lebens“ nennt „Art as Therapy“ seine Betrachtungsweise.

Kann Liebe ewig sein?


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Das wollte ROLLINGPLANET von „Art as Therapy“ wissen. Wir erhalten eine Erklärung mit Hilfe eines Werks von William Quiller Orchardson („The first cloud“, 1887).

Das Bild zeigt ein Paar, das sich voneinander entfernt hat. Was hat ER falsch gemacht? Die Autoren lösen auf: Er weiß es nicht – und das sei Teil des Problems. Ist sie hyper-sensibel? Oder ist er wirklich egoistisch und unvernünftig? Beziehungen liefern stets schreckliche Momente der Selbstzweifel, erfahren wir.

Orchardsons Gemäde sei hilfreich, weil es nicht von Schuld handle. Vielmehr gehe es darum, dass es grundsätzlich schwierig sei, glücklich mit einer anderen Person zu leben. Womit die Frage, ob Liebe ewig sein kann, leider immer noch nicht ganz geklärt ist – aber die muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Diese spezielle Form der psychologischen Behandlung, in der Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke zum Einsatz kommen, um den Umgang mit alltäglichen Strapazen zu erleichtern, erfreut sich heutzutage zunehmend wachsender Beliebtheit.

Erstmals haben Hilfesuchende auch die Möglichkeit, dieses einzigartige Angebot über das Internet zu nutzen. Die künstlerischen Darstellungen werden dabei entweder aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte oder der Botschaft, welche die dem Rezipienten vermitteln, selektiert.

Kein Ersatz für Psychotherapie

Schon gibt es jedoch erste Experten, die vor den angeblichen Nachteilen dieses Programms warnen. „Diese Anwendung stellt ausschließlich eine mechanische Möglichkeit dar, die keinesfalls als Ersatz zu einer herkömmlichen psychologischen Behandlung herangezogen werden sollte. Obwohl derartige Apps zum Nachdenken über hilfreiche Lösungsansätze anregen können, werden individuelle Problematiken, die meist eine professionelle Psychotherapie erfordern, vernachlässigt“, so Psychologe Michael Thiel.

Aus diese Gründen sei diese Software vor allem für Menschen, die unter tief sitzenden psychischen Beschwerden leiden, ungeeignet. „Wenn jemand unter schweren Depressionen leidet oder sogar suizidgefährdet ist, könnte ein Bild, welches nicht sorgsam ausgewählt ist, ein zusätzliches Risiko darstellen“, erläutert Thiel. „Mein Fazit ist daher, dass diese App durchaus eine Bereicherung für jene sein kann, die sich mit gewissen Themen auseinandersetzen wollen, psychisch relativ stabil sind und sich keine vollkommene Veränderung davon erwarten“.

Art as Therapy ist nur auf Englisch verfügbar: Webseite

(RP/pte)

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