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Eine peinliche Posse um Richard Wagners Haus Wahnfried

Die Klassik-Welt feiert den 200. Geburtstag des Komponisten – und ausgerechnet jetzt ist sein Museum in Bayreuth eine Großbaustelle. Immerhin: Das Gebäude soll barrierefrei werden. Von Kathrin Zeilmann

Zum 200. Geburtstag Richard Wagners präsentiert sich das Haus des Komponisten als Baustelle. Die Villa Wahnfried wird saniert. (Foto: dpa)

Zum 200. Geburtstag Richard Wagners präsentiert sich das Haus des Komponisten als Baustelle. Die Villa Wahnfried wird saniert. (Foto: dpa)

Der Lärm der Baumaschinen übertönt fast die Stimmen der Oberbürgermeisterin und des Museumschefs. Rund um das Haus Wahnfried ist viel los in diesen Tagen. Große Bohrer dringen in den Boden vor, Bagger sind am Werk.

Drinnen im Gebäude ist es staubig, es sieht aus wie in einem Rohbau. Betreten ist nur mit dem Bauhelm auf dem Kopf erlaubt. Das ist – gelinde gesagt – misslich. Denn jetzt wird der 200. Geburtstag des Mannes gefeiert, der Wahnfried errichten ließ: Richard Wagner. Das nennt man wohl dumm gelaufen.

Blick durch den Bauzaun

Den Gästen, die nach Bayreuth kommen, um die Wirkungsstätte des Komponisten zu besuchen, bleibt nur der Blick durch den Bauzaun. Dass die Sanierung und Erweiterung des in Wahnfried untergebrachten Museums ausgerechnet im Jubiläumsjahr in vollem Gange ist, hat der Stadt Bayreuth Kritik und Spott eingebracht.

Museumschef Sven Friedrich flüchtet sich bei einem Termin für Journalisten am Donnerstag zunächst in Ironie: „Weihnachten kommt auch immer überraschend.“ Die Planungen hätten einen langen Vorlauf gehabt, erläutert er.

16 Millionen Euro kostet es

Ein Bauzaun wird zum Schauzaun (Foto: GMK)

Ein Bauzaun wird zum Schauzaun (Foto: GMK)

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe findet die Situation „ärgerlich“. Verantwortlich kann man sie nicht machen, sie ist erst seit rund einem Jahr im Amt. Da stand die Schließung im Wagnerjahr schon fest.

Schimpfen will sie dennoch nicht. Das erneuerte und erweiterte Museum werde eine Wirkung entfalten, die weit über das Jubiläumsjahr hinausgeht, verspricht sie. Bayreuth sei die Wagner-Stadt schlechthin. Sei das Projekt Wahnfried erst einmal fertig, „dann wird diese Position dauerhaft gesichert“.

Mit Kosten von 16 Millionen Euro kalkulieren die Verantwortlichen. Friedrich sagt, vor allem im Haus Wahnfried seien gravierende Eingriffe nötig. „Da geht es nicht nur um neue Tapeten oder eine neue Wandfarbe.“ Ein Aufzug wird installiert, um das Haus barrierefrei zu gestalten. Eine Klimatisierung der Räume ist notwendig. 2015 ist die Wiedereröffnung geplant.

Die Aura des Meisters

Er war stets pleite und mochte den Luxus: Richard Wagner (1813-1883)

Er war stets pleite und mochte den Luxus: Richard Wagner (1813-1883)

Das benachbarte Siegfried-Haus soll künftig die Wirkungsgeschichte Wagners zeigen, in einem Neubau ist die Geschichte der Festspiele zu sehen. Im Zentrum bleibt aber Wahnfried, das dem Leben und Werk des Komponisten gewidmet ist.

Obwohl ein großer Teil des Hauses 1945 durch Bombardierungen zerstört und das meiste Interieur dabei vernichtet wurde, erwarten viele Menschen hier einen authentischen Ort, an dem sie die Aura des Meisters noch spüren können.

Aber eine Wagner-Puppenstube mit originalgetreuer Nachbildung des Lebens in Wahnfried soll das Anwesen nicht werden. „Das ist ein Museum, keine Gedenkstätte“, sagt Michael Henker, der Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen Bayerns und Vorsitzender des Wahnfried-Kuratoriums.

Kein historisches Disneyland

Friedrich betont: „Es kann hier kein historisches Disneyland entstehen.“ Man wolle einen Eindruck vermitteln, wie Wagners Lebenswelt war – „ohne vorzugaukeln, das wäre das Original“.

Zur diesjährigen Festspielzeit soll immerhin das Erdgeschoss von Wahnfried zugänglich sein: Das Haus der Bayerischen Geschichte präsentiert die Wanderausstellung „Götterdämmerung“ zu Bayernkönig Ludwig II., dem größten Mäzen Wagners. Nur weil er einst Geld gab, konnte der stets klamme, aber dem Luxus verfallene Komponist das Haus Wahnfried errichten.

(dpa)

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