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Eine von uns: Andrea Nahles

Hätten Sie es gewusst? Die SPD-Generalsekretärin ist schwerbehindert.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag während einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus in Berlin zum SPD-Mitgliedervotum über einen Koalitionsvertrag mit den Christdemokraten. (Foto: Ole Spata/dpa)

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag während einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus in Berlin zum SPD-Mitgliedervotum über einen Koalitionsvertrag mit den Christdemokraten. (Foto: Ole Spata/dpa)

Sie steht im Rampenlicht und zieht die Strippen, auch jetzt wieder bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD. Aber nicht jeder weiß: „Die mächtigste Linke der Republik“ („Die Welt“) ist eine von uns. Geworden ist bekanntlich trotzdem etwas aus ihr: SPD-Generalsekretärin.

Andrea Nahles (43) brauchte 20 Semester Politik, Philosophie und Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, um ihren Magister Artium zu schaffen. Und sie würde wohl heute noch studieren, wenn sie ihre Promotionsarbeit „Walter Scotts Einfluss auf die Entwicklung des historischen Romans in Deutschland“ nicht abgebrochen hätte.

Aufgrund eines Hüftleidens nach einem Autounfall kurz nach ihrem Abitur ist die rheinland-pfälzische Ex-Langzeitstudentin schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50. Im Urlaub in Schweden fuhr sie zu schnell. Sie erzählt:

„Es war wirklich sehr eng“

„Es war eine Schotterpiste, ich hatte gerade drei Monate meinen Führerschein und dachte, ich könnte Autofahren. War aber nicht so. Ich bin mit 50, 60 Stundenkilometern unangeschnallt gegen einen Baum geschleudert und habe mich sehr schwer verletzt. Davon habe ich immer noch die Narbe auf der Stirn.

Gott sei dank ist meinem Beifahrer, ein Freund, nichts passiert. Ich bin dann auf abenteuerlichen Wegen aus dem schwedischen Wald zum nächsten Krankenhaus gebracht worden. Es war wirklich sehr eng. Danach habe ich nie wieder einen Unfall gehabt.“ Bekennende Schnellfahrerin und Autofan ist sie trotzdem geblieben.

Andrea Nahles 1999 als Juso-Vorsitzende: Sie telefoniert auf dem Weg zur Sondersitzung der SPD-Fraktion im Bundestag in Bonn. Zuvor hatte Nahles sich bei der SPD-Vorstandssitzung offen gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder als SPD-Parteichef ausgesprochen. (Foto: dpa)

Andrea Nahles 1999 als Juso-Vorsitzende: Sie telefoniert auf dem Weg zur Sondersitzung der SPD-Fraktion im Bundestag in Bonn. Zuvor hatte Nahles sich bei der SPD-Vorstandssitzung offen gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder als SPD-Parteichef ausgesprochen. (Foto: dpa)

Was müssen wir sonst noch über Nahles wissen? Brachte am 18. Januar 2011 ein gesundes Mädchen zur Welt, das wahrscheinlich musikalisch traumatisiert ist (siehe Video unten). Hat sich öffentlich noch nicht besonders oft bis gar nicht zur Inklusion geäußert, lebt privat aber mit einer bemerkenswerten Haltung, die mehr zählt als jedes öffentliches Politikerbekenntnis.

Nahles lehnte den ärztlichen Rat ab, wegen ihres relativen hohen Schwangerschaftsalters eine vorgeburtliche Untersuchung ihres Kindes vornehmen zu lassen, um eine mögliche Behinderung festzustellen. Weil sie das Kind auch dann zur Welt gebracht und geliebt hätte, wenn es behindert gewesen wäre, wie sie berichtete.

Bei der SPD traut man der Schwerbehinderten Nahles alles zu, nur keine Karriere als Sängerin, seit sie am 3. September 2013 während des Wahlkampf als bisher erste Abgeordnete in der Geschichte des Deutschen Bundestages einen Teil einer Rede in singender Form abhielt. Aus Protest gegen eine Vorrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stimmte sie mit einem Pippi-Langstrumpf-Lied an und sang im Plenarsaal: „… Da-da-di-da-daa … ich mach mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt“.

Das war alles andere als melodiesicher. Uns gefällt es trotzdem.

(RP, aufmerksam geworden durch einen Hinweis von Ulrike Pohl.)

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9 Kommentare

  • Joe Winter

    Oh Gott die……..

    24. Oktober 2013 at 16:11
    • Bernd Schreib

      Ja, ist sie…..

      25. Oktober 2013 at 07:36
  • Deviante

    Liebes Redaktions-Team,
    so gerne ich Eure Seite auch mag, aber ein Mensch ist nicht in Prozenten behindert – es heißt Grad der Behinderung (GdB), und das stellt eben sprachlich dar, wie sehr „ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“ (quot. § 2 Abs. 1 SBG IV). Es sagt nichts, aber auch gar nichts über die Eigenschaften und Fähigkeiten des einzelnen Menschen aus und kann daher nicht in Prozenten bemessen werden.
    Richtig ist, dass es früher den Erwerbsminderungsgrad gab, der in Prozenten bemessen wurde, aber zeitgemäß ist das nicht mehr.
    Das ist jetzt keine Kleinkrämerei, sondern spiegelt das gesellschaftliche Leitbild der Inklusion wider.

    24. Oktober 2013 at 21:15
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      @ Deviante: Absolut richtig. Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben es korrigiert! (Uns ist das durchgerutscht, weil manche von uns mit dem alten Schwerbehindertenausweis mit Prozentangaben aufgewachsen sind.)

      24. Oktober 2013 at 21:26
      • Deviante

        WOW! Das war schnell – Respekt und bis bald!
        (Ich sehe selbst ärztliche Gutachten, die mit Prozenten dealen, aber das ist ein anderes Thema 😉

        24. Oktober 2013 at 21:30
  • Jenny

    Liebes Redaktions-Team,
    was bedeutet „Eine von uns“? Ihr habt die Kategorie „Menschen“ ja auch eingeteilt in „Eine von uns“ und „Keine von uns“. Trennt ihr etwa die Gesellschaft in Behinderte und Nichtbehinderte? Ist das, wie Ihr Euch Inklusion vorstellt? Finde ich Scheiße. Ich will auch Eine von Euch sein!

    7. November 2013 at 10:28
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      An und für sich ein berechtigter Einwand. Die Kategorien sind aber nicht nur auf die Behinderung bezogen – so finden sich unter „Eine/r von uns“ genauso Menschen ohne Behinderung wie auch unter „Keine/r von uns“ Menschen mit Behinderung.

      7. November 2013 at 14:29
  • Uwe Peter

    Ich frage mich ob sie überhaupt wissen was es heißt von 409.00 Euro zu leben, ihr Dreckspolitiker lasst euch durchfüttern da ihr ja zu vernünftiger Arbeit nicht geschaffen seid – stattdessen erhöht ihr eure Bezüge um 300.00 Euro und Hartz IV Beziehern werft ihr 5.00 Euro vors Maul, es wird Zeit das man solch faules und die keinen Bezug zur Realität besitzen verjagt – euch Politikern hätte ich einmal im Stasi Staat sehen sollen oder wie bei Kaisers wo von 4000 Mann 3000 entlassen werden sollen und wenn ihr durch faules Nichts tuen in Rente geht lebt ihr wie die Made im Speck ach ja das macht ihr ja heute schon – und ein dreifaches Hoch auf finanzielle Unterstützung von Asylanten.
    Danke Deutschland, was es nicht mehr gibt!

    Durch zwei AUs 1977 bzw. 2007 wird mir von diesem Dreckstaat die EU – Rente verwehrt – vielleicht bleibt noch Geld für einen STRICK übrig??
    Meine Erhöhung könnte ihr euch in das gewisse Hinterteil stecken.

    Mit immer noch soz. Gruß
    Hartz IV 2736.5.0501 Herr Peter

    21. September 2016 at 14:32

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