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Einfach genial: Behindertenverbände fordern ständigen Sitz im Rundfunkrat des MDR

Ausbau der Barrierefreiheit geht beim Sender schneller voran als geplant.

Arne Voigts moderiert die MDR-Sendung „Einfach genial“ (Foto: Mitteldeutscher Rundfunk)

Arne Voigts moderiert die MDR-Sendung „Einfach genial“ (Foto: Mitteldeutscher Rundfunk)

Der Ausbau des barrierefreien Zugangs zu den Angeboten des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) geht schneller voran als vorgesehen, teilt der Sender in Leipzig mit.

Seine Untertitelungsquote zum 1. Halbjahr 2013 betrage bereits 55 Prozent. Das seien 15 Prozentpunkte mehr als für diesen Zeitraum ursprünglich geplant. Erklärtes MDR-Ziel ist es, Angebote weitestgehend barrierefrei zur Verfügung zu stellen.

Treffen mit Behindertenverbänden

In Leipzig sind am 24. September 2013 Spitzenvertreter von Blinden-, Sehbehinderten- und Gehörlosenverbänden aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Deutschen Zentralbücherei für Blinde und Regierungsbeauftragte aus Mitteldeutschland mit MDR-Verantwortlichen zusammengekommen.

Sie zogen Bilanz zum bisher Geleisteten und tauschten sich über die nächsten Schritte auf dem Weg zur Barrierefreiheit in Fernsehen und Internet aus. Erstmals nahmen an dem Treffen Vertreter der Selbsthilfegruppe für Taubblinde aus Thüringen teil, ebenso wie Vertreter der Schwerhörigen und Ertaubten.

MRD-Intendantin Karola Wille weiß, wohin es gehen soll (Foto: MDR)

MRD-Intendantin Karola Wille weiß, wohin es gehen soll (Foto: MDR)

„Wir wollen alle Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gleichermaßen erreichen. Unsere Angebote müssen deshalb für jeden zugänglich sein und bleiben. Damit hat auch die Barrierefreiheit Priorität“, so MDR-Intendantin Karola Wille (Nachfolgerin von Rollifahrer Udo Reiter).

Wer zahlt, will Leistungen

Am 1. Januar 2013 ist der neue Rundfunkbeitragsstaatsvertrag in Kraft getreten. Seitdem bezahlen auch finanziell leistungsfähige Seh- und Hörgeschädigte ein Drittel des regulären Rundfunkbeitrags. „Den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen dieser Beitragszahler an einen barrierefreien Zugang zu den unterschiedlichen Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fühlen wir uns verpflichtet“, versichert die MDR-Intendantin. „Deshalb ist uns auch ein regelmäßiger Austausch mit Vertretern von Menschen mit Behinderungen wichtig.“

Der MDR sieht vor, bis 2017 stufenweise über 80 Prozent seines Fernsehprogramms mit Untertiteln auszustrahlen. Auch der Anteil an Sendungen mit Audiodeskription wird stufenweise erhöht. Entsprechend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überprüfen laut der MDR-Mitteilung regelmäßig das Online-Angebot des Senders auf die Erfüllung der Anforderungen der BITV2, der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz.

„Einfach genial“ ist neu dazu gekommen: Untertitelungsquote im MDR FERNSEHEN

Seit Januar dieses Jahres werden neben „MDR um elf“ und „Dabei ab zwei“ auch alle regionalen Informationsangebote des MDR in der Hauptsendezeit ab 17.45 Uhr untertitelt gesendet, ebenso wie MDR EXTRAS und die beiden Talkreihen „Riverboat“ und „Unter uns“.
2014 wird im MDR eine Quote von mindestens 60 Prozent Untertitelung angestrebt. Dann sollen alle Erstsendungen der Hauptsendezeit untertitelt werden. Neu hinzukommen alle 19.50 Uhr-Formate wie „Einfach genial“, „Elefant, Tiger & Co“ und „Kripo live“ sowie die 20.15 Uhr-Unterhaltungssendungen am Freitag, Samstag und Sonntag und Eventberichterstattung.
Seit Oktober 2012 werden alle bei Erstausstrahlung untertitelten Sendungen auch für die Nachnutzung in der MDR-Mediathek mit Untertiteln angeboten.
Das MDR verdoppelt 2013 die Anzahl der Hörfilmneuproduktionen auf 20 Filme pro Jahr. Dazu gehören Märchenfilme und erstmals ein Dokumentarfilm („Begrabt mein Herz in Dresden“). 2014 sollen Hörfilmfassungen für weitere 20 Filme produziert werden; hinzu kommen Dokumentationen unter anderem zum MDR-Schwerpunkt 25 Jahre friedliche Revolution.

„Auf dem richtigen Weg“

„Der MDR kommt bei der Barrierefreiheit voran. Bei der Audiodeskription ist aus unserer Sicht noch mehr möglich, sowohl qualitativ als auch quantitativ“, so Hans-Peter Pischner vom Landesvorstand des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen-Anhalt. Wünschenswert sei eine Live-Audiodeskription bei Sport- und Unterhaltungssendungen.

„Mit dem Dialog mit den Behindertenverbänden ist der MDR auf dem richtigen Weg“, so Bertrun Ehrlich-Hofmann vom Landesverband Mitteldeutschland des Deutschen Schwerhörigenbundes. „Inhaltliche und technische Medienkompetenz ist bei jüngeren Menschen mit Behinderungen vorhanden, bei älteren hingegen eine Barriere, die es zu überwinden gilt“, fügte sie hinzu.

Sitz im Rundfunkrat gefordert

Der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Stephan Pöhler, griff die Forderungen vieler Behindertenverbände aus Mitteldeutschland nach einer unmittelbaren Vertretung behinderter Menschen über einen ständigen Sitz im Rundfunkrat des MDR auf. Hier sei bei den Gesetzgebern der drei Länder bislang aber kein Fortschritt zu erkennen.

Die Vertreter der Behindertenverbände bestätigten den Wunsch nach einem regelmäßigen Austausch zur weiteren Professionalisierung der Programmangebote für Seh- und Hörbehinderte, beziehungsweise zur Bedienbarkeit sowie der Verständlichkeit der Angebote. Insbesondere bei Hörfilmen wünschen sich Sehbehinderte und Blinde eine längere Verfügbarkeit der Filme in den Mediatheken.

(PM/MDR)

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