Eingesperrte und fixierte Kinder: Caritas rechtfertigt Methoden in Behindertenheimen

„Gegen Generalverdacht“ – Maßnahmen, die die Freiheit beschränken oder entziehen, würden nur eingesetzt, wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung drohe.

Bernhard Piendl: Der Kirchenmann ist seit 2012 Landes-Caritasdirektor Bayern (Foto: Bistum Regensburg)

Bernhard Piendl: Der Kirchenmann ist seit 2012 Landes-Caritasdirektor Bayern (Foto: Bistum Regensburg)

In der Debatte um die Zustände in Heimen für behinderte Kinder und Jugendliche in Bayern (ROLLINGPLANET berichtete) wehrt sich die Caritas gegen einen Generalverdacht. Es entstehe teilweise der Eindruck, die Einrichtungen würden Maßnahmen wie das Fixieren von Kindern im großen Stil missbräuchlich als Strafe oder als Ersatz für pädagogische Erfordernisse anwenden, sagte Landes-Caritasdirektor Bernhard Piendl am Mittwoch in München. Dies sei aber verkehrt. Maßnahmen, die die Freiheit beschränken oder entziehen, würden nur dann eingesetzt, wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung drohe. In enger Absprache mit den Familien würden für jedes Kind individuelle Wege zur Förderung und Betreuung gesucht.

Piendl begrüßte die von der Staatsregierung anberaumte Expertenrunde, die sich am Dienstag erstmals getroffen hatte, darunter Verbände, Aufsichtsbehörden und Familien. Hier wolle sich die Caritas mit ihrer Expertise beteiligen. Das Gremium soll ausloten, ob neue Regelungen notwendig sind, etwa bei den Qualitätsstandards. Außerdem werden alle 104 Heime in Bayern kontrolliert. Auslöser war ein Bericht des Bayerischen Rundfunks über sogenannte „freiheitsbegrenzende Maßnahmen“ für behinderte Kinder in einem Großteil der größten Heime im Freistaat.

(RP/dpa/lby)

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2 Kommentare

  • Monika Schwaiger

    ach ja,? Und wer bestimmt Eigen- oder Fremdgefährdung? Ich habe schon erlebt, daß 2 Personen sich gegenseitig abnicken : „Wir haben genau gehört, die Person will sich umbringen“ und schon ist das Eigengefährdung. Der Behinderte hat keine Chance.

    13. April 2016 at 14:36
  • Kristina Münstermann

    Es ist eine Frechheit, Förderung, Pflege und Liebe durch freiheitsentziehende Maßnahmen zu ersetzen und das als gut für einen beeinträchtigten Menschen darzustellen.

    14. April 2016 at 20:58

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