Eklat bei Paralympics um blinden Minister

Wie erst heute bekannt wurde, durfte ein ehemaliger Minister wegen seines Begleithundes nicht zur Eröffnungsfeier.

David Blunkett mit Labrador-Retriever Cosby (links) und der inzwischen „pensionierten“ Sadie (Foto: geklaut von Daily Mail)

Nachdem vor zwei Tagen der beinamputierte Lokalmatador Jody Cundy nach einem Startfehler ausgeschlossen wurde und randalierte, hatten die Paralympics ihren ersten kleinen Eklat. Jetzt haben sie auch einen großen: Weil kein Platz für seinen Begleithund Cosby vorhanden gewesen sei, soll einem ehemaligen Minister Großbritanniens am Mittwochabend der Eintritt zur Eröffnungsfeier verweigert worden sein. Laut der heutigen Ausgabe von „Daily Mail“ habe das Organisationskomitee Untersuchungen aufgenommen, wie es zu dem Fauxpas kommen konnte.

„Mein Beispiel zeigt, vor welchen Herausforderungen unsere Gesellschaft im Umgang mit behinderten Menschen immer noch steht“, sagte der von Geburt an blinde Parlamentarier David Blunkett (65) der Zeitung. „Ich möchte, dass die Organisatoren eine Lektion für die Zukunft lernen, so dass Menschen mit Blindenführhunden gleichberechtigt behandelt werden.“

Er habe den Vorfall nicht früher erwähnen wollen, sagte Blunkett, um die Feierlichkeiten nicht zu stören. Er habe sich an vor vierzig Jahren erinnert gefühlt, als man ihm den Zugang zu einem Pub verwehrte. Der verweigerte Paralympics-Zutritt sei für ihn zwar nicht so traumatisch wie damals gewesen, aber: „Ich hatte gehofft, die Zeiten hätten sich geändert.“

Blinde haben auch in Deutschland immer wieder Probleme

Blunkett wurde in Sheffield geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf, nachdem sein Vater bei einem Industrieunfall getötet wurde. Er ging auf Schulen für Blinde in Sheffield und Shrewsbury. Im Alter von 22 wurde er das jüngste Mitglied, das jemals im Stadtrat von Sheffield saß.

Nach dem Erdrutschsieg von Labour bei den Parlamentswahlen 1997 wurde Blunkett der erste blinde Minister des Vereinigten Königreichs und war für den Bereich Bildung und Beschäftigung zuständig. Beim Start der zweiten Regierungsperiode 2001 wurde Blunkett zum Innenminister befördert. 2004 trat er zurück, nachdem ihm vorgeworfen worden war, einer philippinischen Frau unberechtigt eine Aufenthaltsgenehmigung beschafft zu haben.

Auch in Deutschland sind Blinde mit ihren Assistenztieren immer wieder mit der Problematik konfrontiert, dass sie unerwünscht sind. Nachdem ROLLINGPLANET über den Skandal berichtete, dass Supermärkte Betroffene schikanieren, hatte Penny als erster deutscher Lebensmittel-Discounter sich dazu entschlossen, auf seiner Webseite unmissverständlich zu erklären, dass Blindenführ- und Rehabilitationshunde in die Räumlichkeiten mitgenommen werden dürfen.

(RP/dapd)


Zum Themenschwerpunkt Blinde und sehbehinderte Menschen


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