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Elbphilharmonie soll endlich sicherer für Menschen mit Behinderung werden

Schluss mit Stolperfallen: Nachbesserungsarbeiten erfolgen noch in der Sommerpause in Absprache mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg.

Kultur-Gebäude der Superlative, aber für Menschen mit Behinderung auch eines der Kultur-Ärgernisse des Jahres: Die 110 Meter hohe Elbphilharmonie im Westen des Hamburger Stadtteils Hafencity wurde am 11. Januar 2017 eröffnet – mit erheblichen Mängeln in puncto Barrierefreiheit. Neben einem großen Konzertsaal mit 2100 und einem kleinen Saal mit 550 Plätzen  beherbergt „Elphi“ 45 Luxus-Wohnungen, ein Fünf-Sterne-Hotel, gastronomische Einrichtungen sowie ein Parkhaus. (Foto: Honnigfort/dpa)

Kultur-Gebäude der Superlative, aber für Menschen mit Behinderung auch eines der Kultur-Ärgernisse des Jahres: Die 110 Meter hohe Elbphilharmonie im Westen des Hamburger Stadtteils Hafencity wurde am 11. Januar 2017 eröffnet – mit erheblichen Mängeln in puncto Barrierefreiheit. Neben einem großen Konzertsaal mit 2100 und einem kleinen Saal mit 550 Plätzen beherbergt „Elphi“ 45 Luxus-Wohnungen, ein Fünf-Sterne-Hotel, gastronomische Einrichtungen sowie ein Parkhaus. (Foto: Honnigfort/dpa)

Nach zahlreichen Stürzen und Beschwerden will die Hamburger Kulturbehörde die Sicherheit für Besucher der Elbphilharmonie deutlich erhöhen. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, sollen Nachbesserungsarbeiten an Hamburgs neuestem Kulturwahrzeichen in Absprache mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) noch in der Sommerpause bis Anfang August vorgenommen werden. Insbesondere die Sicherheit der Treppen stehe dabei im Vordergrund.

Rund 300.000 Euro werden für die Nachbesserungsarbeiten veranschlagt. Der Betrag sei durch Projektrücklagen gedeckt. Insgesamt kostete der Bau der Elbphilharmonie rund 900 Millionen Euro. Ungeachtet der hohen Summe und trotz vielfacher Hinweise vor der Fertigstellung im Oktober 2016 wurden eklatante Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit ignoriert. So sind derzeit nicht nur die Treppen gefährlich. Bei einer Begehung der Elbphilharmonie im Februar stellte der BSVH fest:

„Für sehbehinderte und blinde Besucher der Elbphilharmonie ist es darüber hinaus sehr schwierig, sich im Gebäude und auf der Plaza zu orientieren. Die Aufzüge verfügen zum Beispiel nicht über tastbare Informationen oder Beschriftung in Brailleschrift. Und sie sagen die Stockwerke nicht akustisch an.

Ein Mensch mit Seheinschränkung ist nicht in der Lage, die Aufzüge selbstständig zu bedienen. Auch die Leistreifen, auf die Menschen angewiesen sind, die sich mit Langstock orientieren, weisen noch Mängel auf. Beispielsweise gibt es kein Leitsystem, das dem Besucher den Weg zu den Toiletten auf der Plaza weist.

Bei der Beschriftung innerhalb des Hauses sind ebenfalls Nachbesserungen notwendig, damit sich sehbehinderte Menschen orientieren können. So sind die Beschriftungen im Großen Saal für Menschen mit Seheinschränkung nicht wahrnehmbar.“

Sogar der Architekt stolperte

Gefährliche Stolperfallen: Die Stufen der Treppen in der Elbphilharmonie. (Foto: BSVH)

Gefährliche Stolperfallen: Die Stufen der Treppen in der Elbphilharmonie. (Foto: BSVH)

„Die meisten Stürze ereignen sich im Großen Saal“, erklärte Jochen Margedant, der behördeninterne Projektleiter. Die vom BSVH als „gefährliche Stolperfallen“ bezeichneten Treppen im Saal sowie im Foyer sollen nun eine 15 Millimeter breite Gummileiste erhalten, die am Rand in die Stufen eingefräst wird. Am Beginn der Treppenabsätze sollen zusätzlich zwei breitere Gummileisten hintereinander angebracht werden. Zusätzlich erhalten alle Glastüren und Scheiben Punktemarkierungen zur Verbesserung der Sichtbarkeit.

Im Januar berichtete der NDR:

„Aus ästhetischen Gründen hatten die Architekten lediglich auf den letzten Stufen schwarze Markierungen angebracht. Wenn man von oben hinuntergeht, hat man Mühe, zu erkennen, wann die Stufen anfangen und wann sie enden. Sogar der Architekt Jacques Herzog wurde bei der Eröffnung des Großen Saales gesehen, wie er über seine eigenen Stufen stolperte.“

Neben Aspekten der Sicherheit soll die Elbphilharmonie mit den Nachbesserungen auch den modernen Standards eines barrierefreien Gebäudes gerecht werden. So sieht die Erste Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins, Angelika Antefuhr, die Elbphilharmonie in der Plicht, als neues Wahrzeichen der Stadt auch ein „deutliches Zeichen für Barrierefreiheit“ zu setzen.

Zu den Neuerungen zählen auch akustische Signale an den Aufzügen, welche die bisher fehlenden tastbaren Informationen und Beschriftungen in Brailleschrift ausgleichen sollen. So soll den 3000 blinden und rund 40 000 sehbehinderten Hamburgern sowie Touristen mit einer Seheinschränkung die Möglichkeit gegeben werden, sich ohne fremde Hilfe in der Elbphilharmonie zurechtzufinden.

(RP/mit Materialien von dpa)

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5 Kommentare

  • Claudia Weber

    Bei so einem millionenschweren Bau muß „nachgebessert“ werden??? Schämt Euch!

    17. Juni 2017 at 15:01
  • Alexandra Görner

    Warum zieht man nicht VORHER Behindertenvertreter zu Rate, dann bräuchte man NACHHER nicht nachbessern ! 🙁

    17. Juni 2017 at 17:54
  • Nele Glöer

    Ohh da gibt es noch mehr zu kritisieren. Keine barrierefreien Toiletten auf der Plaza, dem Hauptbegegnungsort im Gebäude, keine durchgehenden Aufzüge….den Rest kenne ich noch nicht, weil ich erst einmal zum Konzert dort war und keine Zeit hatte, weiter zu schauen.

    17. Juni 2017 at 18:30
  • Angelika Spanke

    Das darf doch nicht wahr sein, dass man bei diesen Baukosten nicht genügend über Barrierefreiheit nachgedacht hat

    18. Juni 2017 at 13:18
  • Petra Lühmann

    Die war schon für Menschen ohne Handicap halsbrecherisch. Ich bin dort nur herumgeeiert durch die vielen Stufen und Absätze.

    18. Juni 2017 at 14:55

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