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Elektrische Gesichtsbürsten: Wunderwaffen für die Haut?

Die Geräte sind derzeit ein Geheimtipp – doch wie gut sind sie wirklich?

Mit rotierenden Gesichtsbürsten werden die Pflegestoffe in die Haut einmassiert. Was taugt das? (Foto: dpa) Wunderwaffen für die Haut: Wie elektrische Gesichtsbürsten wirken

Mit rotierenden Gesichtsbürsten werden die Pflegestoffe in die Haut einmassiert. Was taugt das? (Foto: dpa)

Der Siegeszug begann mit Oprah Winfrey. Als die höchste amerikanische Feelgood-Instanz die elektrische Gesichtsbürste von Clarisonic 2007 in ihrer Show vorstellte („I love it soooo much“), war das Gerät binnen acht Stunden in den USA ausverkauft.

Mehr als drei Millionen Geräte hat die Firma seit der Einführung 2004 verkauft. In den USA sind sie längst in vielen Badezimmern Standard für die Reinigung und die Behandlung von Falten im Gesicht. Seit Juli sind diese Gesichtsbürsten (rund 160 Euro) in Deutschland auf dem Markt.

Und auch bei uns ist zu beobachten, dass das als neue Wunderwaffe für die Haut gefeierte Produkt immer begehrter wird. Doch wie gut sind die kleinen Geräte wirklich, wie funktionieren sie?

Variante 1: Motorisierte weiche Bürsten

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Modelle. Die einfachen haben drehende Aufsätze und sind damit eine motorisierte Weiterentwicklung der weichen Bürsten, mit denen man sich das Gesicht reinigt. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind schneller und gründlicher in der Handhabung als die Variante ohne Motor.

„Für normale Haut und für die Reinigung reichen sie auch aus“, findet der Dermatologe Ulrich Klein aus Witten. Sie werden meist gemeinsam mit einer Waschlotion verwendet.

„Durch die kreisende Bewegung werden einerseits überschüssige Hautschuppen entfernt, und die Haut wird besser durchblutet“, erläutert Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) in Frankfurt am Main. „Damit wird das Hautbild glatter und bekommt eine bessere Farbe. Sie wirkt insgesamt jünger und frischer.“

Variante 2: Ultraschallbürsten

Eine Klasse für sich ist die andere Variante der Geräte, die mit dem Begriff Ultraschallbürsten bezeichnet werden. Ganz korrekt ist dieser Begriff allerdings nicht: Schalltechnologie trifft es genauer. Ultraschall hat nämlich deutlich höhere Schwingungen als diese. Dennoch: Gesichtsbürsten mit Schalltechnologie arbeiten mit mehreren hundert Schwingungen in der Sekunde.

Die Schallbürsten versprechen gleich mehrere Wirkungen auf einmal: Sie sollen reinigen, die Poren verkleinern, gegen fahle Gesichtshaut wirken und sogar kleine Fältchen beseitigen können. Es gibt diese High-tech-Bürsten in den meisten Fällen mit mehreren Aufsätzen. Eine weiche Bürste ist zur Gesichtsreinigung geeignet, eine etwas härtere wird für ein Peeling benutzt, und Spezialaufsätze dienen dazu, Pflegecremes in die Haut zu massieren.

„Generell eignen sich diese Gesichtsbürsten für jeden Hauttyp“, erklärt Uta Schlossberger, Dermatologin aus Köln. Sie ergänzt allerdings: „Bei normaler Haut reicht eigentlich die tägliche Reinigung mit Wasser und Seife vollkommen aus.“ Wer hingegen einen problematischen Teint hat, beispielsweise eine ölige Haut, kann diesem mit der Schallbürste entgegenwirken.

Wer sollte die E-Bürsten nicht nehmen?

Aber es gibt auch Einschränkungen, wie der Dermatologe Klein erläutert: „Bei schwerer Akne oder der sogenannten Stewardessenkrankheit sollte man mit einer E-Bürste vorsichtig sein.“ Mit Stewardessenkrankheit wird die Perioale Dermatitis mit bläschenhaftem Ausschlag bezeichnet. Sie wird so genannt, weil die Stewardess dem Prototyp mit dieser Erkrankung entspricht: Menschen zwischen 25 und 35 Jahren und sehr gepflegt. Einer der Gründe für die Hautkrankheit ist nämlich ein Zuviel an Pflege.

Viele Hersteller empfehlen die Anwendung der Gesichtsbürste morgens und abends. Das ist meistens aber nicht optimal. „Dadurch kann die Haut überstrapaziert werden, man erreicht genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte“, sagt Uta Schlossberger. „Statt eines klaren Teints bekommt man im Zweifelsfall Pickelchen und irritierte Haut, die mit Rötungen reagiert oder sogar kleine Schüppchen bilden kann.“

Wirkung noch nicht bewiesen

Was die Wirkung der Schallbürsten angeht, ist aber nicht sicher, ob die Versprechen der Werbung gehalten werden können. Zwar ist das Reinigungsergebnis gut. Auch ein rosiger Teint ist realistisch. „Dafür gibt es eine einfache Erklärung“, sagt der Dermatologe Klein. „Die Massage durch die Bürste regt die Durchblutung an. Das führt dazu, dass der Teint klarer und frischer wirkt.“

Poren verkleinern können die Bürsten allerdings nicht. Dadurch, dass sie aber sauberer sind, wirkt die Haut feiner. Darüber, ob elektrische Gesichtsbürsten tatsächlich Fältchen und feine Linien mildern können, fehlen noch Langzeitergebnisse. Als sicher gilt aber, dass Anti-Aging-Wirkstoffe durch die Rotation besonders gründlich in die Haut einmassiert werden können.

Keine Billigkopien kaufen

Worauf man beim Kauf einer solchen Gesichtsbürste achten sollte, erklärt Uta Schlossberger: „Wichtig ist, dass man keine Billigkopien kauft, sondern nur Geräte, die das europäische CE-Kennzeichen haben.“ Damit werden Geräte versehen, die den auferlegten Anforderungen innerhalb der europäischen Union genügen.

(RP/Andrea Abrell, dpa/tmn)

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