Empörung über Comedian, der Schäuble wegen seiner Behinderung beleidigt

„Wenn ein Mensch auf einem Stuhl festgenagelt ist, dann wird auch sein Hirn langsam von einer Idee besessen…“

Wolfgang Schäuble im Januar 2016, als er  im Bundeskanzleramt in Berlin zur Sitzung des Bundeskabinetts rollt. (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Wolfgang Schäuble im Januar 2016, als er im Bundeskanzleramt in Berlin zur Sitzung des Bundeskabinetts rollt. (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Ein griechischer Comedian hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wegen seiner körperlichen Behinderung beleidigt und damit eine Welle der Empörung in sozialen Medien ausgelöst. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise und dem von Schäuble verfochtenen harten Sparkurs gegenüber Athen sagte der linke Unterhaltungskünstler Lakis Lazopoulos: „Wenn ein Mensch auf einem Stuhl festgenagelt ist, dann wird auch sein Hirn langsam von einer Idee besessen, ich nenne dies Paranoia, ich nenne dies Wahnsinn.“

Schäubles „Besessenheit“ ziele darauf ab, dass Griechenland zusammenbreche und die alte Währung, die Drachme, wieder einführe. Noch während der Sendung, die in der Nacht zum Mittwoch vom Athener Sender Alpha ausgestrahlt wurde, kam es zu heftigen Reaktionen.

Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde Lazopoulos als „Rassist“ beschimpft. Ein anderer Kommentator schrieb, „das Schlimmste ist, dass das Publikum diese miserable Bemerkung mit Beifall begleitete“. Ein anderer meinte, Griechenland werde „wegen dieser Kultur, die Menschen hasst, 100 Jahre lang in der Krise steckenbleiben“.

„Grenze der Satire überschritten“

Lakis Lazopoulos löste mit seinem Auftritt eine Welle der Entrüstung aus. (Foto: iwn)

Lakis Lazopoulos löste mit seinem Auftritt eine Welle der Entrüstung aus. (Foto: iwn)

Den emotionalsten Kommentar schrieb ein körperlich behinderter Mann: „Ich bin mit diesem Problem (Behinderung) geboren worden. Ich habe es nicht gewählt, so zu sein“. Und mit Blick auf Lazopoulos: „Du bist der ekelhafteste Mensch, den es auf unserem Planeten gibt.“

Der neue Parteichef der griechischen Konservativen, Kyriakos Mitsotakis, warf Lazopoulos vor, „jede Grenze (der Satire) überschritten“ zu haben. Die Kultur eines Landes werde daran gemessen, wie es mit behinderten Menschen umgehe, schrieb Mitsotakis auf Facebook. Seine Mutter sei die letzten Jahre ihre Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen, ihre Urteilskraft und vor allem ihre Gutmütigkeit davon überhaupt nicht beeinträchtigt worden.

(dpa)

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9 Kommentare

  • Hermann Trachternach

    bei Schäuble ist aber eine gewisse Art von Besessenheit nun mal nicht von der Hand zu weisen…

    17. Februar 2016 at 15:18
    • Alexandra Görner

      das sicher, aber das hat mit seiner Behinderung nix zu tun !

      17. Februar 2016 at 16:15
    • Melanie Heiden

      Wenn es sonst keine vernünftigen Argumente gibt, greift so mancher halt ganz schnell in die unterste Schublade! Ohne Worte!!!

      17. Februar 2016 at 16:32
  • Erika Gehrig

    Einfach mehr als unfair – man sollte den Typen einmal auf einen Rollstuhl festnageln!!!!

    17. Februar 2016 at 15:54
  • Pfiffi-Kuss

    …ohne eine gewisse Form von Besessenheit sind gravierende Fakten nicht zu ändern ….. aber Besessenheit ist unabhängig vom Rollstuhl, dort gibt es auch Menschen, die von Sportarten, Interessen o.a. besessen sind, genau wie Fußgänger.
    Personen des öffentlichen Lebens, in diesem Fall ein Satiriker, sollte wissen, wann eine GRENZE überschritten ist, die Gefühle der Mitmenschen verletzt, die Reaktionen fallen nicht nur auf ihn zurück …..

    17. Februar 2016 at 19:24
  • Anna Courtpozanis

    Der Spruch ist ziemlich übel, aber vernagelt war Schäuble auf jeden Fall vorher schon. Und in der Position in der er jetzt ist könnte er so viel für behinderte Menschen tun. Aber kein Ton jemals.

    18. Februar 2016 at 18:11
  • Ralf Zille

    Gehörlosengeld in ganz Deutschland. Ich bekam nie seit Geboren bis jetzt. Ich lebe auf der Strasse und wo ist mein verdammtes Geld, Herr Schäuble?

    18. Februar 2016 at 20:53
  • rollililli

    Schäuble kann nichts dafür, wenn jemand scheitert und auf der Straße lebt. Ihm das vor zu werfen ist einfach nicht fair. Als Politiker darf Schäuble seine Behinderung nicht als Vorteil nutzen. Macht er das doch, macht er sich strafbar. Ob und wie Schäuble seinen Einfluß in Sachen Behinderung geltend macht, werden wir deshalb wohl nie erfahren.

    19. Februar 2016 at 18:38
  • dasuxullebt

    Mein Mitgefühl für Schäuble hält sich in Grenzen, wenn man bedenkt, wie viel Leid der schon verursacht hat. Es gibt für wahr genug schlechtes zu Schäuble zu sagen. Aber sein Rollstuhl gehört definitiv nicht dazu.

    21. Februar 2016 at 17:00

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