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Endlich wird Easyjet der (hoffentlich kurze) Prozess gemacht

Diese Fluggesellschaft ist bereits berüchtigt, mit behinderten Kunden menschenverachtend umzugehen. Nun ist sie angeklagt worden. ROLLINGPLANET wünscht den Angeklagten eine gute Reise – in den nächsten Knast. Aber das ist leider im Gesetz so wohl nicht vorgesehen.

Die Billigfluglinie Easyjet soll 70.000 Euro wegen Diskriminierung von drei Behinderten zahlen. Die Linie hatte sich geweigert, die Rollstuhlfahrer in den Flieger zu lassen, weil sie ohne Begleitung und alleine reisten.

Einer der Fälle trug sich im Januar 2009 zu, die beiden anderen im November 2008 am Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle zu. Ankläger Abdelkrim Grini von der Strafkammer in Bobigny bei Paris bewertete die Vorwürfe bei der Gerichtsverhandlung am Freitag als „schwerwiegend“.

„Aggressive Sparpolitik verstößt gegen Menschenwürde“

Die Fluglinie verfolge eine „aggressive“ Sparpolitik die zu Diskriminierungen führe. Sie verstoße gegen die „Menschenwürde“. Einer der drei Kläger, ein Rollstuhlfahrer, bezeichnete das Verhalten von Easyjet als „ekelhaft“ und als „totale Diskriminierung“. Easyjet müsse zur Verantwortung gezogen werden.

Auch der französische Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau hatte im August 2010 der Fluggesellschaft mit Sanktionen gedroht. Eine Fluggesellschaft könne behinderte Passagiere nicht mit Verweis auf Sicherheitsregeln zurückweisen, betonte der Staatssekretär. Andere Fluggesellschaften hätten bereits Lösungen gefunden. Die französische Antidiskriminierungsbehörde kritisierte, dass es noch immer keine einheitlichen Regeln für den Umgang mit behinderten Passagieren gebe (siehe dazu einen FOCUS Online-Artikel: Easyjet bremst Rollstuhlfahrer aus)

Fluggesellschaft sieht sich im Recht

Die britische Fluggesellschaft beruft sich dagegen auf europäische und britische Regelungen und macht Sicherheitsvorschriften geltend. Fluglinien dürften Passagiere ablehnen, die nicht eigenständig reisen könnten, argumentierte Anwalt Philippe Van der Meulen. Eine Klägerin, die seit 16 Jahren im Rullstuhl sitzt, äußerte Unverständnis: Sie lebe jeden Tag selbstständig, mit einem einjährigen Kind und fahre Auto, sagte sie.

Es ist das erste Mal, dass Easyjet sich wegen solcher Vorwürfe vor einer Strafkammer verantworten muss, allerdings steht dem Unternehmen im kommenden März schon ein weiterer Prozess in einer ähnlichen Angelegenheit in Paris bevor.

Foto: Wikipedia/Pristina. Diese Datei wird unter der Creative Commons CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright zur Verfügung gestellt.

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1 Kommentar

  • Stani

    Richtig, hoffentlich wird den Verantwortlichen ein kurzer Prozess gemacht!

    12. Dezember 2011 at 20:38

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