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Englisch für chronisch Kranke: Disease Management Programme

DMP sollen Menschen mit Diabetes, Krebs, oder Asthma eine Behandlung nach Plan ermöglichen. Worum geht es genau? Von Sophia Weimer

DMP-Programme nehmen an Bedeutung zu (Foto: MDS)

DMP-Programme nehmen an Bedeutung zu (Foto: MDS)

Chronisch kranke Menschen sind in ihrem Alltag oft eingeschränkt. Sie müssen ständig Medikamente nehmen, leiden häufig unter Schmerzen, müssen zahlreiche Arztbesuche koordinieren. Sogenannte Disease-Management-Programme (DMP) sollen ihnen eine gut abgestimmte und kontinuierliche Betreuung ermöglichen.

Ziel sei, beispielsweise Diabetes-Patienten vor Folgeerkrankungen zu bewahren, erläutert Ann Marini vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Auch für Brustkrebs, Asthma und die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD sowie die Koronare Herzkrankheit werden solche Programme angeboten.

Was bringt mir ein DMP?

Chronische Erkrankungen sind komplex und erfordern eine langfristige und regelmäßige Behandlung, die möglichst gut an die Lebensumstände einer Patientin oder eines Patienten angepasst ist. Ein Disease-Management-Programm kann eine Möglichkeit sein, längerfristig besser mit einer Erkrankung zurechtzukommen und den Erfolg der Behandlung zu verbessern. Mögliche Vorteile:
• Wer sich in ein DMP einschreibt, arbeitet mit Ärztinnen und Ärzten zusammen, die sich besonders gründlich mit der Therapie einer Erkrankung auseinandergesetzt haben. Alle beteiligten Therapeuten und Betreuer, ob ambulant oder stationär, sind dazu angehalten, ihre Maßnahmen untereinander abzustimmen.
• Die an einem DMP beteiligten Ärztinnen und Arzte sind genau über den Verlauf der Therapie informiert und können sich an den vereinbarten regelmäßigen Terminen besser auf jemanden einstellen, als dies in einer normalen Sprechstunde möglich wäre.
• Spezielle Schulungen können es chronisch kranken Menschen erleichtern, ihre Behandlung gut informiert und aktiv mitzubestimmen und Wege zu finden, so gut wie möglich mit ihrer Erkrankung zu leben.
• Manche Menschen empfinden einen strukturierten Behandlungsplan auch deshalb als hilfreich, weil er ihnen einige praktische Mühen im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung abnimmt: Zum Beispiel müssen sie nicht mehr selbst nach geeigneten Fachärzten oder Kliniken suchen, wenn sie dies nicht wollen.

Die ersten Schritte

„Möchte ein Patient an einem DMP teilnehmen, kann er sich an seinen Arzt oder seine Krankenkasse wenden“, erklärt Marini. „Patient und Arzt müssen ausdrücklich ihre Teilnahme erklären – der Patient gegenüber der Krankenkasse, der Arzt gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung.“

Zusammen mit dem Arzt fülle der Patient dann eine Teilnahmeerklärung und die Erstdokumentation aus. Voraussetzungen für eine DMP-Teilnahme seien eine gesicherte Diagnose durch den behandelnden Arzt und die Bereitschaft des Patienten, aktiv am DMP teilzunehmen, ergänzt Kai Fortelka vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen. Der G-BA legt die Richtlinien für die Inhalte der Chronikerprogramme fest.

Die Teilnehmer müssten zustimmen, dass ihre Daten erhoben, verarbeitet und genutzt würden, fügt Fortelka hinzu. Der behandelnde Arzt gebe die Daten des Versicherten in pseudonymisierter Form vollständig weiter an die Krankenkasse, erklärt Marini. „Die Dokumentationen stehen unter einem besonderen Datenschutz und dürfen nur für die Zwecke der DMP eingesehen und verarbeitet werden.“ Nicht jeder Mitarbeiter der Kasse könne auf diese Daten zugreifen.

Keine Wunderdinge erwarten

Besonders exotische Therapien dürfen die Teilnehmer allerdings nicht erwarten. Zu den Programmen gehören die Behandlung mit Medikamenten sowie andere Therapien, aber auch Schulungen für die Patienten.

Sie sollen dabei mehr über ihre Krankheit und den Umgang damit erfahren. Außerdem müssen die DMP-Teilnehmer regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, bei denen ihre gesundheitlichen Entwicklungen dokumentiert werden.

Beispiele, was DMP-Patienten zusteht

Typ-2-Diabetes
• Vereinbarung individueller Therapieziele (z. B. HbA1C, Blutdruckwerte) und entsprechende Therapieplanung
• Teilnahme an Schulung einschließlich Ernährungsberatung und Anleitung zur Blutzucker-, bei Bluthochdruck auch Blutdruck-Selbstkontrolle
• Test auf Eiweiß im Urin (je nach Bedarf, z. B. einmal jährlich)
• Jährlich Kontrolle der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin-Wert)
• Mindestens einmal jährlich Untersuchung der Netzhaut
• Mindestens einmal jährlich Inspektion der Füße, bei erhöhtem Risiko vierteljährlich
Typ-1-Diabetes
• Vereinbarung individueller Therapieziele (z. B. HbA1C, Blutdruckwerte) und entsprechende Therapieplanung
• Teilnahme an Schulung (je nach Schulungsstand); bei Bluthochdruck mit Anleitung zur Selbstkontrolle
• Mindestens einmal jährlich Test auf Eiweiß im Urin; bei mehrfach positivem Nachweis Kontrolle der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin-Wert)
• Ab dem 5. Jahr nach Diagnose jährlich Untersuchung der Netzhaut
• Mindestens einmal jährlich Inspektion der Füße, bei erhöhtem Risiko vierteljährlich

Für gesetzlich Krankenversicherte ist die Teilnahme kostenfrei. Wer mehrere der Erkrankungen hat, könne sich auch in verschiedene Programme einschreiben lassen, heißt es in einem Merkblatt des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitsweisen (IQWiG) zum Thema. Die Teilnahme ist außerdem freiwillig. Daher macht nicht jeder mit, der eine der Krankheiten hat, für die ein DMP angeboten wird.

Unter genauer Beobachtung

Diese Beobachtung hat auch Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) gemacht. Wer beispielsweise eine Koronare Herzkrankheit hat und an einem DMP teilnimmt, müsse einmal im Quartal zum Arzt. Dieser untersuche den aktuellen Gesundheitszustand und fülle dazu einen speziellen DMP-Bogen aus.

Dann lege er die angestrebten Werte für Blutdruck, Cholesterin und so weiter fest. „Außerdem sollen regelmäßig Ergometrien durchgeführt werden“, sagt Brück. Dabei fährt der Patient unter ärztlicher Kontrolle auf einem Fahrradergometer, das Herz wird unter Belastunguntersucht. „Da viele Hausärzte das nicht mehr selbst machen, schicken sie die Patienten dann zum Kardiologen.“

6,2 Millionen Patienten machen bei DMP mit

Wenn ein DMP-Patient erstmals während seiner Teilnahme an dem Programm zum Facharzt gehe, sollte er diesem unbedingt sagen, dass er in einem DMP ist. Nicht immer hätten die Hausärzte den Fachkollegen zuvor darüber informiert, erläutert Brück. Für den Kardiologen sei es aber wichtig zu wissen, wenn sein Patient eine solche Behandlung nach Plan mache und dann zukünftig regelmäßig zu ihm komme.

Welche Fachärzte mit eingebunden werden, ist von Programm zu Programm unterschiedlich. Teilnehmende Diabetiker müssen beispielsweise auch regelmäßig zum Augenarzt.

Derzeit werden laut Fortelka in Deutschland schon rund 6,2 Millionen Patienten in Disease-Management-Programmen betreut, „die meisten im DMP Diabetes mellitus Typ 2“. Dort allein seien es etwa 3,5 Millionen. Dieses Programm und das für Brustkrebs-Patientinnen seien am 1. Juli 2002 auch die ersten der Chronikerprogramme gewesen, die angeboten wurden.

(dpa)

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