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Er kann auch positive Schlagzeilen: Kicker Christian Lell spendete 35.000 Euro

Der Verteidiger – heute Hertha BSC Berlin, früher Bayern München – setzt sich für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein, die von der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose betroffen sind.

Negative Schlagzeilen beherrscht der Siebenundzwanzigjährige ganz gut. Mal war es eine Prügelei in der Münchner Diskothek „P1“, mal eine Privatauseinandersetzung mit Michael Ballack über eine mysteriöse Liebesaffäre (unausgesprochen konnte man den Vorwurf herauslesen: Ballak ist ein Ehebrecher) – der Fußballer Christian Lell war immer gut für eine Geschichte im Boulevardteil der Zeitungen abseits der Sportberichterstattung.

Darüber wurde beinahe vergessen, dass sich Lell sozial engagiert: mit seiner Stiftung (www.christianlell-stiftung.com) hilft er Menschen, die an Mukoviszidose erkrankt sind. 35.000 Euro hat er an Weihnachten gespendet, um neue Projekte zu fördern.

Anfragen von Betroffenen sind willkommen

„Bild“ zitiert den Sportler: „Wir sortieren gerade die Projekte und freuen uns auch auf neue Anfragen. Oft herrscht bei den Betroffenen eine falsche Scheu, weshalb sie nicht auf uns zukommen. Bei uns wird alles anonym behandelt. Und wir helfen gerne! Auch dabei, dass Betroffene gleiche Chancen in Ausbildung und Beruf erhalten.“

Anfragen sind möglich unter der E-Mail-Adresse [email protected] oder über Facebook unter „Christian Lell-Stiftung für Mukoviszidose“.

Mukoviszidose – auch Cystische Fibrose (CF) genannt – ist eine bisher unheilbare Stoffwechselkrankheit. Die Symptome werden oft mit Keuchhusten, Asthma, Bronchitis oder Zöliakie verwechselt. So liegt die Dunkelziffer ungefähr bei 50%. Die Ursache der Krankheit – ein genetischer Defekt – ist jedoch trotz intensiver Forschungsanstrengungen bislang noch nicht heilbar, so dass nur die Symptome gelindert werden können.

Die häufigste Stoffwechselerkrankung

Mukoviszidose ist die häufigste erbliche Stoffwechselerkrankung unserer Bevölkerung. In der Bundesrepublik sind etwa 8000 bis 10.000 Kinder und junge Erwachsene davon betroffen. Statistisch gesehen, trägt etwa jeder 25. Bundesbürger das kranke Gen in sich, das die Krankheit verursacht. Etwa vier Millionen Bundesbürger können die Mukoviszidose weitervererben.

Zellen produzieren alle körpereigenen Sekrete eingedickt. Ein zäher Schleim verklebt so vor allem die Lunge und die Bauchspeicheldrüse. Schrittweise verlieren die Organe ihre Funktionstüchtigkeit. Am Ende fehlt den Betroffenen buchstäblich die Kraft zum Atmen.

„Erlebnisse haben mich unwiderruflich geprägt“

Christian Lell und seine Schwester

Christian Lell schreibt auf seiner Homepage über seine Motivation:

„Meine Schwester Marie-Therese leidet seit ihrer Geburt an Mukoviszidose. Schon als kleiner Junge habe ich miterlebt, wie belastend die tägliche Einnahme von Medikamenten und das Inhalieren für Körper und Seele sind. Auch an unserer Familie ist die Krankheit nicht spurlos vorübergegangen. Jeder Tag bedeutete neue Herausforderungen, war und ist eine enorme Belastungsprobe. Marie-Thereses Schicksal und die damit verbundenen Erlebnisse haben mich unwiderruflich geprägt.

Wenn ich heute auf dem Trainingsgelände oder im Stadion mit jungen Fans spreche, dann auch über Dinge, die sie bewegen. Dabei steht die Frage nach einer beruflichen Zukunft oft an erster Stelle. Schon für einen gesunden Menschen ist es nicht einfach, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, noch schwieriger wird es für einen Menschen mit Mukoviszidose. Deshalb möchte ich mich dafür einsetzen, dass betroffene Menschen gleiche Ausgangschancen in Ausbildung und Beruf erhalten. Der Fokus unserer Förderung liegt auf Projekten, die Betroffene darauf vorbereiten sollen, einen verantwortungsvollen Platz in der Gesellschaft einzunehmen.“

Christian Lell trauert um seine Schwester (†)  

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