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Erbarmen für unsere Brüder und Schwestern in Mailand

Italiens Ex-Regierungschef Berlusconi will seine Strafe in einer Behinderteneinrichtung absitzen.

Hat dank reduzierter Strafe allen Grund zu grinsen: Silvio Berlusconi (Foto: dpa)

Hat dank reduzierter Strafe allen Grund zu grinsen: Silvio Berlusconi (Foto: dpa)

Als rechtskräftig verurteilter Steuerbetrüger ergeht es Silvio Berlusconi besser als Uli Hoeneß: Der italienische Ex-Regierungschef kann seine Strafe entweder mit Sozialstunden oder im Hausarrest ableisten. Er würde sich am liebsten um Behinderte kümmern, heißt es. Wird er dann nur Rollis durch die Gegend fahren? Oder auch das Klopapier abreißen? Müssen unsere Brüder und Schwestern in Italien also den Arsch hinhalten, um den Mann wieder zu resozialisieren?

Das erfahren wir frühestens am Dienstag. Die Entscheidung über Sozialdienst oder Hausarrest für Berlusconi werde in fünf bis spätestens 15 Tagen bekanntgegeben, teilte das Gericht in Mailand laut Nachrichtenagentur Ansa nach der heutigen Anhörung mit. Berlusconi will seine auf ein Jahr reduzierte Strafe mit Sozialstunden ableisten, auch der Staatsanwalt hatte sich dafür ausgesprochen. Aber auch Hausarrest wäre möglich.

Villa neben Behinderteneinrichtung

Berlusconis Anwälte hatten laut Medienberichten beantragt, dass er Sozialdienst in einer Behinderteneinrichtung bei Mailand übernehmen darf. Beobachter gehen davon aus, dass die Richter den 77-Jährigen nicht unter Hausarrest stellen. Ins Gefängnis muss Berlusconi wegen seines Alters nicht. Der dreimalige Regierungschef, der selbst nicht an der Anhörung teilnahm, war im August wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Drei Jahre waren auf Basis einer Amnestieregelung ausgesetzt worden. Bei einem Sozialdienst könnte sich die Strafe zudem noch einmal um einen Monat verkürzen.

Falls Berlusconi seine Strafe mit Sozialdienst ableisten darf, ist noch unklar, wo er voraussichtlich einmal in der Woche arbeiten muss. Während er und seine Anwälte die Behinderteneinrichtung in der Nähe seiner Villa ausgewählt hatten, könnten ihm die Richter auch eine andere Stelle zuweisen, etwa in einem Altenheim. In jedem Fall hätte er dann mehr politische Bewegungsfreiheit als im Hausarrest.

Wahlkampf geht trotzdem

Doch auch im Sozialdienst müsste der Politiker mit Einschränkungen leben. Wer als Verurteilter Sozialdienst leistet, darf in Italien nachts zwischen 23.00 und 6.00 Uhr sein Haus nicht verlassen und keinen Kontakt zu Drogenabhängigen oder Kriminellen haben (aber der Mann mag sich ja ohnehin lieber bei Bunga-Bunga-Mädels aufhalten). Für Reisen in Italien über seine Heimatregion Lombardei hinaus bräuchte Berlusconi vermutlich eine Sondererlaubnis. Seinen Reisepass hatte er bereits nach der rechtskräftigen Verurteilung 2013 abgeben müssen.

Berlusconis Mitte-Rechts-Partei Forza Italia (FI) steckt vor den Europawahlen Ende Mai in einer tiefen Krise, der verurteilte Berlusconi selbst darf keine Ämter mehr übernehmen und auch nicht Spitzenkandidat der Partei sein. Er will aber mit dem Sozialdienst die Bewegungsfreiheit behalten, den Wahlkampf für sie zu führen.

(RP/dpa)

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1 Kommentar

  • Ruth Dürr

    oje.

    10. April 2014 at 22:14

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