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Para-WM: USA schon wieder disqualifiziert – Gold für deutsche Staffel

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Rollstuhlfahrer verklagen Uber +++ Lebensmittel-Rückruf +++ Prozess gegen Apotheker +++ Para-WM +++ Streit um Nachlass für Blindenverein

TAGEBUCH
SONNTAG, 23. JULI 2017
Para-WM

Deutschland holt Staffel-Gold nach Disqualifikation der USA

Johannes Floors hat sich zum Abschluss der Leichathletik-Weltmeisterschaften der Behindertensportler in London seine dritte Goldmedaille gesichert. Nach dem Gold-Double über 200 und 400 Meter sowie Silber über 100 Meter lief der Prothesen-Sprinter am Sonntagabend mit Tom Malutedi, Weitsprung-Weltmeister Markus Rehm und Leon Schäfer in der 4×100 Meter-Staffel zum Titel.
Nach dem Zieleinlauf lag das Quartett eigentlich als Zweite gut 1,5 Sekunden hinter Sieger USA. Auch die Interviews in der Mixed-Zone gaben die deutschen Sportler als Silbermedaillengewinner. Aber weil den Amerikanern wie schon bei den Paralympics ein Wechselfehler passierte, wurden sie später disqualifiziert und Paralympicssieger Deutschland kann sich nun auch Staffel-Weltmeister nennen.
Mit dreimal Gold und einmal Silber avancierte der erst 22 Jahre alte Floors zum erfolgreichsten Deutschen und zu einem der besten WM-Athleten.
Zuvor hatte sich 400-Meter-Weltmeisterin Irmgard Bensusan, die eine Teillähmung des rechten Unterschenkels hat, über 200 Meter noch die Silbermedaille geholt. Rollstuhlfahrer Alhassane Baldé fuhr über die 5000 Meter zu seiner zweiten Bronzemedaille. Damit holten die deutschen Athleten insgesamt 22 Medaillen, davon achtmal Gold sowie siebenmal Silber und Bronze. (dpa)

SAMSTAG, 22. JULI 2017
Para-WM

Floors holt zweite Goldmedaille

Johannes Floors (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Johannes Floors (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Prothesen-Sprinter Johannes Floors hat sich bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behindertensportler seinen zweiten WM-Titel gesichert. Der 22 Jahre alte Staffel-Paralympicssieger von Rio lief am Samstagabend in London über 200 Meter in 21,50 Sekunden überlegen zu Gold. Zuvor hatte sich der Leverkusener bereits den Titel über 400 Meter und Silber über 100 Meter gesichert. „Das ist schon sehr geil, vor allem weil wir das so nicht erwartet haben“, sagte Floors nach seinem zweiten Gold-Coup (hier geht es zum ausführlichen Porträt: Warum sich Johannes Floors freiwillig beide Beine amputieren ließ).
Am vorletzten Tag der Titelkämpfe freuten sich zudem im Kugelstoßen Juliane Mogge (9,44 Meter) über die Silbermedaille und Routinier Frank Tinnemeier (13,87 Meter) über Bronze. Junioren-Weltmeisterin Lindy Ave lief über 100 Meter der Klasse T38 in der persönlichen Bestleistung von 13,16 Sekunden zu Bronze. Für die 19-Jährige war es bei ihrem WM-Debüt nach Silber über 200 Meter bereits die zweite Medaille.
Damit haben die deutschen Athleten vor den finalen Entscheidungen am Sonntag bisher 19 Medaillen geholt, davon siebenmal Gold sowie sechsmal Silber und Bronze. (dpa)

FREITAG, 21. JULI 2017
USA

New Yorks Rolli-Fahrer verklagen Uber auf Beförderung

Der Anteil rollstuhkompatibler Uber-Fahrzeuge ist verschwindend gering (Bild: Uber)

Der Anteil rollstuhkompatibler Uber-Fahrzeuge ist verschwindend gering (Bild: Uber)

Rollstuhlfahrer haben eine Sammelklage gegen Uber angestrengt, weil Uber in New York City (NYC) Rollstuhlfahrern keine hinreichende Beförderung vermittle. Laut Behördenstatistik gibt es in New York City mehr als 58.000 Uber-Fahrzeuge, aber weniger als hundert davon sind rollstuhlkompatibel. Laut Klage führt das dazu, dass Rollstuhlfahrern manchmal gar keine Uber-Wägen angeboten werden, und es sonst regelmäßig vielfach längere Wartezeiten gibt.
Gefordert wird aber kein Schadenersatz; vielmehr soll Uber vom Gericht verpflichtet werden, einen Plan auszuarbeiten und umzusetzen, der Rollstuhlfahrern ein anderen Kunden vergleichbares Serviceniveau bringt. Die Kläger berufen sich auf Antidiskriminierungsvorschriften der Stadt New York namens New York City Human Rights Law. Heise online

Lebensmittel

Rückruf wegen Salmonellen in Gojibeeren von Lidl

Salmonellen in Gojibeeren bei Lidl: Der Lebensmitteldiscounter und das Bundesamt für Verbraucherschutz haben Gojibeeren eines italienischen Herstellers wegen Salmonellengefahr zurückgerufen. Die Bakterien seien bei Untersuchungen gefunden worden, teilten die Behörde und das Unternehmen am Freitag mit. Betroffen sei getrocknete Ware in einer 100-Gramm-Packung unter dem Markennamen Alesto mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 31.10. 2017. Das Produkt sei nur bei Lidl in den Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein verkauft worden. Die Packungen können nach Angaben des Discounters in allen Filialen zurückgegeben werden. (dpa)

DONNERSTAG, 20. JULI 2017
Para-WM

Paralympics-Sieger Kappel gewinnt erstmals WM-Gold im Kugelstoßen

Niko Kappel (Archivfoto: IWN)

Niko Kappel (Archivfoto: IWN)

Ein Jahr nach seinem Paralympicssieg in Rio hat sich Niko Kappel bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behindertensportler erstmals auch den WM-Titel gesichert. Der kleinwüchsige Kugelstoßer wuchtete am Donnerstagabend im Londoner Olympiastadion die Kugel auf die neue Weltrekordweite von 13,81 Meter.
„Ich habe einen guten Wettkampf gemacht und bin froh, dass es so gut geklappt hat“, sagte der 1,35 Meter große Bankkaufmann. Deutschlands Behindertensportler des Jahres verwies den Briten Kyron Duke (12,28 Meter) und Zhiwei Xia (11,86 Meter) aus China auf die Plätze. (dpa)
Ausführlicher ROLLINGPLANET-Bericht: Paralympicssieger Niko Kappel hat keine Lust auf Donald Trump und warnt vor falscher Inklusion

MITTWOCH, 19. JULI 2017
Nordrhein-Westfalen

Krebsmedikamente: Bottroper Apotheker vor Gericht

Ein wegen Betrugs mit Krebs-Medikamenten angeklagte Bottroper Apotheker soll in mehr als 60.000 Fällen gegen Vorschriften verstoßen und die Krankenkassen dabei um 56 Millionen Euro geprellt haben. Diese Details aus der Anklage teilte die Staatsanwaltschaft Essen heute mit. Betroffen sei „eine niedrige vierstellige Zahl von Patienten“, bestätigte eine Behördensprecherin. Konkret soll der Apotheker unter anderem bei Chemotherapien so wenig Wirkstoff verwendet haben, dass die Medikamente kaum oder keine Wirkung hatten. Außerdem soll er gegen weitere Vorschriften verstoßen haben.
Insgesamt geht die Anklagebehörde von 61.980 Fällen aus. Jeden einzelnen dieser Fälle wertet sie als besonders schweren Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Angeklagt werden außerdem versuchte Körperverletzung und gewerbsmäßiger Betrug. Der Apotheker habe „die Beschaffungspraxis seiner Apotheke systematisch so ausgerichtet“, dass Medikamente mit zu wenig Wirkstoff hergestellt wurden. Der errechnete Schaden von 56 Millionen Euro beziehe sich allein auf gesetzliche Krankenkassen. Mehr als 10.000 Fälle, die unter anderem mit privaten Krankenversicherungen abgerechnet wurden, seien aus Gründen der Vereinfachung gar nicht erst berücksichtigt worden.
Der Beschuldigte ist in Untersuchungshaft. Das Gericht muss die 820-seitige Anklage nun prüfen und dann entscheiden, ob es ein Verfahren eröffnet. (dpa)

Para-WM

Sehbehinderte Sprinterin Müller-Rottgardt holt WM-Silber

Katrin Müller-Rottgardt hat dem deutschen Team bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behindertensportler die 13. Medaille beschert. Die sehbehinderte Wattenscheiderin lief am späten Mittwochabend in London mit ihrem Begleitläufer Noel Fiener über die 100 Meter der Klasse T12 zu Silber. Sie kam nach 12,04 Sekunden ins Ziel und musste sich nur Paralympicssiegerin Omara Durand aus Kuba (11,52 Sekunden) geschlagen geben. Bronze sicherte sich die Polin Malgorzata Ignasiak (13,14 Sekunden).
Für die Paralympics-Dritte von Rio und Doppel-Weltmeisterin von 2003 war es die vierte WM-Medaille ihrer Karriere. „WM-Silber ist ein tolles Gefühl“, freute sich Müller-Rottgart. Ob man die Medaillen miteinander vergleichen könne? „Das ist sehr schwierig. Beides für sich sind tolle Erlebnisse, und jede internationale Medaille hat eine besondere Wertigkeit“, sagte die 35 Jahre alte Physiotherapeutin.
Das deutsche Team holte bisher viermal Gold, fünfmal Silber und viermal Bronze. (dpa)

DIENSTAG, 18. JULI 2017
Schleswig-Holstein

Streit zwischen Blindenverein und Ministerium vor dem OLG

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein muss voraussichtlich eine weitere Niederlage im jahrelangen Streit um die richtige Verwendung einer Erbschaft hinnehmen. Nach ausführlichen Vorberatungen habe der Senat eher Zweifel, ob die Berufung erfolgreich sein könnte, sagte der Vorsitzende des Zivilsenats am Oberlandesgericht heuteg zu Beginn der mündlichen Verhandlung.
Der Rechtsstreit zwischen Verein und Sozialministerium beschäftigt schon mehrere Jahre die Gerichte im Land. Zuletzt hatte das Landgericht Kiel dem Verein auferlegt, den notariell beurkundeten Willen eines Verstorbenen umzusetzen. Dieser wollte demnach die Erbschaft nur Mitgliedern der Rendsburger Ortsgruppe des Vereins zukommen lassen. Die Kammer gab der Klage des Sozialministeriums gegen den BSVSH statt, das die Mittel nicht richtig verwendet sah. Dagegen legte der Verband Berufung ein. Seine endgültige Entscheidung will das OLG am 8. September verkünden. (dpa/lno)

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