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Erste Bilanz: Knapp 6000 Schwangere haben Down-Syndrom-Bluttest verwendet

LifeCodexx machte damit im ersten Jahr 7,5 Millionen Euro Umsatz. 120 Kinder getötet?

Der umstrittene Bluttest wurde nicht gestoppt (Foto: dapd)

Der umstrittene Bluttest wurde nicht gestoppt (Foto: dapd)

Der umstrittene vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom ist im ersten Jahr nach Markteinführung knapp 6000 Mal angewendet worden. „Der großen Mehrheit der Frauen (etwa 98 Prozent) konnte durch ein unauffälliges Testergebnis die psychische Belastung der Sorge und Ungewissheit genommen werden“, teilte der Konstanzer Hersteller LifeCodexx am Freitag mit.

ROLLINGPLANET hat nachgerechnet: Bei einem Preis von rund 1.250 Euro pro Test macht das einen Jahresumsatz von 7,5 Millionen Euro. Ein „auffälliges“ Ergebnis von zwei Prozent entspricht 120 – in den meisten Fällen wurden die Kinder vermutlich abgetrieben.

Test wurde ausgeweitet

Der Test ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms ohne Eingriff in den Mutterleib. Verfügbar ist der Test seit August 2012. Zunächst ließ sich damit nur die Trisomie 21 nachweisen, seit Anfang des Jahres kann der Test auch die Trisomien 13 und 18 erkennen (siehe Info unten).

Fast jeder zweite Bluttest sei von deutschen Praxen und Kliniken in Auftrag gegeben worden, hieß es bei LifeCodexx. Etwa ein Viertel der Blutproben sei aus der Schweiz und ein weiteres Viertel aus anderen europäischen Ländern gekommen.

Der Test ist nach Angaben der Firma Frauen zugänglich, die sich in der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für die Trisomien 21, 18 oder 13 beim ungeborenen Kind tragen.

Trisomien 21, 13 und 18

Die Ursache für die Trisomien 21, 13 und 18 ist eine Fehlverteilung der jeweiligen Chromosome. Diese sind dreifach statt zweifach vorhanden – daher auch die Bezeichnung Trisomie (Verdreifachung). Bei Menschen mit Down-Syndrom handelt es sich um das Chromosom 21. Charakteristisch dafür sind körperliche Auffälligkeiten und eine verminderte Intelligenz. Typische organische Probleme sind Herzfehler, Anfälligkeit für Infekte und Schwerhörigkeit.

Wissenschaftlich beschrieben hat die Besonderheiten von Menschen mit Trisomie 21 erstmals der englische Neurologe John Langdon-Down (1828-1896) im Jahr 1866. Nach Angaben des Arbeitskreises Down-Syndrom kommt auf 700 Geburten etwa ein Kind mit Trisomie 21.

Auch bei den Trisomien 13 und 18 handelt es sich um eine Fehlverteilung der jeweiligen Chromosome. „Das sind schwerwiegende Erkrankungen“, sagt Helmut Heilbronner vom Institut für Klinische Genetik in Stuttgart. Die Mehrzahl der Ungeborenen mit einer Trisomie 13 oder 18 – die auch Pätau- und Edwards-Syndrom genannt werden – habe schwere Fehlbildungen.

Diese führten dazu, dass sie entweder tot geboren werden oder aber in den ersten Tagen und Wochen sterben. „Nach einem Jahr leben nur noch drei bis fünf Prozent der Kinder, diese sind aber schwer in ihrer Entwicklung verzögert“, sagt Heilbronner. Viele hätten zum Beispiel Herzfehler oder Hirnentwicklungsstörungen, die schon in der frühen Schwangerschaft per Ultraschall feststellbar seien.

(RP/dpa)

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