Erste Hilfe: Was tun bei Nasenbluten?

Meist ist sie harmlos und hört von selbst auf. Es gibt aber Fälle der sogenannten Epistaxis, bei der ein Mediziner helfen muss. Von Tom Nebe

Muss meist nicht behandelt werden: Nasenbluten (Foto: dpa)

Muss meist nicht behandelt werden: Nasenbluten (Foto: dpa)

Ein heftiges Niesen reicht manchmal aus: Schon tropft Blut aus der Nase. Das ist erstmal ein Schreck. Meist sieht es aber schlimmer aus, als es ist. „Wenige Tropfen Blut können bei Nasenbluten wie ein medizinischer Notfall aussehen“, sagt Jens Wagenknecht, Vorstandsmitglied vom Deutschen Hausärzteverband mit Praxis im niedersächsischen Varel. „Dabei sind es meist nur wenige Milliliter Blut, die man verliert.“

Trockene Luft ist die häufigste Ursache einer blutenden Nase. Denn sie trocknet die Nasen Schleimhaut aus. Reize wie ein heftiges Niesen oder Ausschnauben können sie dann schon einreißen lassen. Gerade im vorderen Teil ist die Nase dafür empfindlich – Mediziner nennen ihn Locus Kiesselbachi. Dieser Bereich ist von vielen kleinen Blutgefäßen durchzogen. „Das ist eine Schwachstelle, an der es rasch zu Blutungen kommt“, erklärt Wagenknecht.

Schwangere Frauen bekommen häufiger eine blutige Nase

Wer blutverdünnende Mittel nimmt, ist anfälliger für Nasenbluten. Auch bei grippalen Infekten besteht eher die Möglichkeit, spontanes Nasenbluten zu bekommen, erklärt Clemens Heiser, Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohrenklinik im Klinikum rechts der Isar in München. Weil ihre Schleimhäute stärker durchblutet sind, neigen auch schwangere Frauen eher zu blutenden Nasen.

Was viele Eltern immer wieder erleben: Kinder scheinen ebenfalls etwas anfälliger zu sein. Bei ihnen blutet die Nase „ein bisschen häufiger“, bestätigt Hermann Josef Kahl, Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin aus Düsseldorf. Das sei aber meist ungefährlich.

Wenn die Nase blutet, ist richtiges Verhalten gefragt. Zunächst einmal gilt die einfache Regel: Ruhe bewahren. Denn Aufregung und Hektik lässt den Blutdruck steigen. Dann blutet es nur stärker. Der Kopf wird leicht nach vorne gelehnt. Papiertaschentücher oder Stoffbündel sollten nicht in das Nasenloch. „Das stört die Gerinnung des Blutes“, sagt Jens Wagenknecht. Auch ständiges Abwischen außen am Nasenloch lässt man lieber sein.

Besser ist, Druck auf die Nasenflügel auszuüben, rät Clemens Heiser.„Damit wird die Blutzufuhr zum vorderen Teil der Nase teilweise unterbrochen.“ Ein kühles Tuch im Nacken könne zwar nicht schaden. Viel Wirkung sollten Anwender aber nicht erwarten. „Das ist, wenn dann, eher ein Placebo-Effekt“, sagt der HNO-Arzt. Blutungen im vorderen Bereich der Nase hören häufig nach recht kurzer Zeit von selbst auf.

Wenn die Nase pulsierend und schwallartig blutet, ist das ein Anzeichen für eine arterielle Blutung, erklärt Heiser. Gerade im hinteren Bereich der Nase verlaufen größere Arterien. Arterielle Blutungen werden nur schwer von alleine aufhören, sagt der Fachmann.In dem Fall kann ein HNO-Arzt helfen. Betroffene Gefäße werden zum Beispiel verödet oder mit speziellen Tamponaden behandelt.

Nur selten kleine Tumore die Ursache

Wann sich ein Arzt die blutende Nase ansehen sollte, dafür gibt es keine festgelegte Zeitgrenze. Hört die Nase nach circa zehn Minuten nicht auf, stark zu bluten, rät Heiser zum Arztbesuch. Menschen, die Blutverdünner nehmen, bräuchten bei starker Blutung kaum zögern, sich ärztlich behandeln zu lassen, sagt er. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Blutung von allein aufhört.“ Bluten Kinder länger als drei bis vier Minuten am Stück aus der Nase, sollten Eltern reagieren und mit ihnen zum Arzt gehen, rät Kahl. Denn Kinder wissen oft nicht so gut mit einer blutenden Nase umzugehen wie Erwachsene. Dazu kommt,dass auch ihre Eltern rasch beunruhigt sind.

Für Erwachsene und Kinder gilt gleichermaßen: Blutet die Nase im Abstand einiger Tage immer wieder, ohne dass es offensichtliche Verletzungen gibt, schaut lieber einmal ein HNO-Arzt nach möglichen Ursachen, rät Jens Wagenknecht.

Eine Gerinnungsstörung kann sich durch wiederholtes Nasenbluten zeigen, erklärt Clemens Heiser. „Zum Beispiel bei Kindern.“ Seltener sind kleine Tumore die Ursache. Im Rahmen manch anderer Erkrankungen kann Nasenbluten ein Symptom sein: bei Nierenerkrankungen, Hypertonie oder Arteriosklerose beispielsweise. Oft ist der Grund für ständiges Bluten aber ein kleines Gefäß an der Nasenscheidewand, das verletzt ist und deshalb immer wieder aufreißt.

Per Endoskopie suchen HNO-Ärzte die Nase nach Ursachen für die Blutungen ab, erklärt Heiser. Gegebenenfalls folgen dann weitere Untersuchungen, etwa Bluttests oder Computertomographie.

Wer seine Nasen-Schleimhäute möglichst feucht hält, kann gegen Nasenbluten ein wenig vorbeugen. Die Luftfeuchte im Schlafzimmer erhöhen und auch nachts gelegentlich trinken, rät Jens Wagenknecht. Auch Hilfsmittel wie Nasensalben, Salzwasserspray und Nasenölunterstützen angegriffene Schleimhäute.

(dpa/tmn)

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