Erste Kritik am Paralympics-Ausschluss aller russischen Behindertensportler

Zwei Weltverbände verurteilen scharf die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees.

Nicht einverstanden: Ingmar de Vos, Präsident des Pferdesport-Weltverbandes FEI (Foto: IWDN)

Nicht einverstanden: Ingmar de Vos, Präsident des Pferdesport-Weltverbandes FEI (Foto: IWDN)

Nachdem das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am Sonntag in der Affäre um vermeintliches Staatsdoping einen Komplett-Ausschluss der russischen Athleten für Rio beschlossen hat (ROLLINGPLANET berichtete: Damit die Paralympics nicht den Bach runtergehen: IPC sperrt russische Behindertensportler), haben zwei Weltverbände heftige Kritik geübt.

„Wir sind sehr enttäuscht über die IPC-Entscheidung“, sagte Ingmar de Vos, Präsident des Pferdesport-Weltverbandes FEI, am Sonntag in einer Mitteilung. „Wie unsere Paralympics-Athleten aus anderen Ländern haben unsere drei russischen Athleten hart trainiert.“ Die FEI sei der Überzeugung, dass die einzelnen Sportverbände die Möglichkeit haben sollten, die Rechte ihrer sauberen Sportler zu verteidigen.

Man sei mit dem Bann überhaupt nicht einverstanden, teilte auch der Weltverband der Bogenschützen, der Dachorganisation für die paralympischen Schützen, mit. Das Urteil des IPC verstoße gegen die „Prinzipien der Inklusion und des Fair Play“. Die Entscheidung basiere auf einem „noch nicht abgeschlossenen Bericht“. Insgesamt sind von dem Urteil zwölf russische Bogenschützen betroffen.

„Gemeinsam und grausam“

Wenig überraschend hatte sich zuvor Russland empört gezeigt und eine Klage angekündigt. „Der Ausschluss der russischen Mannschaft ist gemein und grausam. Es ist ein Verrat an den höchsten menschenrechtlichen Standards, die eine moderne Welt ausmachen“, teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. Paralympics-Teilnehmer seien keine Invaliden, die aus Hoffnungslosigkeit begonnen hätten, Sport zu treiben. „Paralympics-Teilnehmer sind Sportler, die bewiesen haben, dass es keine Hoffnungslosigkeit gibt“, betonte eine Sprecherin.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) lobte hingegen die harte Linie als „unmissverständliche und mutige Entscheidung“. DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher erklärte: „Es handelt sich um ein wichtiges Signal hin zu einem konsequenten Anti-Doping-Kampf – im Sinne des Fair-Play-Gedankens im Sport ist diese harte Linie der völlig richtige Weg. Im Gegensatz zum IOC hat der Paralympische Sport diese historische Chance wahrgenommen, von der wir uns nachhaltige Auswirkungen auf gerechte Wettkämpfe erhoffen.“

(RP/dpa)

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