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Erster Runder Tisch „Ausbildung behinderter junger Menschen“ in Hamburg

Akteure sehen großen Handlungsbedarf – und Inklusion auch als ein Thema für die Berufsschulen. Von Manfred Otto-Albrecht (Projektleiter)

Manfred Otto-Albrecht

Zum ersten Mal in Hamburg fand in diesen Tagen (am Montag, den 21.5.2012) ein Runder Tisch zur Ausbildung behinderter und schwerbehinderter junger Menschen statt.

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit behinderter Menschen einerseits und zunehmender Schwierigkeiten der Unternehmen bei der Gewinnung von Auszubildenden anderseits hat jetzt die Hamburger Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH die Initiative ergriffen, um Akteure des Arbeitsmarktes, Vertreter von Betrieben und Unternehmen, Fachleute der Schulbehörde und der Fachdienste des Integrationsamtes sowie Vertreter der Schulen an einen Tisch zu bekommen. Eingeladen hatte das FAW-Projekt BIHA, das die FAW in Zusammenarbeit mit UVNord (Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein e. V). durchführt.

Um die Wirklichkeit in Betrieb, Schule und Berufsschule „aus erster Hand“ kennenzulernen, hatte man mit Auszubildenden aus Hamburger Betrieben auch die Betroffenen selbst beteiligt.

Bessere Ausbildungschancen erforderlich

Mit dem Aktionsplan Inklusion der Stadt Hamburg werden jetzt Weichen gestellt, die an der Ausbildung behinderter junger Menschen nicht vorbeiführen dürfen, sagte Manfred Otto-Albrecht (Projektleiter BIHA) für die Fortbildungsakademie der Wirtschaft. Deshalb hat man jetzt mit dem Runden Tisch das Thema auf die Agenda gesetzt.

Ziel des Runden Tisches ist es, dass alle zentralen Akteure über den Aufbau eines strukturierten Arbeitszusammenhanges die gegenseitigen Erwartungen kennenlernen, um eine effektivere Verzahnung vorhandener Ressourcen zu erreichen.

Deutlich wurde aber schon beim ersten Treffen, dass auch neue Ideen und Maßnahmen erforderlich sind, um die Ausbildungssituation nachhaltig verbessern zu können, um jungen Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und um Betriebe dabei zu unterstützen. die Ressourcen des Arbeitsmarktes besser zu nutzen.

Akteure sehen großen Handlungsbedarf

Marion Riedel, Teamleiterin Erstausbildung in der Arbeitsagentur Hamburg, und Dr. Angela Ehlers für das Referat Inklusion der Behörde für Schule und Berufsbildung diskutierten mit Personalverantwortlichen und Auszubildenden der Hamburger Wirtschaft über konkrete Verbesserungen bei Einstellung und Ausbildungsbegleitung. Deutlich wurde, dass eine fehlende Barrierefreiheit der Berufsschulen dazu führen kann, dass ausbildungsbereite Unternehmen behinderte Jugendliche nicht einstellen.

Auswahlverfahren und Assessmentcenter in Unternehmen müssen barrierefrei gestaltet werden, damit Betriebe die Vielfalt, Kompetenzen und Fähigkeiten der Jugendlichen richtig einschätzen können. Bei der Dauer und der Lage von Praktika müssen betriebliche Anforderungen und schulische Strukturen besser aufeinander abgestimmt werden. Ausbilder und Führungskräfte müssen besser auf die Vielfalt der Auszubildenden vorbereitet sein. Jugendliche, Eltern und auch Lehrer sollen stärker informiert werden über die Bedeutung des Schwerbehindertenausweises, der oft nur als Stigma betrachtet wird, ohne die Chancen durch die Nutzung umfangreicher Assistenzleistungen zu sehen.

Inklusion auch ein Thema für die Berufsschulen

Ein Auszubildender berichtete von unsäglichen Problemen eines mobilitätseingeschränkten Mitschülers beim Besuch der Berufsschule, was nach Aussage von Andrea Kienast (Human Resources Coloplast GmbH) die ausdrückliche Absicht des Unternehmens, einen auf den Rollstuhl angewiesenen jungen Menschen auszubilden, gefährdet.

Wie es positiv gehen kann, wurde im eindrucksvollen Bericht von Svenja Rathjens (Olympus Deutschland GmbH) deutlich: Unternehmen, Berufsschule, Arbeitsagentur, Schulbehörde und Integrationsamt hätten vorbildlich zusammengearbeitet und alle auftretenden Probleme gut gelöst, so dass Frau Rathjens mit einer starken Sehbeeinträchtigung in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis übernommen wurde. Manuela Winkler (Disabiltiy Managerin Olympus) betonte, dass eine frühzeitige Kommunikation aller Beteiligter die meisten Probleme vermeiden könne. Allerdings müssten mehr Unternehmen die bewusste Entscheidung treffen, behinderten Menschen eine Chance zu geben.

Für den Veranstalter griff Manfred Otto-Albrecht abschließend den einheitlichen Wunsch aller Beteiligter auf, den Runden Tisch fortzusetzen: im September wird der „2. Runde Tisch Ausbildung behinderter junger Menschen“ stattfinden, zu dem dann weitere Akteure und Fachleute eingeladen werden sollen.

Kontakt Runder Tisch Ausbildung
Manfred Otto-Albrecht
Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH
Projekt BIHA
Telefon: 040 – 63 64 62 72
Mail: [email protected]

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