Erstmals macht eine deutsche Musikhochschule Ernst mit Inklusion

In Lübeck wird das Thema Bestandteil der Musiklehrerausbildung.

Inklusiver Trommelunterricht in einer Lübecker Schule (Foto: Markus Scholz/dpa)

Inklusiver Trommelunterricht in einer Lübecker Schule (Foto: Markus Scholz/dpa)

Als bundesweit erste Musikhochschule macht die Hochschule in Lübeck Inklusion zum Teil der gesamten Lehrerausbildung. In allen Modulen des Studiums werden künftig die Heterogenität der Schüler thematisiert, sagte der Beauftragte für die Studiengänge „Musik vermitteln“ der Hochschule, Hans Bäßler, am Donnerstag. Ziel sei es, die künftigen Musiklehrer für Probleme behinderter Schüler zu sensibilisieren und ihnen Lösungsmöglichkeiten zu zeigen, sagte er. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) meinte, dieser Paradigmenwechsel in der Lehrerausbildung sei ein großer Fortschritt.

„Gerade die Musik hat im Leben jedes Menschen einen hohen Stellenwert. Deshalb liegt es nahe, sie als Gemeinsamkeit zu nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden“, sagte der Präsident der Hochschule, Rico Gubler. Auch der Studienleiter am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH), Knut Dembowski, sagte: „Alle Kinder haben ein Bedürfnis nach Musik. Aufgabe des Lehrers ist es, die Stärken des Einzelnen herauszufinden und zu fördern.“ Jedes Kind habe ein Recht auf gemeinsame und bestmögliche musikalische Teilhabe, sagte er.

Nicht nur Menschen mit Behinderung profitieren

Bei der Inklusion geht es nicht nur um Schüler mit geistigen, körperlichen oder motorischen Einschränkungen. „Sie schließt auch Hochbegabte ein. Ziel des Musikunterricht für alle ist es, auf die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen einzugehen, um ein gemeinsames Klangerlebnis zu erreichen“, sagte der Sonderpädagoge Björn Tischer, der die Hochschule bei der Entwicklung ihres Inklusionskonzeptes beraten hat. Das Land fördert das Projekt mit rund 90.000 Euro.

Im Studium werden den angehenden Musiklehrern, aber auch ihren Dozenten künftig Grundkenntnisse über Behinderungsarten, Förderkonzepten und didaktischen Methoden vermittelt. Noch bis zum 11. April findet an der Hochschule ein „Frühjahrscampus Inklusion“ statt, an dem auch bereits im Berufsleben stehende Lehrer teilnehmen können.

(dpa)

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