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Erstmals Stadträtin mit Down-Syndrom

In Spanien zieht Ángela Bachiller in das Stadtparlament von Valladolid ein.

Ángela Bachiller am Montag bei ihrer Premiere im Stadtrat

Ángela Bachiller am Montag bei ihrer Premiere im Stadtrat

Irgendein Dorf ist das nicht – und mit Real Valladolid (Fußball) und CB Valladolid (Bastkeball) hat man zwei bei Sportfans weltweit bekannte Vereine. Im zentralspanischen Valladolid – 312.000 Einwohner, 160 Kilometer nördlich von Madrid gelegen – ist die 30-Jährige Ángela Bachiller, die das Down-Syndrom hat, am Montag unter großem Medieninteresse in den Stadtrat eingezogen.

Die Politikerin vom konservativen Partido Popular (PP) ersetzt einen Parteikollegen, der wegen Korruptionsverdachts seinen Platz räumen musste. PP stellt mit Francisco Javier León de la Riva auch den Bürgermeister. Er hat seit Jahren den Ruf, sich in besonderem Maße für Behinderte einzusetzen. In Spanien leben rund 34.000 Menschen mit Down-Syndrom.

Erst seit zwei Jahren politisch aktiv

Bachiller arbeitete bisher als Verwaltungsangestellte im Sozialamt von Valladolid. Sie ist begeisterte Klavierspielerin, setzt sich seit langem für die Gleichberechtigung behinderter Menschen ein – ist aber erst seit zwei Jahren politisch aktiv. „Was heute als außergewöhnlich erachtet wird, sollte längst Normalität sein“, kommentiert ihre Mutter Isabel Guerra den Aufstieg ihrer Tochter. Wesentlichen Anteil daran hatte ihrer Meinung nach neben Liebe, Arbeit und Disziplin vor allem eines: „Ein ganz normales Leben in allen Bereichen führen“.

„Selbst Vertreter der Opposition haben mir gratuliert. Sie waren auch früher schon immer sehr höflich zu mir“, erzählt Ángela Bachiller in einem Interview mit der spanischen Zeitung „La Vanguardia“. Was sie gar nicht mag? Politiker, „die nicht ehrlich sind und nicht für die Bürger arbeiten“. Und sie bedauert, dass Menschen mit Behinderung sich nicht trauen, in die Politik zu gehen. Illusionen macht sie sich aber nicht – ob ihr Beispiel Schule machen werde? „Ich hoffe und wünsche das, aber es ist sehr schwierig und kompliziert.“

Aufmerksam geworden durch Ulrike Pohl.

(PM)

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