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Europas erster Lehrer mit Downsyndrom

Filmszene 'Me Too' mit Lola Dueñas als Laura und Pablo Pineda als Daniel

Pablo Pineda war neulich in der ARD in dem Spielfilm „Me Too – wer will schon normal sein“ zu sehen. „Welt Online“ führte mit ihm ein sehr lesenswertes Interview.

Der 34-jährige Spanier Pablo Pineda ist Europas erster Akademiker mit Downsyndrom. Sein Traumberuf Lehrer ist nur noch vier Prüfungen entfernt. So ungewöhnlich ist das nicht: In Spanien gehen 85 Prozent der Kinder mit Downsyndrom in eine reguläre Schule, schreibt „Welt online“ und sprach mit Pineda über Lernen, Behinderung und überbehütete Kinder.

Der künftige Pädagoge erfuhr als Kind nicht von seinen Eltern, sondern von seinem Lehrer, dass er „anders“ ist. „Ich war etwa sieben Jahre alt, als er mich fragte, ob ich wüsste, was das Downsyndrom sei“, erinnert sich Pineda. „Natürlich sagte ich ja. Er durchschaute mich aber, und erklärte mir die Genetik des Downsyndroms. In dem Alter war das eine echt harte Nuss. Für mich klang das wie Aramäisch. Das war schon heavy. Ich hatte nur zwei Fragen: ‚Bin ich dumm?‘ Er antwortete: ‚Nein.‘ ‚Kann ich weiter in die Schule gehen mit meinen Freunden?“ Er sagte: ‚Kein Problem.‘ Der Rest, der war mir egal.“

„Dein Kind kann es“

Pineda über seine Vorbildfunktion: „Es ist eine große Verantwortung. Ich weiß, dass es viele Eltern gibt, viele Väter und viele Mütter, die Kinder mit Downsyndrom haben. Sie brauchen jemanden, der ihnen zeigt und sagt: ‚Dein Kind kann es.‘ Dann kommen Medien hinzu, die stets Nachrichtenwertes suchen. Und ich will ja auch einem Teil der Bevölkerung ein Gesicht geben, der so gut wie nie eine Nachricht wert war. Die Medien mögen mich – und sie rufen mich an, bis zu 30 Mal an einem einzigen Tag. Das zehrt schon etwas an mir.“

Pineda über Vorurteile: „Das größte Manko der Gesellschaft ist, das Anderssein nicht verstehen zu können. Aus dem Nichtverstehen heraus etikettiert man. Die ‚Homosexuellen‘, die ‚Immigranten‘, bis hin zu ‚den Frauen‘. Man teilt in Kollektive. Das _andere‘, da wissen viele nicht, wie man es behandeln soll. Sie isolieren es, verkindlichen den Umgang mit ihm, oder sie meiden es schlichtweg. Es entstehen Stereotype, Vorurteile, bis hin zu Wörtern wie ‚Discapacidad‘ (’nicht fähig sein‘), dem spanischen Wort für Behinderungen.“

Zum Interview: „Welt Online“

Zum Themenschwerpunkt Inklusion in Schulen

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