Eva (15 Monate) unaufhaltsam – im Baby-Rollstuhl

Wie Kim und Brad Moore die stärksten Eltern der Welt wurden – und ein ganz besonderes ROLLINGPLANET-Gefährt bastelten. Von Max Kramer

Evelyn „Eva“ Moore war 13 Monate alt, als Papa ihr den Mini-Rollstuhl baute. (Foto: IWN)

Evelyn „Eva“ Moore war 13 Monate alt, als Papa ihr den Mini-Rollstuhl baute. (Foto: IWN)

Die ersten Schritte des eigenen Kindes miterleben werden Kim und ihr Ehemann Brad Moore aus Edmonton (Kanada) wohl nie. Stolz sind sie dennoch auf ihr Töchterchen Evelyn, die jüngste ROLLINGPLANET-Heldin seit langem. Im Alter von nur vier Monaten wird bei der Kleinen ein aus der Wirbelsäule wachsender Tumor diagnostiziert. Operativ kann das Neuroblastom nicht entfernt werden – einziger Ausweg: Eva, wie sie liebevoll von ihren Eltern genannt wird, muss sich einer strapaziösen Chemotherapie unterziehen. Acht Sitzungen sind erforderlich, bis Eva als gesund gilt – fortan ist sie aber von den Armen abwärts gelähmt.

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„Die Diagnose hat mir das Herz gebrochen“, so die sichtlich bewegte Mutter gegenüber CBC. „Aber dann gehst du nach Hause, weinst und kommst am nächsten Tag zurück als die stärkste Mama und der stärkste Papa der Welt. Einfach, weil man keine andere Wahl hat.“ Auch wenn die Ärzte prophezeien, es dauere bis zu ihrem zweiten Lebensjahr, bis Eva in einem Rollstuhl fahren könne: Das Ziel, ihrer heute 15 Monate alten Tochter ein möglichst unabhängiges und freies Leben zu ermöglichen, treibt Kim und Brad Moore an. Also suchen die beiden nach Lösungen und finden schließlich bei der Social Media-Plattform Pinterest Bilder eines selbstgemachten Mini-Rollstuhls. Kim ist begeistert, zeigt das improvisierte Gefährt ihrem Ehemann – und der macht sich ans Werk.

Eva rast durchs Wohnzimmer

Zirka 100 kanadische Dollar (umgerechnet 69 Euro) und einige Stunden Arbeit später ist der Babyrollstuhl, bestehend aus einem gebrauchten Baby-Sitz, einem Rollbrett und zwei Rädern eines Kinderfahrrads, fertiggebastelt. Und er passt im wahrsten Sinne des Wortes wie „Arsch auf Eimer“ – die kleine Eva ist ein Naturtalent. „Zuerst fuhr sie zurück, dann vorwärts und lernte dann, sich zu drehen. Mittlerweile haben wir eine Bremsschwelle mitten im Wohnzimmer, weil sie schon so schnell ist!“, sagt Kim und lacht.

Auch ihr Ehemann Brad ist mächtig beeindruckt: „Ich hätte nie gedacht, dass sie angesichts der Umstände derart willensstark und anpassungsfähig ist. Es haut mich um, wie schnell sie mit der Situation zurechtgekommen ist“, so der handwerklich begabte Vater, der dann sagt, was seine Tochter wohl am besten beschreibt: „Nichts kann sie aufhalten!“

(RP)

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2 Kommentare

  • Name

    Solche Baby-Rollis gibt es hierzulande auch von der Kasse beim Orthopädietechniker (z.B. 4ma3ma). Und als Mama kann ich nur sagen: Die Kinder so früh wie möglich mobil machen. Wir haben auch oft gehört, dass wir warten sollen, weil unser Kind vielleicht irgendwann irgendwie mal laufen lernen könnte und eine frühe Versorgung „lauffaul“ mache. Das Gegenteil ist der Fall: Mobilität macht selbstständiger und bei unserem Kind auch ganz klar Lust auf mehr Mobilität.

    26. Oktober 2016 at 10:05
  • Renate Lade

    Iss ja süß

    26. Oktober 2016 at 13:09

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