Evangelische Kirche in Baden-Württemberg entwickelt Aktionsplan für Inklusion

Finanzmittel für kirchliche und diakonische Einrichtungen in Aussicht gestellt, um Barrierefreiheit und Willkommenskultur zu schaffen.

Landesbischof Frank Otfried July leitet die Ausarbeitung des Inklusions-Aktionsplans. (Foto: Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg)

Landesbischof Frank Otfried July leitet die Ausarbeitung des Inklusions-Aktionsplans. (Foto: Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg)

Das baden-württembergische Netzwerk Inklusion in der Landeskirche (NIL) erarbeitet einen Inklusions-Aktionsplan. Das Ziel lautet: „Inklusion soll als Querschnittsthema und Handlungsstrategie in der Evangelischen Landeskirche Verankerung finden und darüber hinaus wirken.“ Gestern traf sich der Ausschuss erstmals, den Vorsitz hat Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July übernommen.

Der Aktionsplan will laut einer Mitteilung Kirchengemeinden, diakonische Einrichtungen und Dienste dabei unterstützen, vor Ort eigene Wege zu gehen und Impulse zu setzen für umfassende Inklusion: Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit, Behinderung, Flucht – es seien unterschiedliche Ursachen, die dazu führen können, dass Menschen ausgegrenzt sind. Es gelte, Ausgrenzung systematisch zu überwinden und inklusive Ansätze in Kirchengemeinden zu entwickeln und zu fördern.

„Teilhabe ermöglichen für arme, arbeitslose, psychisch kranke und alte Menschen, für Menschen mit Behinderung oder für Flüchtlinge ist ein ureigenes Anliegen von Kirche“, betont July und hebt die „hohe Bedeutung“ gelebter Inklusion für die Evangelische Landeskirche hervor. „Kirche und Diakonie leben bereits vielfältig Inklusion. Wir können aber noch mehr erreichen, wenn wir Prozesse und Strukturen stärker in den Gemeinden verankern.“ Damit dies gelingen kann, finanziert die Evangelische Landeskirche für die Kirchengemeinden und die kirchlichen und diakonischen Werke und Einrichtungen mehrere Stellen und hat für den Zeitraum des Aktionsplanes einen Fonds in Aussicht gestellt.

Barrierefreiheit und Willkommenskultur

Seit Anfang des Jahres ist die Geschäftsstelle des Aktionsplanes mit Sitz im Diakonischen Werk Württemberg aktiv. Sie ist Informations- und Vernetzungsplattform und Drehscheibe des Aktionsplans. „Diakonie handelt auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Mann, Frau – Alte, Junge – Fremde, Einheimische – Menschen mit Behinderung, Menschen ohne Behinderung – Gesunde, Kranke – welche Unterschiede auch immer da sein mögen, alle Menschen sind gleich in ihrer Würde und in ihrem Ansehen. Deshalb sollen sie alle dieselben Möglichkeiten haben, am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt teilzunehmen und dieses mitzugestalten“, so Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. „Inklusion ist die Kunst des Zusammenlebens von verschiedenen Menschen. Dies ist nicht immer einfach, aber lohnend und bereichernd.“

Ausgangspunkt für den „Aktionsplan Inklusion leben“ ist die UN-Behindertenrechtskonvention. Zur konkreten Umsetzung des Aktionsplans gehört laut des Netzwerks die tatkräftige Umsetzung inklusiver Schritte vor Ort, beispielsweise Schritte für mehr Barrierefreiheit oder Willkommenskultur. Außerdem soll Teil-Habe und Teil-Gabe für Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten gefördert und Beteiligung und Vernetzung unterstützt werden. Konkret will man kleine Jobs für Langzeitarbeitslose schaffen und Begegnungen mit Flüchtlingen organisieren. Diakonische Einrichtungen helfen „ihren“ Leuten dabei, die Nachbarschaft im neuen Wohnort zu erobern. Konfirmanden gehen mit Bewohnern einer Wohngruppe für Menschen mit Handicap on tour.

(RP/PM)

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