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Existenzgründerprogramm für Schwerbehinderte vor dem Aus

Die Zielgruppe zeigt wenig Interesse: Nur 36 Selbstständige dank „enterability“.

Enterability dank Rehability – nicht jeder hat es geschafft wie der Heidelberger Rollstuhlfahrer Michael Heil (hier im Urlaub in Byron Bay, Australien), der sich vor über 20 Jahren selbstständig gemacht hat mit „Rehability“, Deutschlands führendem Aktiv-Reha-Versorger und Sponsor von ROLLINGPLANET (Foto: privat)

Enterability dank Rehability – nicht jeder hat es geschafft wie der Heidelberger Rollstuhlfahrer Michael Heil (hier im Urlaub in Byron Bay), der sich vor über 20 Jahren selbstständig gemacht hat mit „Rehability“, Deutschlands führendem Aktiv-Reha-Versorger und Sponsor von ROLLINGPLANET (Foto: privat)

Wenig Risikobereitschaft, viele Hürden: Anders als etwa die USA gilt Deutschland nicht gerade als Eldorado der Selfmade-Unternehmerpersönlichkeiten (siehe Info-Box unten). Das gilt offensichtlich auch für Menschen mit Behinderung.

Ein Existenzgründerprogramm für Schwerbehinderte ist in Sachsen-Anhalt deutlich schlechter als erwartet angenommen worden. „Wir sind nicht ausgelastet gewesen“, sagte Gründungsberaterin Claudia Ducho gestern in Magdeburg.

Binnen vier Jahren seien rund 100 Menschen mit Behinderung zu ihrer geplanten Existenzgründung beraten und begleitet worden. 36 von ihnen hätten sich tatsächlich selbstständig gemacht, die meisten bis heute erfolgreich. Beispiele seien eine Physiotherapie, ein Unternehmen für Papierkunst und eine Hochzeitswerkstatt.

Das auf vier Jahre angelegte und geförderte Modellprojekt „enterability“ (selbstständig ohne behinderung) mit einem Budget von 600.000 Euro werde nicht fortgeführt, sagte Ducho. Die enterability-Webseite erklärt: „Für viele Menschen mit Schwerbehinderung ist die Selbstständigkeit die einzige Möglichkeit (wieder) am Arbeitsleben teil zu haben.“ Landesweit gab es im November laut Bundesagentur für Arbeit rund 4700 Arbeitslose mit Schwerbehinderung.

Selbstständige in Europa

Im europäischen Vergleich arbeiten hierzulande besonders wenige Menschen auf eigene Rechnung: Der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen lag 2010 nach Eurostat-Angaben in Deutschland bei 10,5 Prozent – im Durchschnitt der Europäischen Union betrug er 14,5 Prozent.

Besonders häufig sind die Griechen ihr eigener Chef, nämlich fast 30 Prozent aller Erwerbstätigen. Aber auch Italiener, Rumänen, Polen, Portugiesen und Tschechen leiten oft eine kleine oder größere Firma, zumindest aber sich selbst: Die Selbstständigenquote liegt dort zwischen knapp 23 und 17 Prozent. Noch weniger Selbstständige als in Deutschland gibt es lediglich im Baltikum sowie in Schweden, Dänemark und Luxemburg. Ganz ähnlich wie hierzulande sieht es bei Deutschlands Nachbarländern Österreich und Frankreich aus (11,3 bzw. 10,7 Prozent).

Quelle: Wirtschaft und Schule

(RP/dpa)

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