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Experten: Brustkrebs ist nicht eine, sondern zehn Krankheiten

Daten von mehr als 2.000 Frauen analysiert: Eine neue Studie will die Behandlung revolutionieren.

Frau unter Ultraschallgerät

Ultraschallgerät für 3-D-Darstellung der weiblichen Brust und zur Krebsvorsorge (Foto: Siemens)

(pte/div) – In den westlichen Staaten ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Am Brustkrebs sterben mehr Frauen als an irgendeiner anderen Krebserkrankung. Die meisten Erkrankungen treten zufällig auf, es gibt aber sowohl erbliche als auch erworbene Risikofaktoren.

Mehr als 59.500 Frauen erkranken jährlich in Deutschland neu an einem Mammakarzinom, schätzt die Deutsche Krebshilfe. Damit ist Brustkrebs das häufigste Krebsleiden bei Frauen, gefolgt von Darmkrebs und Lungenkrebs. Fast 30 Prozent der Krebserkrankungen bei Frauen betrifft die Brust.

Und: In Deutschland sterben mehr Frauen an Brustkrebs als in allen anderen Ländern Europas. Zu diesem Ergebnis kam im Februar eine Studie des Forscherteams um Matteo Malvezzi von der Universität Mailand. Die Forscher berichteten im Fachmagazin „Annals of Oncology“, dass hierzulande 16,5 von 100.000 Frauen diese Krebserkrankung nücht überleben. Der EU-Durchschnitt liege dagegen bei 14,9 von 100.000 Frauen. Die niedrigste Todesrate haben die Spanierinnen, dort sterben 11,7 von 100 000 Frauen an Brustkrebs. Die Gründe hierfür kennen die Experten nicht.

Statistisch gesehen ist die linke Brust um fünf bis sieben Prozent häufiger von dieser Diagnose betroffen als die rechte. Mit zunehmendem Alter wird der Unterschied noch größer. Die Ursachen für dieses Phänomen sind ebenfalls noch weitgehend unklar.

Krebs ist nicht Krebs

Was heutzutage als Brustkrebs bezeichnet wird, sollte laut einer neuen internationalen Studie eigentlich als ein Konglomerat zehn verschiedener Krankheiten angesehen werden.

Die in der Studie festgelegten Kategorien könnten die Behandlung durch das Maßschneidern auf jeweils die genaue Form von Brustkrebs grundlegend verändern. Damit sollte es auch möglich sein, die Überlebenschancen der Patientinnen genauer vorherzusagen. Für die in Nature veröffentlichte Arbeit wurden die Daten von 2.000 Frauen mit Brustkrebs analysiert.

Drei Jahre Umsetzung

Carlos Caldas

Carlos Caldas

Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass es noch rund drei Jahre dauern könnte, bis diese Forschungsergebnisse auch in Krankenhäusern umgesetzt werden können. Das Team um Professor Carlos Caldas verglich Brustkrebs mit einer Karte der Welt. Die derzeit in Krankenhäusern eingesetzten Tests sind vergleichsweise breit angelegt. Sie teilen die verschiedenen Brustkrebserkrankungen in Kontinente auf, berichtet die BBC.

Die neuen Forschungsergebnisse fügen dieser Weltkarte zahlreiche neue Details hinzu und ermöglichen es jetzt auch, einzelne Länder zu finden. Brustkrebs ist laut Caldas nicht eine Krankheit, sondern zehn verschiedene. „Unsere Forschungsergebnisse werden Ärzten in Zukunft ermöglichen, den genauen Typ des Brustkrebses und die Wirksamkeit von Medikamenten viel genauer als heute zu bestimmen.“

Bessere Klassifikation als Ziel

Derzeit werden Brustkrebserkrankungen nach ihrem Erscheinungsbild unter dem Mikroskop und durch Tests auf Marker in den Tumoren klassifiziert. Jene, die über Östrogenrezeptoren verfügen, sollten auf Hormontherapien wie Tamoxifen ansprechen. Bei HER-2-Rezeptoren wird mit eine Behandlung mit Herceptin durchgeführt. Der Großteil der Brustkrebserkrankungen, mehr als 70 Prozent, sollte auf eine Hormontherapie ansprechen.

Die wirkliche Reaktion auf die Behandlung ist jedoch sehr unterschiedlich. Laut Caldas geht sie oft gut, aber auch oft schlecht aus. Daher sei eine bessere Klassifikation von entscheidender Bedeutung. Die Wissenschaftler untersuchten eingefrorene Brustkrebsproben von 2.000 Frauen aus Krankenhäusern in Großbritannien und Kanada. Sehr genau wurde dabei die Genetik der Tumorzellen analysiert.

Welche Gene mutiert, welche zu aktiv und welche überhaupt nicht mehr aktiv waren, wurde untersucht. Alle diese Veränderungen konnten in zehn verschiedenen Kategorien und zwar IntClust 1 bis 10 zusammengefasst werden. Damit wird laut Caldas ein völlig neuer Blick auf die Krankheit Brustkrebs möglich. Die Studie wurde vom britischen Cancer Research UK finanziert.

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