„Facebook light“ für Demenzkranke

Norwegische Forscher haben eine abgesteckte Version des sozialen Netzwerks erstellt. Offensichtlich mit beachtlichem Erfolg: Patienten waren aktiver als zuvor.

Trondheim (pte). – Die Wissenschafter der Stiftung für wissenschaftliche und industrielle Studien am Norwegischen Institut für Technologie haben dazu eine abgespeckte Version eines sozialen Netzwerks geschaffen. „Die Benutzeroberfläche herkömmlicher Social Networks ist für viele Menschen zu kompliziert“, sagt Tone Øderud, die für SINTEF an dem Projekt arbeitet. Andererseits fragt sich die Forscherin, warum Senioren von Social Media ausgeschlossen werden sollten, obwohl diese die Kommunikationsform der Zukunft darstellen. Ihrer Meinung nach sei das oft der Fall.

„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine übersichtliche, einfach bedienbare Plattform auf das Interesse der angesprochenen Zielgruppe stoßen würde“, so Caroline Lutz von der Curanum AG . Das Netzwerken via Social Media hat nunmehr Menschen mit mittlerem Alter erreicht, das Durchschnittsalter erhöht sich zunehmend, so die Expertin: „In einer größer werdenden Anzahl unserer Institutionen ist es den Bewohnern bereits möglich, mit ihren persönlichen PCs das Internet zu nutzen. So wäre auch die Nutzung einer Online-Plattform einfach praktikabel.“

Bessere Gesundheit durch Kommunikation

Øderud arbeitet in einer multidisziplinären Forschergruppe, die ein webbasiertes Kommunikationstool entwickelt, das wegen seiner Einfachheit für demenzkranke Menschen geeignet ist. Ziel ist ein sicher und vereinfachter Alltag für diese Gruppe, ihre Verwandten und das Personal in Altenheimen. Zudem soll das Programm auch Datenschutzstandards gerecht werden. Die Forscher glauben, dass so eine Plattform die Lebensqualität älterer Menschen in einer alternden Gesellschaft klar erhöht, gleichzeitig aber den Druck von Pflegern und Therapeuten nimmt.

Nach ihren bisherigen Erfahrungen hat der Kontakt mit der Welt draußen einen positiven Effekt auf Menschen mit Demenz: „Wir haben schon einige praktische Tests mit anderen webbasierten Kommunikationstools gemacht, inklusive einem digitalen Tagebuch und einem Einklebebuch mit persönlichen Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Informationen.“ Beide haben den Studien zufolge auch die Kommunikation zwischen den Verwandten und der Pflege verbessert, so Øderud.

Sicherheitsgefühl wird gefördert

Dieser simple, ungezwungene Kontakt hat auch das allgemeine Sicherheitsgefühl gesteigert. Dies nicht zuletzt, weil das Personal weniger Zeit dafür aufwenden muss, Verwandte zu verständigen. Die positiven Ergebnisse der Wissenschafter sind auch Grundlage für die Fortsetzung der Versuche mit digitalen Benutzeroberflächen: „Es gibt ein großes Potenzial im Pflegebereich“, so ein SINTEF-Wissenschafter. Derzeit wird ein Prototyp in Drammen in Südnorwegen getestet.

Foto: SINTEF

Zum Themenschwerpunkt Alzheimer/Demenz

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