Facebook startet Bildbeschreibung für blinde Menschen

Automatische Objekterkennung ermöglicht Feature zunächst unter iOS.

Facebook-Daumen nach oben (Foto: tanuha2001/Shutterstock.com)

Facebook-Daumen nach oben (Foto: tanuha2001/Shutterstock.com)

Facebook hat ein neues Feature gestartet, mit dem Fotos zugänglicher für blinde Nutzer werden. Denn dank automatischer Objekterkennung fügt das System Alternativtext hinzu, der den Inhalt von Bildern beschreibt. (ROLLINGPLANET berichtete über die Entwicklung.) Zunächst gibt es diese Accessibility-Verbesserung nur auf Englisch und für den Bildschirmleser von iOS-Geräten. Vor einigen Tagen hatte ROLLINGPLANET auch über twitters Bemühungen für blinde Nutzer informiert.

Künstliche Intelligenz

Das Feature verspricht Blinden eine Beschreibung des Inhalts von Fotos, so dass sie besser an allen Aspekten des sozialen Netzwerks teilhaben können. Möglich macht das eine automatische Objekterkennung, die Facebook zufolge auf einem neuronalen Netz mit Milliarden Parametern und Millionen Trainings-Datensätzen beruht. Der aktuelle Rollout zeigt Facebooks Zuversicht, dass diese Künstliche Intelligenz (KI) inzwischen gut genug ist, um für Fotos wirklich sinnvolle Stichwörter zur Kurzbeschreibung zu finden.

Bislang haben blinde Facebook-Nutzer vom Bildschirmleser zwar gehört, dass im Newsfeed ein Foto zu sehen ist und wer es gepostet hat. Zunächst unter iOS kommt dank dem neuen Feature eine Beschreibung in Stichworten dazu, beispielsweise „Bild dürfte drei Personen zeigen, lächelnd, im Freien“. Ein derartiger Alternativtext kann Blinden helfen, wirklich umfassend an Facebook-Gesprächen teilzuhaben, wie Bayram Cigci, technischer Assistent beim Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich und Burgenland (BSVWNB), erzählt

Auf Apples iPhone sei die Bedienung beispielsweise gut gelöst. „Hier kann ich den integrierten Screen Reader nutzen, um mir zumindest Textinhalte vorlesen zu lassen, damit auch ich nachvollziehen kann, worüber gerade diskutiert wird“, so Cigci. Bei Fotomaterial sehe die Sache aber ganz anders aus. „Solange das Foto keinen Alternativtext beinhaltet, ist es für mich unmöglich zu wissen, was darauf zu sehen ist. 90 bis 95 Prozent der Blinden, die Facebook haben, wollen die dortigen Möglichkeiten auch voll nutzen können. Wenn das neue Tool tatsächlich funktioniert und ich mir auch eine Vorstellung machen kann, was auf Fotos zu sehen ist, wäre das ein enormer Fortschritt.“

Altmodisches Konzept genutzt

Eigentlich ist ein Bild-Alternativtext ein altmodisches Konzept. Seit den Frühzeiten des Webs sieht HTML das Alt-Text-Tag für optische Elemente wie Bilder vor. Einst war das auch für User mit Text-Browsern wichtig. Heute nutzt eine sauber programmierte Webseite Alt-Tags aus Accessibility-Gründen. Bei hochgeladenen Fotos auf Facebook fehlen aber passende Infos. Diese müssten von den Usern kommen, die einen entsprechenden Tag-Zwang aber wohl mehrheitlich ablehnen würden. Für Facebook ist die automatisierte Bildbeschreibung also eine gangbarere Lösung – die hoffentlich auf Dauer nicht nur unter iOS zum Einsatz kommt.

(RP/pte)

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1 Kommentar

  • André Rabe

    Hoffentlich löst diese Funktion auch das leider weitverbreitete Problem, das sogar eigentlich Text-Inhalte als Bilder angehängt werden, die so dann nicht mehr von uns blinden gelesen werden können. Aber auch Legasteniker und andere haben von den Texten nichts, da sie diesen nicht sich vorlesen lassen könnten.
    In Facebook kann man allerdings jetzt schon Beschreibungen anfügen, was leider viel zu wenig gemacht wird. Allerdings machen das auch blinde Anwender. Warum auch immer.

    7. April 2016 at 11:28

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