Fahrdienst lässt geistig behinderten Schüler stundenlang im Bus sitzen

Tortur für 18-Jährigen. Stadt Mainz zieht (harmlose) Konsequenzen.

Die Stadt Mainz reagiert – mit Worten. (Foto: Martin Bahmann/CC BY-SA 3.0)

Die Stadt Mainz reagiert – mit Worten. (Foto: Martin Bahmann/CC BY-SA 3.0)

Da ist eine Firma unseres Erachtens noch mal gut weg gekommen – ROLLINGPLANET hätte sofort den Vertrag gekündigt statt die üblichen Das-tut-uns-aber-echt-leid-Reden gehalten. Das ist geschehen:

Ein 18-jähriger Schüler mit geistiger Behinderung wurde in einem Kleinbus vergessen und musste dort sieben Stunden lang ausharren – jetzt hat die Stadt Mainz aus dem Vorfall „Konsequenzen“ gezogen. Um Ähnliches zu vermeiden, sei mit dem Fahrdienst vertraglich vereinbart worden, dass dieser die Schüler zählen müsse, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Ein Beifahrer hatte im Januar nicht bemerkt, dass der Teenager nicht bei der Schule ausgestiegen war. Das fiel erst eine halbe Ewigkeit später auf. Der Fahrdienst entließ daraufhin den Beifahrer.

Die Stadt Mainz bezeichnete den Vorfall als „völlig inakzeptabel und höchst bedauerlich“ sowie als „menschliches Versagen in einem außergewöhnlichen Einzelfall“. Auch der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz sei kein ähnlicher Fall im Land bekannt, wie Landesgeschäftsführer Matthias Mandos auf Anfrage mitteilte.

Dass man Fahrdiensten für Menschen mit Behinderung öfter mal auf die Finger (oder in die Busse) schauen sollte, ist allerdings kein Geheimnis mehr. Im Dezember berichtete ROLLINGPLANET über die hohe Anzahl an Beanstandungen in Nordrhein-Westfalen. Dort fuhren beispielsweise eine Fahrerin und ein Begleiter, beide alkoholisiert, behinderte Kinder herum.

(RP/mit Materialien von dpa/lrs)

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1 Kommentar

  • Maik Torsten Wolff

    ohne worte, welcher fahrdienst war das bitte schreiben. aber kohle abferlangen. kann nur mit dem kopf schütteln. es kann mal passieren aber das liegt auch daran weil keine sicherheits maßnahmen so wie es eigendlich vorschreibt nicht vorhanden sind. das hätte die stadt vornweg prüfen müssen. nicht weil sie ein fahrstuhlrampe haben da gehört mehr dazu.

    4. Februar 2016 at 19:47

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