Fahrer erleidet epileptischen Anfall und tötet Frau – so urteilten die Richter

Ein Auto rast mit Tempo 70 auf den Bürgersteig und erfasst eine Rentnerin, sie stirbt. Schuld ist ein Epileptiker. Wie hätten Sie entschieden?

(Symbolfoto: Ringo Krause /pixelio.de )

(Symbolfoto: Ringo Krause /pixelio.de )

Der epileptische Anfall eines Autofahrers hat zum Tod einer Frau geführt, ein Passant wurde schwer verletzt. Das Amtsgericht München hat den Verantwortlichen am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten und zu 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der 25-Jährige sei der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig sowie der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs. Den Führerschein muss er für drei Jahre abgeben.

Der Epileptiker, bei dem die Krankheit mit 17 erstmals auftrat, hatte sich Ende April 2015 trotz eindringlicher Vorwarnung ans Steuer gesetzt. Er hatte am Morgen schon einmal im Auto einen Anfall erlitten. Im Krankenhaus wurde er behandelt und schriftlich ermahnt, sich nicht wieder ans Steuer zu setzen. Er tat es trotzdem.

Am Nachmittag krampfte er erneut und verlor die Kontrolle über den Wagen. Der rammte mit fast 70 Stundenkilometern ein anderes Fahrzeug von hinten und schleuderte ungebremst auf den Gehweg. Eine Rentnerin erlitt tödliche Verletzungen, ein Fußgänger schwere.

„Besondere Verantwortungslosigkeit“

Zum Auftakt der Verhandlung am Donnerstag gab der Angeklagte über seinen Anwalt die Schuld an dem Unfall zu und sprach den Betroffenen seine tiefe Anteilnahme aus. Er habe an dem Nachmittag heim ins Elternhaus gewollt. Der 25-Jährige leidet sehr unter den Folgen des Unfalls und ist seither in psychotherapeutischer Behandlung. Dass ein Anfall dieser Art sich innerhalb von 24 Stunden wiederhole, sei äußerst unwahrscheinlich, plädierte die Verteidigung.

Die Staatsanwaltschaft sprach hingegen von „besonderer Verantwortungslosigkeit“. Es sei nur einem Zufall zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen von dem Unfall betroffen wurden. Das Gericht entsprach im Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft, blieb bei der Zahl der Sozialstunden und der Dauer der Führerscheinsperre aber knapp darunter. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

Siehe dazu auch den ROLLINGPLANET-Bericht: Unter welchen Voraussetzungen dürfen Menschen mit Epilepsie Auto fahren?

(RP/dpa)

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1 Kommentar

  • Dani

    Ich finde das Urteil richtig – auch, wenn es grundsätzlich erlaubt ist, mit Epilepsie eine Fahrerlaubnis zu erwerben und zu behalten.
    Der Arzt hat ihn schriftlich gemahnt, sich NICHT ans Steuer zu setzen. Es wäre sicher interessant zu erfahren, ob er diese lediglich getan hat, um haftungsrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen oder ob entsprechende Untersuchungen (EEG o. ä.) eine Rückfallgefahr angezeigt haben.
    So oder so hat er aber fahrlässig gehandelt und das Urteil geht für mich in Ordnung. Ich bin sehr für die Rechte chronisch kranker und/oder behinderter Menschen. Wenn aber so gravierend – und gravierender geht es ja nun wirklich nicht – in die Rechte anderer eingegriffen wird, müssen diese leider auch mal eingeschränkt werden.

    4. März 2016 at 11:50

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