Fair-Play-Preis 2012 für Paralympics-Sieger Jochen Wollmert

Große Menschen erkennt man eben nicht nur an ihren Siegen.

Sieht ein bisschen wie eine sich anbahnende Sexszene aus, ist aber eine großartige Fair-Play-Geste: Der frischgebackene Goldmedaillengewinner Jochen Wollmert (links) tröstet den unterlegenen Gegner William Bayley (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Das Ruder-Duo Charlotte Arand und Barbara Karches, Tischtennis-Paralympics-Sieger Jochen Wollmert und der Verein fairplayer erhalten den Fair-Play-Preis 2012. Wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Dienstag bekannt gab, werden die Preisträger im Rahmen des Festes der Begegnung der Stiftung Deutsche Sporthilfe am kommenden Freitag in Bonn ausgezeichnet.

Zweimal Punkt zurückgegeben

Der spätere Tischtennis-Paralympics-Sieger Jochen Wollmert vom RBS Solingen legte im Halbfinale von London gegen den Ukrainer Michailo Popow Einspruch gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung ein, obwohl der mit versteiften Hand- und Fußgelenken geborene Deutsche sich damit selbst benachteiligte. Bei 7:6-Führung von Popow verlor dieser während eines Aufschlages die Kontrolle über den Ball. Wollmert erkannte, dass eine Spastik in der Hand seines Gegners den Fehlschlag verursacht hatte. Der 47-Jährige verzichtete auf den Punkt. Auch im Finale gegen den Briten William Bayley revidierte der Deutsche beim Stand von 4:5 eine Fehlentscheidung und gab den Punkt zurück.

„Jochen Wollmert hat mit diesen Punktrückgaben und dem spontanen Trost für seinen britischen Finalgegner nach Ende des Matches nicht nur das Publikum vor Ort und an den Bildschirmen weltweit begeistert, sondern auch ein klares Zeichen für Fairness im Hochleistungssport gesetzt“, erklärte die neunköpfige Jury unter Vorsitz von Professor Manfred Lämmer von der Sporthochschule Köln.

Jochen Wollmert jubelt über Gold (Foto: dpa)

Die Emotionen im Paralypics-Finale am 2. September waren spektakulär: Jochen Wollmert riss die Arme in die Höhe und stieß so eine Art Urschrei aus. Der 47-Jährige umarmte seinen Trainer und streckte schon die Arme nach der deutschen Fahne aus, um eine Ehrenrunde zu drehen, als er William Bayley auf der anderen Seite der Platte zusammengesunken liegen sah. Wollmert machte kehrt, tröstete seinen weinenden Widersacher und streckte schließlich seinen und Bayleys Arm gemeinsam in die Höhe. Die 5.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle feierten den Deutschen wie einen der Ihren.

Bundestrainer Wieland Speer war vor lauter Verzückung über seinen Goldspieler kaum mehr aus dem Staunen heraugekommen: „Das war heute ganz große Werbung für den Tischtennis-Behindertensport,“ sagte er in London. Und hatte angekündigt: „Ich werde ihn für den Fair-Play-Preis des Bundesinnenministeriums vorschlagen“.

Respekt und Mitgefühl

Charlotte Arand und Barbara Karches vom Mainzer Ruderverein hatten bei der Universiade 2011 im chinesischen Shenzen den Schweizer Männern ihr Boot angeboten, nachdem deren Schiff nicht durch den Zoll gekommen war. Die beiden Studentinnen von der Johannes-Gutenberg-Universität hielten sich an das Angebot auch dann noch, als ihr eigener Start durch die Leihgabe in Gefahr geriet. „Charlotte Arand und Barbara Karches haben mit ihrem Respekt und Mitgefühl gegenüber ihren Sportlerkollegen gezeigt, dass Sport mehr ist, als das Gewinnen eines Wettkampfes“, begründete die Jury ihre Wahl in der Kategorie Nichtbehindertensport.

Der Verein fairplayer aus Bremen setzt sich für gewaltfreien Umgang unter Jugendlichen ein. Für ihre Programme in der Gewaltprävention erhielten die Initiatoren den Preis in der Sonderkategorie.

Der Fair-Play-Preis des Deutschen Sports wird gemeinsam vom Bundesinnenministerium und dem DOSB vergeben.

(Reinhard Sogl/dapd/RP)

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