Finanzkrise im Rollstuhlbasketball: Erwischt es jetzt auch Dolphins Trier?

Das Bundesligateam um Superstar Dirk Passiwan kündigt mögliches Aus im Januar an.

Immer noch einer der besten Rollstuhlbasketballer der Welt:  Dirk Passiwan von Doneck Dolphins Trier. (Foto: Christine Linnig)

Immer noch einer der besten Rollstuhlbasketballer der Welt: Dirk Passiwan von Doneck Dolphins Trier. (Foto: Christine Linnig)

Die Meldungen über klamme Vereine in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga häufen sich. Nachdem Zwickau im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste, taumelten die Rolling Devils aus Kaiserslautern vor dem Start der Spielzeit 2015/16 in eine Existenzkrise – die Rede war von einem Finanzloch in Höhe von 60.000 bis 70.000 Euro. Immerhin, die Teufel haben es trotzdem geschafft, anzutreten.

Nun gibt es auch bei den Rollstuhlbasketballern in Trier Alarm. Dem Team um Superstar Dirk Passiwan fehlen für die Rückrunde bis Ende Februar vergleichsweise bescheidene 15.000 bis 20.000 Euro. Otmar Passiwan, Vorsitzender der RSC-Rollis Trier e.V., räumt ein: „Ja, es stimmt. Wenn keine zusätzlichen Gelder in die Kassen kommen, müssen wir ernsthaft überlegen, ob wir den Verein weiter aufrecht erhalten können oder sogar den Spielbetrieb im Januar einstellen müssen.“

Die Probleme seien für alle Beteiligten überraschend gekommen. „Wir hatten vor der Saison einige Zusagen von Sponsoren erhalten, mit denen wir auch kalkuliert haben. Kurz vor Beginn der Spielzeit haben allerdings einige Sponsoren ihr Angebot zurückgezogen. Darunter auch einer der größeren, mit dem wir eigentlich schon lange zusammengearbeitet haben. Plötzlich sind 18.000 Euro weggebrochen. Für uns als kleiner Verein ist es nicht leicht, so eine Lücke zu schließen,“ erläutert Pressesprecher Bastian Lütge. „Auch verließen viele kleinere und mittlere Sponsoren den Verein in Richtung anderer Trierer Sportvereine.“

Vision und Wirklichkeit

Das neueste Beispiel Trier zeigt: Rollstuhlbasketball als Profisport ist ein Anspruch, den sich Funktionäre und ehrenamtlich tätige Vereinskräfte oftmals teuer erkaufen müssen: mit schlaflosen Nächten und mühsamen Betteltouren.

Rollstuhlbasketball gilt als der populärste Sport mit behinderten Menschen, er ist paralympisch und eine Vorzeigedisziplin für Inklusion (weil auf nationaler Ebene Ballkünstler mit und ohne Handicap gemeinsam in Teams antreten). Aber Rollstuhlbasketball ist – was viele Fans und Aktive auf dem Feld übersehen – kein weitflächig funktionierendes Geschäftsmodell.

Zuschauerzahlen und -einnahmen oder Merchandisingeinkommen sind viel zu gering, um langfristig planen zu können. Ausnahmen bilden der deutsche Rekordmeister RSV Lahn-Dill und RSB Thuringia Bulls, die nicht ohne Grund derzeit auf Platz 2 und 1 in der Bundesligatabelle stehen. In Thüringen hat es ein ebenso engagierter wie im positiven Sinne cleverer Manager Lutz Lessmann geschafft, mit zusätzlichen Projekten außerhalb des Spielbetriebs Gelder zu akquirieren.

Auch der USC München gilt als ein finanziell äußerst solide geführter Verein, der sich für seine wirtschaftliche Vernunft jedoch oft vorwerfen lassen muss, zu wenig zu riskieren. Um ernsthaft oben in der Bundesliga mitspielen zu können, bräuchten die Verantwortlichen pro Saison 100.000 bis 120.000 Euro für Spielergehälter, Reisen und Organisation – ein Betrag, den die allerwenigsten beim Türeklinkenputzen zusammenbekommen.

Im Falle von Trier wagt ROLLINGPLANET allerdings ohne Rücksprache mit den Delphinen eine Entwarnung: Der Verein aus der ältesten Stadt Deutschlands liebt die gewagten Schlagzeilen (was ROLLINGPLANET sehr sympathisch findet), da sind schon öfter fast die Lichter ausgegangen, und sein Aushängeschild Dirk Passiwan wurde auch schon einmal für sozusagen klinisch tot erklärt, mit der Folge, dass dieser heute immer noch munter 53 Korbpunkte in einem Spiel macht. Auch dieses Mal gilt (hoffen wir jedenfalls): Totgesagte leben länger. Und eins muss man Trier lassen: Das war doch jetzt mal ein nicht zu überhörender Spendenaufruf an die örtlichen Firmen, den Rollstuhlbasketball zu unterstützen.

(RP)

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1 Kommentar

  • David

    Verstehe nicht warum soviele 1 Bundesligavereine in den letzten Jahren finanzielle Probleme bekommen? Hat das allgemein was mit der Finanzkrise zutun, kann mir das Jemand erklären?

    18. Dezember 2015 at 23:43

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