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First Lady unterstützt erstmals öffentlich ein Behindertenprojekt

Daniela Schadt besucht ein besonders gestaltetes Urlaubsquartier für Menschen mit Behinderung – und ruft die Tourismusindustrie auf, mehr Barrierefreiheit für behinderte Urlauber zu schaffen. Von Winfried Wagner

Daniela Schadt (r) mit der 15-jährigen Marleen Hoffmann, die wegen einer Erkrankung im Rollstuhl sitzt und nur mit einem Sprechcomputer sprechen kann ( Foto: Winfried Wagner/dpa)

Daniela Schadt (r) mit der 15-jährigen Marleen Hoffmann, die wegen einer Erkrankung im Rollstuhl sitzt und nur mit einem Sprechcomputer sprechen kann ( Foto: Winfried Wagner/dpa)

Als Marleen Hoffmann der First Lady Deutschlands, Daniela Schadt, ihr Fotobuch übergibt, ist das Eis schon gebrochen. „Wenn ich so was mal brauche, komme ich zu Dir“, sagte Schadt am Dienstag zu der 15-Jährigen, die seit neun Jahren im Rollstuhl sitzt.

Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck besuchte den Verein „Birkenzweig – mit Handicap Urlaub genießen“ in Feldberg (Mecklenburgische Seenplatte) und die Urlauberfamilie Hoffmann. Zum ersten Mal unterstützt Schadt damit öffentlich ein Behindertenprojekt bei einem ihrer noch wenigen allein absolvierten amtlichen Auftritte.

„Birkenzweig“ wurde mehrfach ausgezeichnet

Der Verein ermöglicht Familien mit schwerstbehinderten Angehörigen Urlaub zu machen. „Wir wollen, dass das Leben für die Betroffenen insgesamt leichter wird“, sagte Vereinsvorsitzende Berit Schmid-Voigtländer. Für sein Engagement wurde „Birkenzweig“ mehrfach geehrt, zuletzt mit dem Besuch beim Sommerfest des Bundespräsidenten. „Da haben wir miteinander gesprochen, das wollte ich mir mal direkt angucken“, erklärte die First Lady.

Die Hoffmanns kommen aus dem brandenburgischen Senftenberg und erholen sich über „Birkenzweig“ schon zum dritten Mal in Feldberg. „Marleen war bis zum vierten Lebensjahr normal entwickelt, konnte laufen und sprechen“, erzählt ihre Mutter. Dann erkrankte das Mädchen an Mitochondriopathie, einer seltenen Zellerkrankung. Heute geht Marleen in die neunte Klasse einer Spezialschule in Cottbus, kann sich aber nur über einen Sprachcomputer verständlich äußern.

Für viele Familien eine große Hilfe

2008 wurde der Verein "Birkenzweig" gegründet (Foto: Birkenzweig)

2008 wurde der Verein „Birkenzweig“ gegründet (Foto: Birkenzweig)

Für solche Familien ist die Arbeit des Vereins besonders wichtig, findet Schadt. Für diese Familien könne Urlaubssuche eine enorm hohe Hürde sein. „Das ist so viel, da bleibt man manchmal lieber gleich zu Hause“, bestätigt Marleens Mutter. Zumal die Familie einen weiteren Schicksalsschlag verkraften muss, ihr Mann liegt nach einem Arbeitsunfall seit 2006 im Wachkoma.

Auch deshalb spielt Marleen der „Frau Bundespräsidentin“ ihre Rede vor: Es müsse mehr solcher Ferienwohnungen und mehr Spezialschulen geben. Und Profifußballer verdienten viel zu viel Geld und Einzelfallhelfer viel zu wenig, meint die 15-Jährige. Das findet die First Lady auch. Dann besichtigt sie die Ferienwohnung.

Appell an die Tourismusbranche

Zusammen mit dem Verein hat Hauseigentümer Torsten Vitense diese barrierefrei gestaltet. So gibt es höhenverstellbare Waschbecken samt Spiegel und mehr Platz im Bad. Dazu kommen höhere Betten und zwei Schlafzimmer, auch für Begleitpersonen, wie etwa Großeltern. „Das ist zwar teurer beim Bauen, aber wer weiß, wie es uns mal geht“, sagt der 43-jährige Vitense, der mit seiner Familie im Obergeschoss wohnt.

Diese Fälle hat auch Schadt im Auge und ruft die Tourismusbranche auf, mehr Barrierefreiheit für behinderte Urlauber zu schaffen. „Was Sie hier tun, müsste der gesamten Urlaubsbranche zu denken geben“, erklärt die 53-Jährige.

Webseite: Projekt Birkenzweig

(dpa)

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