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Florian Sitzmann und Eckart von Hirschhausen im Rollstuhl – da kannst Du was lernen

Der eine ist ein halber Mann, der andere ein ganzer Arzt mit Entertainment-Qualitäten – für den „Quiz des Menschen“ rollten beide einen Tag lang durch den Alltag. Der eine gezwungenermaßen, der andere freiwillig.

Echter und falscher Rolli: Florian Sitzmann und Eckart von Hirschhausen  (Foto: WDR/Max Kohr)

Echter und falscher Rolli: Florian Sitzmann und Eckart von Hirschhausen (Foto: WDR/Max Kohr)

Heute philosophieren wir über das Thema „Wie imitiere ich Behinderung und versetze mich in die Lage von Betroffenen?“.

Ein populärer Selbstversuch ist es, sich in den Rollstuhl zu setzen, gegen Bäume zu fahren und festzustellen, dass es zu viele Barrieren in dieser Welt gibt. Damit wären die Probleme, mit denen sich unsereins konfrontiert sieht, umfassend abgehandelt. Ganze Schulklassen werden mit solchen Erfahrungsausflügen beschäftigt, und komischerweise lesen wir selten davon, dass Menschen sich einen ganzen Tag lang blind stellen (vermutlich zu anstrengend) oder 24 Stunden lang mit Ohropax als falsche Gehörlose herumrennen (vermutlich zu langweilig).

Solche Selbstversuche im Rollstuhl enden leider stets dann, wenn es erst richtig spannend und realitätsnah wird. Mindestens genauso schlimm wie ein Baum, der sich uns in den Weg stellt, ist beispielsweise die beliebte Situation, in der man vergebens eine behindertengerechte Toilette sucht, um dann schlimmstenfalls mit deutlich sichtbaren Spuren in der Hose weiterzurollen. Ebenfalls selten rekonstruiert: Die Erlebnisse, wenn man sich als behinderter Mensch um einen Job bewirbt, und ähnliches.

Der Quiz des Menschen

Handbiker Florian Sitzmann kennt man als Deutschlands halben Mann, und Dr. Eckart von Hirschhausen als journalistisch ausgebildeten Mediziner oder medizinisch ausgebildeten Journalisten, der Zuschauer gerne zum Lachen und Nachdenken bringt. Das macht er inzwischen vor einem Millionenpublikum, weshalb die ARD-Ankündigung, dass Hirschhausen „inkognito“ einen Tag im Rollstuhl verbrachte und von versteckten Kameras begleitet wurde, ein wenig albern wirkt.

Wenn Ihnen also demnächst ein Prominenter auf vier Rädern entgegen kommt, tun Sie einfach so, als erkennen Sie ihn nicht (wenn Sie gemein sein wollen, verwechseln Sie ihn jedoch mit einem anderen Promi) und helfen Sie ihm überaus engagiert über den Bordstein und versichern anschließend treuherzig, wenn die versteckte Kamera vor Ihrer Nase baumelt: „Das ist doch selbstverständlich, das mache ich täglich mindestens fünf Mal, Herr Plasberg.“

Am 13. Juni im Fernsehen

TV-Programm: Die Rolli-Folge von "Der Quiz des Menschen" kommt am 13. Juni 2013

TV-Programm: Die Rolli-Folge von „Der Quiz des Menschen“ wird am 13. Juni 2013 ausgestrahlt.

Begleitet wurde Hirschhausen von unserem Kollegen Sitzmann, der zwar ein halber Mann, aber seit einer Begegnung mit einem LKW ein ganzer (sprich: echter) Rolli ist und der im übrigen dralle Blondinen wie einst Krankenschwester Babs, von der heute noch mindestens 100 Patienten aus dem Raum Heidelberg schwärmen, liebt (was wir nur deshalb erzählen, weil wir mal inkognito unter seinem Bett lagen und das im Fernsehen bestimmt nicht erzählt wird.)

Anlass der Übung von Hirschhausen war es – Sie werden es erraten -, herauszufinden, wie das so ist, das Leben als Rollstuhlfahrer. Besonders originell ist dieses Experiment nicht (siehe Schulklassen oben oder RTL-Selbstexperimentalist Jenke von Wilmsdorff), kommt aber immer gut an. Gedreht wurde das Ganze für die vier neuen Folgen von „Quiz des Menschen“ (ab 30. Mai, Donnerstags um 20.15).

Deutschlands bekanntestes Kombipräparat aus Arzt, Komiker und Moderator und Florian Sitzmann werden am 13. Juni im TV über ihre gemeinsame Rolli-Tour berichten. Immerhin: „Plötzlich ist es ein Problem, ob die Toilette ebenerdig ist oder ob die U-Bahn-Station mit dem Fahrstuhl zu erreichen ist. Alles Sachen, über die man sich sonst nie Gedanken macht“, sagt Hirschhausen. Dass er sich deshalb konsequenterweise in die Hosen gemacht hat, ist nicht überliefert.

Fairerweise muss man sagen, dass Hirschhausen ein intelligenter Mensch ist, der sich über solche Widrigkeiten schon sehr viel früher Gedanken gemacht hat und sich nun für eine nicht immer ganz helle Fernsehnation dümmer stellt, als er ist.

So funktioniert der Selbstversuch richtig

Sie können das authentischer machen: Nehmen Sie einen Rollstuhl, trinken Sie ordentlich – und dann lassen Sie es laufen, wenn partout keine barrierefreie Toilette in der Nähe ist. Ach so, das machen Sie am besten in einer fremden Stadt, wenn Sie nicht Ihrem leicht irritierten Nachbarn über den Weg rollen wollen. Sozusagen inkognito. Sie werden feststellen: Viel besser wird die Sache dadurch nicht.

(RP)

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1 Kommentar

  • Ilona Lyn Koch

    Jeder kann vom anderen lernen,.. 🙂

    3. Juni 2013 at 13:15

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