Flüchtlinge bringen „vergessene“ Krankheiten mit

Tuberkulose, Windpocken, Hepatitis B – und das hierzulande nicht mehr bekannte Läuserückfallfieber: Mancher Flüchtling kommt krank an. Ärzte warnen aber vor Panik.

Kleiderläuse sind ein Überträger des Läuserückfallfiebers mit einer Todesgefahr von bis zu 40 Prozent (Foto: Wikipedia/Stako, CC BY-SA 3.0)

Kleiderläuse sind ein Überträger des Läuserückfallfiebers mit einer Todesgefahr von bis zu 40 Prozent (Foto: Wikipedia/Stako, CC BY-SA 3.0)

ROLLINGPLANET-Hinweis: Krankheiten sind kein Grund, Menschen schief anzuschauen oder zu diskriminieren.

Flüchtlinge kommen oft geschwächt und mit hierzulande durch Impfungen eingedämmten oder sogar ausgerotteten Krankheiten nach Deutschland. Ankömmlinge aus Syrien litten teils an Hepatitis B, da es in ihrer Heimat oft kaum Chancen auf eine Impfung gebe, berichtet der Leiter der Münchner Aids- und Hepatitis-Tage, Hans Jäger. Erst vor knapp einem Monat war ein mit Hepatitis B infizierter Flüchtling im Klinikum Ingolstadt gestorben.

Zu dem Münchner Kongress werden vom 11. bis 13. März rund 1.200 Fachleute erwartet. Sie befassen sich unter anderem mit den Themen lebenslange Therapie bei HIV sowie neue Therapiekonzepte bei Hepatitis C. Ein großes Thema werden dieses Jahr die Flüchtlingskrise sowie mitgebrachte Krankheiten sein.

„Gesundheitlich schaffen wir das“

HIV sei hier wider Erwarten kein größeres Problem. „Wir sehen weniger Patienten mit HIV, die durch die Flüchtlingssituation auf uns zukommen, als wir zunächst befürchtet haben“, sagte Jäger. Das bestätigten auch bundesweite Stichproben des Robert Koch-Instituts (RKI). Der Grund: In Syrien liege die HIV-Infektionsrate in der Bevölkerung mit 0,1 Prozent ähnlich hoch wie in Deutschland, bei Hepatitis B hingegen sei sie mit 2,3 Prozent deutlich höher. Bei Menschen mit HIV sei Tuberkulose eine besondere Gefahr.

Die allgemeine Bevölkerung sei aber nicht gefährdet, betonte Jäger. Er habe keine Sorge, dass die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge die Kapazitäten sprengen könnte. „Gesundheitlich schaffen wir das.“

Problem Läuserückfallfieber

Unterschätzt werde etwa das Läuserückfallfieber, sagte Jäger. „Das Läuserückfallfieber hatten wir alle vergessen.“ Es wird von Kleiderläusen übertragen. Gerade Menschen aus Ostafrika, die monatelang auf der Flucht sind und ihre Kleidung nicht wechseln können, seien davon betroffen. In München seien bisher etwa 25 Betroffene behandelt worden. „Es hat eine Sterberate von bis zu 40 Prozent, wenn man es nicht erkennt und nicht mit Antibiotika behandelt.“ Das Hauptproblem sei, die Krankheit zu diagnostizieren. „Die Symptome sind wie bei Malaria: Fieber, Kopfweh, Hautausschlag.“

Die Strapazen der Flucht machen die Menschen auch anfälliger gegen allgemeine Krankheiten wie Durchfall und Grippe. Probleme gebe es in den Unterkünften zudem mit Kinderkrankheiten wie Mumps, Masern und Windpocken. Erkrankte müssten teils in Isolationsabteilungen behandelt werden, da auch „banale“ Krankheiten anders kaum in den Griff zu bekommen seien. „Man möchte nicht in einem Lager mit Leuten, die eng zusammenwohnen, eine Windpocken-Epidemie.“

Die Ärzte achten außerdem auf psychische Störungen – denn viele Flüchtlinge sind traumatisiert. Zahlreiche Frauen seien Opfer sexueller Gewalt geworden. Auch Kinder litten an posttraumatischen Belastungsstörungen.

(RP/dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • Franz Röcklinger

    Hat leicht irgendwer was Anderes erwartet?

    5. März 2016 at 20:28
  • Werner Ruch

    Und was ist mit Polio (Kinderlähmung)?

    6. März 2016 at 15:03
  • Brigitte Chondrogiannis

    DAS war doch zu erwarten !Jede Katze muss geimpft werden wenn man sie mit ins Auslaendischem nehmen will.

    13. März 2016 at 19:07

KOMMENTAR SCHREIBEN