Folterte Türkei schwerbehinderte Deutsche?

Kielerin wurden angeblich lebensnotwendige Medikamente verweigert. Anwalt und Unterstützer/innen erheben schwere Vorwürfe.

Kundgebung in Kiel für die Freilassung von Yüksel Canlı, Bilen Ceyran und Cemal Altınsu. (Foto: Indymedia)

Kundgebung in Kiel für die Freilassung von Yüksel Canlı, Bilen Ceyran und Cemal Altınsu. (Foto: Indymedia)

Eine während ihres Urlaubs in der Türkei verhaftete Deutsche aus Kiel ist nach sechs Tagen vorerst wieder frei. Das verlautetet aus dem Auswärtigen Amt am Freitag in Berlin. Die 51-Jährige ist Mitglied der Linken in Kiel und soll nach Angaben eines Unterstützerblogs auf Indymedia vergangenen Samstag während ihres Urlaubs in der Stadt Edremit mit zwei weiteren Frauen festgenommen worden sein. Die zu 70 Prozent schwerbehinderte Diabetikerin habe in einer Zelle auf dem Betonfußboden schlafen müssen, Medikamente seien vorenthalten worden:

„Yüksel befindet sich seit dem 27. August in der Türkei in Untersuchungshaft. Yüksel Canlı ist 51 Jahre alt und lebt seit 1974 in Deutschland und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie wurde am Samstagmorgen während ihres Urlaubs in der ägäischen Stadt Edremit mit zwei weiteren GenossInnen, Bilen Ceyran aus Belgien und Cemal Altınsu aus Frankreich, in einer Ferienwohnung brutal festgenommen und auf das Polizeipräsidium in Balikesir verschleppt. Bis zum 30. August haben die türkischen Behörden die Kontaktaufnahme mit den vor Ort ausharrenden AnwältInnen und Familienangehörigen verweigert. Nach der endlich erfolgten kurzen Kontaktaufnahme durch die AnwältInnen am 30. August haben die UnterstützerInnen erfahren, dass die drei ihnen bekannten Festgenommen gefoltert wurden und dass die Einahme von für Yüksel lebensnotwendigen Medikamente verweigert wird. Sie befinden sich seit ihrer Festnahme in einer unmöblierten Zelle und müssen auf dem nackten Betonboden schlafen, was für Yüksel eine weitere permanente Folter bedeutet. Bis heute wurden weitere Kontaktversuche der AnwältInnen und angereisten Angehörigen durch die türkischen Behörden verhindert.“

Nach einem Bericht der „Kieler Nachrichten“ war die Frau unter dem Vorwurf festgenommen worden, mit einer Terrorzelle Anschläge in der Türkei zu planen. Ihr Anwalt bezeichnete die Vorwürfe als „völlig haltlos und ohne jegliche Beweise oder Indizien“. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Linkspartei soll Yüksel Canlı aktiv in der kurdischen Solidaritätsbewegung sein. Laut der Partei habe die Staatsanwaltschaft in der Türkei Einspruch gegen die Freilassung erhoben.

(RP/dpa)

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