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Frank Williams: Der Rollstuhlfahrer, der die Formel 1 mitprägte

Der Brite, der Rainer Küschall bewundert, erlebte ruhmreiche Zeiten, durchlitt aber auch schwerste Stunden. Am Sonntag wird Williams 75 Jahre alt.

Der Teamchef und Mitbesitzer des Formel-1-Teams Williams, Frank Williams (r.), spricht im Juli 2006 mit einem seiner Fahrer, Nico Rosberg, beim Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours. (Foto: ASA Günter Schiffmann/A3645_ASA_Günter_Schiffmann/dpa)

Der Teamchef und Mitbesitzer des Formel-1-Teams Williams, Frank Williams (r.), spricht im Juli 2006 mit einem seiner Fahrer, Nico Rosberg, beim Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours. (Foto: ASA Günter Schiffmann / A3645_ASA_Günter_Schiffmann / dpa)

Vor 40 Jahren gründete er seinen eigenen Rennstall, an diesem Sonntag (16. April) wird er selbst 75 Jahre alt. Das Leben von Sir Frank Williams ist vor allem Motorsport. „Ich habe ihn im Geschäft erlebt, mit seiner ganzen Härte, aber vor allem mit seiner ganzen Disziplin“, sagt der ehemalige Formel-1-Pilot Gerhard Berger über Williams.

Zweimal wollte Frank Williams den jetzigen DTM-Chef als Fahrer in sein Team holen. Zweimal sei es am Geld gescheitert, erklärt Berger, der wie alle anderen in der Szene größten Respekt und höchste Achtung vor Frank Williams und dessen Lebenswerk empfindet. „Das ist unglaublich, einfach ein Wunder.“

Frank Williams machte sein Team zu einer Topadresse. Nelson Piquet, Nigel Mansell und Alain Prost fuhren allesamt im Williams zum WM-Gewinn. Sieben Fahrer-Titel, neun Mal Weltmeister in der Konstrukteurswertung seit der Gründung des Teams 1977. Insgesamt feierte das Team aus dem englischen Grove 114 Rennsiege, 311 Mal stand ein Williams-Fahrer auf einem Formel-1-Podium, 128 Mal stand ein Williams-Auto auf der Pole Positionen in einem Formel-1-Fahrerfeld.

Vorwurf des Totschlags

„Angetrieben von der Brillanz und Leidenschaft von Sir Frank Williams wurde aus dem Team nach bescheidenem Beginn ein Gigant“, huldigt die Formel 1 auf ihrer Homepage das Team und ihrem Mitbesitzer und Mitbegründer. Nur Ferrari und McLaren könnten sich nach Erfolgen mit dem Williams-Rennstall messen.

In der Teamgarage und im Stehrollstuhl verfolgt Frank Williams am 19. Juli 2014 die Ereignisse am Hockenheimring (Foto: Jens Büttner/dpa)

In der Teamgarage und im Stehrollstuhl verfolgt Frank Williams am 19. Juli 2014 die Ereignisse am Hockenheimring (Foto: Jens Büttner/dpa)

Frank Williams wurde zum Ritter geschlagen in Großbritannien, in Frankreich in die Ehrenlegion aufgenommen. Er durchlebte aber auch schwerste Zeiten. In seinem Williams verunglückte 1994 die Rennikone Ayrton Senna tödlich. „Wir hatten eine große Verantwortung, weil wir ihm das Auto gaben, und wir haben ihn im Stich gelassen“, sagte Williams, der wie Technikchef Patrick Head und Chefdesigner Adrian Newey in Italien erst nach Jahren vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden war.

Der Unfall, den er kommen sah

Damals saß Frank Williams schon im Rollstuhl. Passiert war es am 8. März 1986. Er verunglückte in Frankreich, war auf der Rückfahrt von Testfahrten in Le Castellet. Der Brite wollte unbedingt den Flug nach Hause erwischen. Auf der Strecke kam er mit seinem Mietfahrzeug, einem Ford Sierra, durch überhöhte Geschwindigkeit von der Straße ab, traf einen Felsen und überschlug sich. Das eingedrückte Dach des Wagens stauchte dabei seine Wirbelsäule (fünfter/sechster Nackenwirbel)so zusammen, dass er eine Querschnittlähmung davontrug. Sein Beifahrer Windsor blieb unverletzt.

„Ich wusste, dass ein Unfall irgendwann passieren würde, so wie ich in den Zeiten damals gefahren bin“,

zitierte das britische Magazin „Esquire“ Williams einmal.

Williams kämpfte sich zurück – und bewundert Rainer Küschall, die Schweizer Legende der Reha-Szene:

„Er hat vielleicht ein Prozent mehr Beweglichkeit als ich. Und er lebt immer noch. Ein toller Bursche. Der Typ hat nach seinem Unfall eine Firma gegründet. Eine Firma, die Rollstühle herstellt. Noch im Krankenhaus hat er gesagt: Ich kann bessere Rollstühle bauen als dieser Mist, den wir hier im Krankenhaus haben. Da ziehe ich meinen Hut vor. Er hat sein Geschäft trotz der Behinderung von null aufgebaut.“

Im September vergangenen Jahres zog sich Williams eine Lungenentzündung zu. Auch die überstand er, in England erholt er sich weiter. Das Team will Frank Williams am Sonntag Geburtstagswünsche aus dem Fahrerlager von Bahrain schicken.

Williams war, ist und bleibt vor allem auch eine Familien-Unternehmen. Schon seit Jahren führt Tochter Claire praktisch das Team, das von 17 Mitarbeitern 1977 auf mittlerweile rund 600 anwuchs. Neben Claire hat Frank Williams noch zwei Söhne.

Die nächste Generation der Williams-Dynastie

 Claire Williams – hier beim Grand-Prix-Rennen in Monaco 2014 – ist stellvertretende Teamchefin des Formel-1-Rennstalls Willams. (Foto: Wikipedia/lookingspiffy - https://www.flickr.com/photos/lookingspiffy/14534740952/, CC BY-SA 2.0)

Claire Williams – hier beim Grand-Prix-Rennen in Monaco 2014 – ist stellvertretende Teamchefin des Formel-1-Rennstalls Willams. (Foto: Wikipedia/lookingspiffy – https://www.flickr.com/photos/lookingspiffy/14534740952/, CC BY-SA 2.0)

Mit Charme, aber auch der Entschlossenheit ihres Vaters hat sich die 40-Jährige längst selbst großen Respekt in der noch immer von Männern geprägten Formel-1-Welt verschafft. Auch sie wurde in ihrer Heimat bereits geehrt, vor einem Jahr erhielt Claire Williams den Orden des britischen Empires (OBE). Und jüngst verriet sie, dass sie ein Kind erwartet.

„Ich weiß nicht, wie das nächstes Jahr läuft, aber wir werden sehen“, sagte die offiziell Stellvertretende Teamchefin lächelnd mit Blick auf ihren reiseintensiven Fulltime-Job und die nächste Generation der Rennsport-Dynastie des Sir Frank Williams.

(RP/Jens Marx, dpa)

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1 Kommentar

  • Karsten Erkrath

    happy birthday

    16. April 2017 at 00:27

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