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Frankfurt am Main begreift behinderte Touristen (aber nicht, was auf den Schoß von Rollstuhlfahrern gehört)

Es gibt nun auch barrierefreie Stadtführungen, außerdem sind Informationen für Reisende mit Handicap erschienen.

3 Blinde und eine Begleiterin mit Blindenstock in Frankfurt

3 Blinde und eine Begleiterin mit Blindenstock in Frankfurt (Foto: © Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main)

Menschen mit Behinderung stellen für die Tourismusbranche eine wachsende Zielgruppe dar. Denkt man nicht nur an den engeren Kreis der Betroffenen, sondern auch an Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit schwerem Gepäck, ältere Menschen und den demographischen Wandel, so wird deutlich, dass die Zielgruppe bald mehr als 50 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Frankfurt spricht seit kurzem gezielt Reisende mit Behinderung an. Im März veröffentlichte die Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main (TCF) erstmals die Broschüre „Frankfurt am Main barrierefrei“, und Stadtführungen wurden im Sinne der Barrierefreiheit um entsprechende Angebote ergänzt und teilweise umgestaltet.

Neue Broschüre

Die Broschüre „Frankfurt am Main barrierefrei“ umfasst Angaben, die für Menschen mit Behinderung bei der Reiseplanung, -buchung und -durchführung wichtig sind. So werden in den jeweiligen Kapiteln zu Sehenswürdigkeiten, Festen und Messen Angaben darüber gemacht, ob der Eingang stufenlos, eine Behindertentoilette vorhanden oder ein Blindenführhund erlaubt ist. Zusätzlich informiert die Broschüre über die Barrierefreiheit des Flughafens, des Hauptbahnhofs und des öffentlichen Nahverkehrs. Für die Zielgruppe relevante Adressen wie Sanitätshäuser oder Apotheken werden gelistet. In einer Beilage findet man Hotels mit rollstuhlgerechten Zimmern. Ein beigefügter Stadtplan gibt Auskunft über die Standorte von öffentlichen Behindertentoiletten und -parkplätzen. Ebenfalls enthalten: ein vergrößerter Ausschnitt des Liniennetzplans des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Barrierefreie Gestaltung

Titelblatt der Broschüre zeigt einen Rollstuhlfahrerin und eine Begleiterin

Titelblatt der Broschüre

Optisch unterscheidet sich die DIN A 4 große Broschüre bewusst von den anderen Druckschriften der TCF. Man habe auf barrierefreie Gestaltung geachtet, betonen die Herausgeber. Das bedeutet: Die Schrift ist nicht kleiner als 12 Punkt und schwarz auf weißem Hintergrund, das Layout enthält keinerlei transparente Elemente und achtet auf klare Kontraste: „Sowohl in den ausgewählten Bildern als auch in der Textgestaltung wird sie den Anforderungen vieler sehbehinderter Menschen gerecht“, so die Macher. Symbole zu den jeweiligen Kapitelüberschriften, die Übersichtlichkeit bei der Gliederung in die einzelnen Kapitel und die Gestaltung der Einträge tragen zur besseren Orientierung bei.

„Die Ringbindung ermöglicht es, die Broschüre aufgeschlagen hinzulegen, zum Beispiel auf den Schoß eines Rollstuhlfahrers“, schreibt das Tourismusbüro. Ein lobenswerter Aufwand, den ROLLINGPLANET in diesem Zusammenhang allerdings nicht ganz versteht: Auf dem Schoß eines Rollstuhlfahrers passt auch ein geheftetes Druckwerk, außerdem soll da bekanntlich auch keine Broschüre hin, sondern die oder der Partner/in sitzen und sich von langen Stadtwanderungen erholen.

Die Broschüre ist kostenfrei in deutscher und englischer Sprache erhältlich. Ein barrierefreies PDF und weitere Informationen können online abgerufen werden unter www.frankfurt-tourismus.de/barrierefrei.html

Stadtführungen und Termine

Auch die Stadtführungen der TCF sei in den vergangenen Monaten barrierefrei gestaltet worden. Der neu ausgearbeitete Rundgang „Frankfurt begreifen“ berücksichtige mit vielen Anekdoten, Tastobjekten und Verkostungen besonders die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen. ROLLINGPLANET findet den Titel des Rundgangs im Zusammenhang mit behinderten Menschen etwas unglücklich gewählt, denn begriffsstutzig sind wir nicht. Aber es ist schön, dass der Rundgang 2012 zu mehreren Terminen öffentlich angeboten wird: am 23., 24. und 25. Mai (an den drei Veranstaltungstagen von Deutschlands größter Messe für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel, der SightCity) und außerdem am 02.06., 21.07. und 22.09.2012.

Alle öffentlichen Rundgänge der TCF können auf Wunsch stufenlos geführt und Gebärdensprachdolmetscher nach Verfügbarkeit kostenfrei zugebucht werden. Eine öffentliche Führung mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) findet am 23. Juni statt. Im Anschluss können Besucher der Stadt an einer Führung mit Gebärdensprachdolmetscher durch das bekannte Frankfurter Städel Museum teilnehmen.

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