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Frankfurter Bahnhöfe: Schicke Visitenkarte wichtiger als Barrierefreiheit?

Bahn und Stadt investieren 250 Millionen Euro. Pro Bahn übt scharfe Kritik, dass zu wenig für Menschen mit Behinderung getan wird.

Frankfurter Hauptbahnhof (Foto: PIA Stadt Frankfurt am Main/Tanja Schäfer)

Frankfurter Hauptbahnhof (Foto: PIA Stadt Frankfurt am Main/Tanja Schäfer)

Barrierefreiheit könnte ja auch eine schöne Visitenkarte sein. Das ist es aber nicht, was Frankfurts Baudezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) heute meinte, als er große Pläne verkündete: Für 250 Millionen Euro werden die Bahnhöfe in der Main-Metropole erneuert.

Mit 175 Millionen Euro fließt der größte Teil des Investitionsprogramms in die Modernisierung und Verschönerung des Hauptbahnhofs sowie des Bahnhofsvorplatzes. „Bislang ist der Vorplatz eine knitterige und schmuddelige Visitenkarte“, sagte Cunitz. Das solle sich ändern. Mit 350.000 Reisenden am Tag ist der Hauptbahnhof der wichtigste Verkehrsknoten der Stadt.

Investitionen in Barrierefreiheit

Weitere 75 Millionen Euro geben Bahn und Stadt für den Regionalbahnhof Höchst, den Ostbahnhof und acht S-Bahn-Stationen im Stadtgebiet aus. Die Bahn investiert damit insgesamt 180 Millionen Euro, die Stadt gibt 50 Millionen. Der Rest kommt vom Land.

Neben den Modernisierungen kommen die geplanten Investitionen auch der Barrierefreiheit zu Gute. Zukünftig würden rund die Hälfte aller Frankfurter Stationen für Menschen mit Behinderung zugänglich sein, sagte die Regionalleiterin der DB-Servicegesellschaft, Susanne Kosinsky, der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit seien es 30 Prozent.

Dazu sollen an den Bahnhöfen Rampen und Aufzüge gebaut werden. Für Blinde soll es in jedem der modernisierten Bahnhöfe ein spezielles Leitsystem geben. Dazu werden Rillen- und Noppenplatten in den Boden eingelassen, an denen sich Sehbehinderte orientieren können.

Pro Bahn kritisiert: „Viel zu wenig“

Dem Fahrgastverband Pro Bahn gehen die Investitionen nicht weit genug. „Nur 50 Prozent barrierefreie Bahnhöfe bis 2019 – das ist viel zu wenig“, kritisierte der hessische Vorsitzende von Pro Bahn, Thomas Kraft, die Pläne. Prinzipiell begrüße der Fahrgastverband das Programm, aber „Verschönerungsmaßnahmen“ müssten hinten angestellt werden.

Die Zugänglichkeit zum Zugverkehr müsse vorrangig sein. In Höchst etwa würden Bahnsteige gebaut, die nicht auf die verschieden hohen Züge ausgelegt seien. „Es nützt nichts, dass der Rollstuhlfahrer auf den Bahnsteig kommt, wenn er nicht oder nur unter Schwierigkeit in einen Zug einsteigen kann“, sagte Kraft.

(RP/mit Materialien von dpa)

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