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Frühförderung: Lebenshilfe Bayern verklagt Oberfranken

Einmal pro Monat muss reichen? Bezirk verweigert drei Jahre altem Mädchen mit Down-Syndrom ausreichende heilpädagogische Behandlung.

Barbara Stamm (CSU), Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern (Foto: dpa)

Barbara Stamm (CSU), Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern (Foto: dpa)

Der Lebenshilfe-Landesverband Bayern hat, wie er heute mitteilt, kurz vor dem Jahreswechsel beim Sozialgericht Bayreuth Verbandsklage gegen den Bezirk Oberfranken erhoben. Die Lebenshilfe Bayern klagt dabei stellvertretend für ein kleines Mädchen, dem der Bezirk eine ausreichende heilpädagogische Frühförderung verweigert, seit es einen Kindergarten besucht.

„Sowohl der Kinderarzt als auch die Frühförderstelle halten 60 Behandlungseinheiten pro Jahr weiterhin für unbedingt nötig. Doch der Bezirk bewilligt einfach nur noch 12 Einheiten mit einer fachlich mehr als fragwürdigen Begründung“, kritisiert die Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Barbara Stamm (CSU), die Entscheidung des Bezirks, gegen die nun Verbandsklage eingereicht wurde.

Nur noch 12 Behandlungseinheiten pro Jahr

Das heute knapp drei Jahre alte Mädchen wurde mit dem Down-Syndrom geboren und ist sowohl geistig als auch körperlich in erheblichem Maße entwicklungsverzögert. Es erhält seit seinem 6. Lebensmonat Leistungen der interdisziplinären Frühförderung und wurde sowohl medizinisch-therapeutisch durch Krankengymnastik als auch heilpädagogisch mit 60 Behandlungseinheiten pro Jahr gefördert.

In der Mitteilung des Lebenshilfe-Landesverbandes Bayern heißt es: „Mit 2 Jahren kam das Mädchen in einen Regelkindergarten, der zum ersten Mal ein Kind mit Down-Syndrom aufgenommen hat. Den Kindergartenbesuch nahm der Bezirk zum Anlass, die heilpädagogische Frühförderung einfach auf 12 Behandlungseinheiten pro Jahr zu verringern mit der sachlich und fachlich falschen Begründung, dass der Förderbedarf des Mädchens nun zu einem großen Teil durch den Kindergarten und den Integrationsfachdienst abgedeckt werde.“

Klage auf individuelle Förderung

Individuelle Frühförderung, zu der auch die intensive Beratung und Anleitung der Eltern gehört, könne aber nicht einfach durch integrative Gruppenarbeit im Kindergarten ersetzt werden, so der Lebenshilfe-Landesverband Bayern in seiner Verbandsklage.

Das kleine Mädchen habe nicht nur einen Rechtsanspruch auf die heilpädagogische Frühförderung, diese ist laut dem Förder- und Behandlungsplan des Kinderarztes und der Frühförderstelle auch weiterhin in einem Umfang von 60 Behandlungseinheiten pro Jahr nötig. Damit diese wieder gewährt werden, verklagt der Lebenshilfe-Landesverband Bayern den Bezirk Oberfranken nun stellvertretend beim Sozialgericht Bayreuth.

(PM)

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