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Fünf Jahre Gefängnis für Oscar Pistorius

Richterin bleibt weiter hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft zurück. Bereits in zehn Monaten Hausarrest statt Knast?

Oscar Pistorius vor Gericht (Foto: EPA / Kevin Sutherland / dpa)

Oscar Pistorius vor Gericht (Foto: EPA / Kevin Sutherland / dpa)

Für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp ist Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Strafmaß verkündete Richterin Thokozile Masipa am Dienstag in Pretoria. Zudem verurteilte sie den behinderten Sportler zu drei Jahren Haft wegen rücksichtslosen Gebrauchs einer Waffe. Dieser Teil der Strafe wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Weder Verteidigung noch Staatsanwaltschaft kündigten zunächst Berufung an. Sie haben dafür bis zu zwei Wochen Zeit. Ein Berufungsverfahren würde die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen.

Die Anklage hatte zuvor eine mindestens zehnjährige Haftstrafe verlangt. Die Verteidigung hatte gefordert, dem 27-jährigen Behindertensportler wegen aufrichtiger Reue das Gefängnis zu ersparen und ihm lediglich Hausarrest aufzuerlegen.

Pistorius hatte seine 29-jährige Freundin in der Valentinsnacht 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria erschossen. Vor Gericht beteuerte er unter Tränen, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet.

Mordanklage abgewiesen

Die Richterin akzeptierte diese Erklärung des beinamputierten Sportlers und wies die Mordanklage der Staatsanwaltschaft zurück. Stattdessen befand sie ihn am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig. Dafür hätte sie nach südafrikanischem Recht eine Höchststrafe von 15 Jahren verhängen können.

Masipa warf Pistorius jedoch „grobe Fahrlässigkeit“ vor. Er hätte wissen müssen, dass es für die Person dahinter kein Entkommen geben konnte. Pistorius hörte der Verkündung des Strafmaßes sichtlich angespannt, aber mit unbewegtem Gesicht zu.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte bei der Anhörung zum Strafmaß am vergangenen Freitag gefordert, dass die Richterin Pistorius so bestraft, wie dies die Mehrheit der Südafrikaner erwarte. Dabei seien zehn Jahre Haft das Minimum, erklärte er. Auch eine fahrlässige Tötung sei eine sehr schwerwiegende Tat.

Auch Behinderte können ins Gefängnis…

Rechtsanwalt Barry Roux hatte hingegen in seinem Schlussplädoyer betont, Pistorius bedauere sein fahrlässiges Verhalten zutiefst. Der Behindertensportler könne nicht verwinden, dass er aufgrund eines „tragischen Irrtums“ den Tod seiner Geliebten verursacht habe. Er solle nur mit Hausarrest bestraft werden, da ihn das Gefängnis „endgültig brechen würde“, hatte der Verteidiger gewarnt.

Masipa erklärte hingegen, auch Behinderte könnten eine Gefängnisstrafe absolvieren. Sie fügte hinzu, dass es schlecht für die Gerechtigkeit in Südafrika wäre, wenn der Eindruck entstünde, dass Reiche und Berühmte vor Gericht besser behandelt werden als Arme.

Bei sonnigem Wetter demonstrierten sowohl zahlreiche Befürworter als auch Anhänger einer Haftstrafe vor dem Gerichtsgebäude.

Die gehörlose Bloggerin Julia Probst kommentierte bei eher nicht so sonnigem Wetter in Deutschland: „Ein faires Urteil“.

Nach seiner Verurteilung zu fünf Jahren Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung ist Oscar Pistorius noch im Gerichtssaal in Haft genommen worden. Pistorius wurden Fingerabdrücke abgenommen. Dann bekam er Gelegenheit, sich von seiner Familie zu verabschieden. Seine Strafe soll er nach Mitteilung des Gerichts im Zentralgefängnis von Pretoria verbüßen.

Die Haftstrafe für Pistorius könnte bei guter Führung bereits nach zehn Monaten in Hausarrest umgewandelt werden, erklärten südafrikanische Justizexperten.

(dpa/RP)

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