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Für Amputierte und Rollstuhlfahrer: Drucksensoren verhindern Schmerzen und Dekubitus

Verfahren reagiert wie zweite Haut – Reibung und Druck werden erkannt. Smartphone-Anwendung geplant.

"Zweite Haut" für Prothesenträger (Foto: University of Southhampton)

„Zweite Haut“ für Prothesenträger (Foto: University of Southhampton)

Forscher der University of Southampton (Großbritannien) haben eine neue Art Drucksensor entwickelt, der wie eine zweite Haut gefährliche Wunden verhindern soll. Das Verfahren war ursprünglich für Patienten mit Amputationen gedacht, die am Reiben der künstlichen Gliedmaßen leiden. Ist das Verfahren erfolgreich, könnten die Sensoren auch für Rollstuhlfahrer oder bettlägerige Menschen eingesetzt werden.

Wunde Stellen früher entdecken

Das gemeinsam mit dem Unternehmen Blatchford entwickelte Verfahren unterscheidet sich von anderen dadurch, dass es Reibung und Druck nach unten erkennt. Damit können wunde Stellen früher entdeckt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Großbritannien bei rund 50.000 Menschen Amputationen der unteren Gliedmaßen durchgeführt wurden.

Eine Untersuchung der Audit Commission ist bereits im Jahr 2000 zu dem Ergebnis gekommen, dass fast einer von vier Betroffenen künstliche Gliedmaßen seltener nutzt, als er oder sie es eigentlich will. Schmerzen und Unannehmlichkeiten sind dafür verantwortlich. Der für das neue Verfahren eingesetzte Sensor ist dünn und beweglich wie eine kleine goldene Briefmarke. Er wird an einem gepolsterten Überzug angebracht, der dann zwischen dem verbleibenden Körperteil und der künstlichen Gliedmaße platziert wird.

Bessere Überwachung von Patienten

Das System sendet Informationen an Wissenschaftler und Ärzte, die dann die Bewegungen des Patienten überwachen und so feststellen können, ob Veränderungen erforderlich sind. Das Team um Liudi Jiang plant für Smartphones Alarme mit einer Ampelfunktion zu entwickeln, die vor möglichen Problemen warnen. Das kann bedeuten, dass die Polsterung angepasst wird, da sich ein Beinstumpf während des Tages verändert. Auch kann ermittelt werden, ob ein Krankenhausbesuch für eine weitere Untersuchung notwendig ist.

„Zahlreiche Patienten leiden unter Nervenschädigungen und einer verringerten Empfindlichkeit der Haut. Das bedeutet, dass sie den Schmerz oder eine Verletzung des Gewebes nicht so genau spüren wie wir. Das kann sehr rasch zu Problemen führen. Ist das weiche Gewebe einmal verletzt, können auch gefährliche Infektionen entstehen“, so Jiang abschließend.

(pte)

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