Für Rollstuhlfahrer, Gehörlose und Blinde: Mit dem Smartphone barrierefrei reisen

„aim4it“: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentiert hitverdächtiges Konzept für mobile Reiseassistenz im öffentlichen Personennahverkehr.

„aim4it“ könnte Menschen mit Behinderung das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr wesentlich erleichtern. (Foto: DLR)

„aim4it“ könnte Menschen mit Behinderung das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr wesentlich erleichtern. (Foto: DLR)

Wie können in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen und auch gehörlose Fahrgäste bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln besser unterstützt werden? Dieser Frage stellte sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und entwickelte ein Konzept für eine mobile Reiseassistenz, das das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zukünftig einfacher machen soll – „und zwar für alle“, wie das DLR betont.

Oftmals sind die Umsteigezeiten für Rollstuhlfahrer oder Sehbehinderte Menschen im ÖPNV zu kurz bemessen und die vorhandenen Informationssysteme nur unzureichend nutzbar. Bis 2022 schreibt das Personenbeförderungsgesetz in Deutschland nun eine „vollständige Barrierefreiheit“ beim ÖPNV vor.

In dem internationalen Forschungsprojekt „aim4it“ (Accessible and Inclusive Mobility for All with Individual Travel Assistance) entwickelten die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik deshalb gemeinsam mit den Projektpartnern eine Lösung für dieses Problem, die für alle Fahrgäste hilfreich sein soll: ein leicht übertragbares Konzept einer Mobilitätsassistenz, um die bestehenden Barrieren des ÖPNV für alle Fahrgäste abzubauen. Herausgekommen ist dabei unter anderem die interaktive aim4it-App. Die Projektergebnisse werden heute im Verkehrsmuseum in Wien vorgestellt. In der österreichischen Stadt und in Karlsruhe wurde das Konzept Anfang dieses Jahres getestet.

So funktioniert es

Gehörlose oder blinde Reisende, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer können sich die App auf ihrem Smartphone installieren und ihr entsprechendes Anwenderprofil hinterlegen. Daraufhin erhalten sie die „für ihre Bedürfnisse perfekt zugeschnittenen barrierefreie Störungsmeldungen oder aktualisierte Routeninformationen“, versprechen die Initiatoren. Dies erfolgt beispielsweise bei blinden und sehbehinderten Fahrgäste über den Text-to-Speech-Kanal und bei Hörbehinderten oder gehörlosen Reisende in Gebärdensprache durch einen animierten Avatar, der für jede beliebige Sprache programmiert werden kann. „Aim4it ist aber mehr als eine App“, so Prof. Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik. „Es ist vielmehr ein offenes, leicht übertragbares Konzept, das die Verkehrsunternehmen den Fahrgästen über ihre bereits bestehende Reise-Apps zur Verfügung stellen können.“

Mit Hilfe der aim4it-App kann der Reisende bereits bei der Planung angeben, ob er eine verlängerte Umsteigezeit benötigt und wann er möglicherweise Hilfe beim Ein- und Aussteigen braucht. Dem Bus- oder Straßenbahnfahrer wird daraufhin auf einem Display im Fahrzeug angezeigt, an welcher Haltestelle er einen längeren Aufenthalt einplanen muss, um auf die später zusteigenden Fahrgäste zu warten. Zudem sieht er so schon im Vorfeld, wann er die Rampe für Rollstuhlfahrer ausklappen muss.

Alternativrouten in Echtzeit

Das Fahrplanauskunftssystem der App erhält von dem jeweiligen Verkehrsunternehmen aktuelle Informationen über die benötigten Verkehrsmittel. Wenn eine Störung auf der geplanten Route eintritt, erhält der Fahrgast in Echtzeit eine Nachricht auf seinem Smartphone. Über die aim4it-App kann er eine Alternativroute anfordern, die seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt. Wenn etwa in einer Haltestelle der Fahrstuhl ausfällt, erhält ein Rollstuhlfahrer eine Meldung und zum Beispiel den Vorschlag eine Station früher auszusteigen und dort den Aufzug zu benutzen.

Die Wissenschaftler sind, obwohl die erste Testphase beendet ist, nach wie vor an Feedback interessiert: Direkt über die aim4it-App können die Fahrgäste ihre Erfahrungen zu den neuen Funktionen und die Unterstützung durch die Fahrer mitteilen. Der Verkehrsanbieter erhält so wichtige Hinweise, wie die Services weiter verbessert werden können.

Das Forschungsprojekt aim4it wird im Rahmen des EU-Förderprogramms Future Travelling (ENT3) abgewickelt. aim4it wird gefördert durch: das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und das National Centre for Research and Development aus Polen. Projektpartner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Bergische Universität Wuppertal, FH Joanneum GmbH, Fluidtime Data Services GmbH, INIT AG, Matrixx IT Services GmbH, Mentz Datenverarbeitung GmbH, Mentz Datenverarbeitung Austria GmbH, Polytechnische Universität Poznan, SignTime GmbH, Wiener Linien GmbH & Co KG.

(RP/PM)

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2 Kommentare

  • Marc Helmke

    Sehr gute Sache. Hoffe das wird dann auch funktionieren… Die Technik kann viel gutes bewirken..

    26. April 2016 at 14:18
  • Andrea

    Achtung Ironie: Super, dann bleiben die ganzen Behindis von vornherein Zuhause, weil ja immer irgendwo etwas defekt ist. Dann gibt es auch keinen Ärger mehr mit der DB und sie kommt dann in Punkto Mobilitätsservice gut weg.

    Nein im Ernst, wenn es diese App schon gäbe, dann wäre mir am Samstag viel Stress erspart geblieben. (Thema Aufzüge!) Werde ich mir sofort runteladen, wenn es soweit ist.

    26. April 2016 at 22:20

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